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Die Kantonsschulen rüsten auf digitalen Unterricht um

«Bring Your Own Device» (BYOD) ist an den Gymnasien des Kantons Zug momentan zentrales Thema. Damit, dass jeder Schüler den eigenen mobilen Computer mitbringt, ist es aber längst nicht getan.
Cornelia Bisch

Die Kantonsschule Menzingen hat den Schritt hin zum digitalen Unterricht bereits vollzogen und für die Schüler aller vier Klassenstufen des Maturitätslehrgangs (1. - 4. Klassen des Kurzzeitgymnasiums sowie 3. - 6. Klassen des Langzeitgymnasiums) das Obligatorium eines eigenen Laptops oder Tablets für das Schuljahr 2018/19 eingeführt. Die Kantonsschule Zug plant dies für den Beginn des nächsten Schuljahres.

«BYOD (Bring Your Own Device) ist ein grosses Schulentwicklungs-projekt auf allen Ebenen: pädagogisch-didaktisch, technisch, organisatorisch, zeitlich», stellt Peter Hörler, Direktor der Kantonsschule Zug, fest. «Alle Akteure der Schule sind involviert.» Die Lehrer mit internen und externen Weiterbildungen sowie mit der Information und dem Einbezug der betroffenen Klassen. Die Schüler ab der 5. Stufe und ihre Eltern mit der Anschaffung eines entsprechenden Geräts. «Ab dem Schuljahr 20/21 wird das System auch auf die 3. und 4. Stufe ausgeweitet», kündigt Hörler an. Die Kanti Zug hatte BYOD als Pilotprojekt bereits vor fünf Jahren an der Wirtschaftsmittelschule (WMS) eingeführt. «Die Erfahrungen der WMS können wir nun für die anstehende flächendeckende Einführung nutzen.» Der Ausbau dieses Systems auf eine Schule mit gegen 1500 Schülern benötige einen durchdachten und soliden Vorlauf, betont Hörler. Die Eltern seien bereits mit einem persönlichen Brief, an Elternabenden sowie über die Website der Schule informiert worden.

Unterschiedliche Kenntnisse

Sowohl die Lehrpersonen als auch die Schüler brächten einen sehr unterschiedlichen Erfahrungshintergrund mit sich. «Das Spektrum beginnt bei den ‹Nerds›, die alles kennen und auch anderen helfen können.» Dann gebe es die IT-affinen Personen, die sich relativ einfach einklicken würden, aber auch jene, die bisher kaum oder gar keine Erfahrung hätten. «Es gilt das Motto der kleinen Schritte.» Grundsätzlich werde der Computer in allen Fächern Anwendung finden. «Die Häufigkeit des Einsatzes wird von der konkreten Unterrichtsituation und Lehrperson abhängen.» Es werde jedoch in jedem Fach einen Katalog von Minimalkenntnissen geben, welche vermittelt werden müssten.

Zeiten ohne Geräte im Unterricht werde es ebenfalls geben. «Auch dies liegt in der Verantwortung der Lehrpersonen.» In den öffentlichen Zonen des Untergymnasiums in Trakt 5 bestehe schon heute ein Nutzungsverbot.

Positive Rückmeldungen von Lehrern und Schülern

An der Kantonsschule Menzingen gibt es diesbezüglich keine Verbote, aber Regeln für den öffentlichen Raum, beispielsweise die Mensa, sowie Abmachungen, die jede Klasse selbst trifft. «Das hat sich bewährt», berichtet Rektor Markus Lüdin. «Wir müssen kaum je eingreifen.» Die Umsetzung des Grossprojekts BYOD in Menzingen stand und steht unter dem Motto «Denken und Handeln in Alternativen». «Es geht darum, nicht blind auf den Computer zu setzen, sondern nur dann, wenn ein fachlicher und pädagogischer Mehrwert damit verbunden ist.» Schüler und Lehrer würden sich bewusst entscheiden.

Laut Aussagen der Schüler werden mittlerweile rund 60 bis 70 Prozent des Unterrichts computerunterstützt geführt. Das Projekt BYOD sei in Menzingen sehr gut angelaufen. «Der Evaluationsprozess ist zwar noch im Gang, aber die Rückmeldungen seitens der Lehrpersonen und Schüler sind sehr gut.» Er sei positiv überrascht und auch ein wenig stolz auf das Kollegium. «Der Einstieg in die digitale Welt, verbunden mit einer neuen Art der Vorbereitung, der Ablage, der Kommunikation, war ein grosser Schritt für die mittlerweile über 70 Lehrpersonen.» Aber man gehe entspannt damit um, und es herrsche eine grosse Offenheit.

Lehrer wurden ausgebildet

Das Lehrerteam war im Vorfeld während zwei Jahren mit schulinternen Weiterbildungen auf die Umstellung vorbereitet worden. «Schrittweise werden nun weitere Tools und Softwareprogramme eingeführt.» Zwei Lehrer mit IT-Ausbildung stehen in Menzingen ihren Kollegen bei Problemen und Fragen zur Seite. Auch mit der Technik klappe es nach anfänglichen Schwierigkeiten, beispielsweise mit ungenügender Netzleistung, heute sehr gut. Von Seiten der Eltern seien einige wenige Fragen gekommen, aber grossmehrheitlich hätten auch sie positiv reagiert.

Im Gegensatz zur Kantonsschule Zug bietet Menzingen für einkommensschwache Familien gebrauchten Geräte günstig zum Kauf an. «Diese Möglichkeit wurde jedoch kaum genutzt. Wir haben nur drei Geräte verkauft», erzählt Lüdin.

«Wichtig ist auch immer wieder der Austausch pädagogischer Erfahrungen.» Anders als bei vorangegangenen Neuerungen im pädagogisch-didaktischen Bereich müsse man hier nach ersten Erfahrungen wieder zur Grundphilosophie der Schule zurückkehren und auch die Unterrichts- und Lerngefässe sowie die gesamte Unterrichtsorganisation überdenken. «Das ist keine Veränderung, die man am Reissbrett planen kann. Es ist ein fortwährender spannender Prozess.»

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