Die Kesb will Vermögenswerte von verschwundenem Baarer Bauern verkaufen

Die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde wird auf dem Baarer Grossacherhof wegen Schulden und laufender Rechnungen aktiv.

Raphael Biermayr
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Der Grossacherhof bei Inwil liegt neben der im Bau befindlichen Tangente Zug/Baar.

Der Grossacherhof bei Inwil liegt neben der im Bau befindlichen Tangente Zug/Baar.

Maria Schmid (14. Januar 2020)

Josef Andermatt, der Bauer des Grossacherhofs bei Inwil, ist nicht nur seit längerem verschwunden, sondern auch verschuldet. Die Kinder- und Erwachsenenbehörde (Kesb) des Kantons Zug wird nämlich Vermögenswerte von ihm veräussern. Dies, um «eine weitere Schuldenzunahme» zu verhindern und dass «laufende Rechnungen im Zusammenhang mit seinem Landwirtschaftsbetrieb beglichen werden können», wie dem Amtsblatt vom 13. Dezember zu entnehmen ist.

Mittlerweile ist die Frist zur Anfechtung dieses Entscheids verstrichen. Gemäss dem Zuger Verwaltungsgericht ist bis gestern Mittag keine Beschwerde eingegangen. Eine solche hätte von Verwandten oder Drittpersonen stammen können. Denn diese sind nach Angaben der Zuger Kesb beschwerdeberechtigt, sofern sie begründen können, dass sie im Interesse der betroffenen Person handeln.

Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass Josef Andermatt selbst noch Beschwerde einreicht. Da ihm der Entscheid der Kesb nicht postalisch zugestellt werden konnte, hatte er bis zum 13. Januar Zeit, diesen bei der Behörde abzuholen. Deshalb bliebe ihm noch Zeit, dagegen vorzugehen. Zur Frage, ob der Bauer den Entscheid abgeholt hat, äussert sich die Leiterin der Zuger Kesb, Gabriella Zlauwinen, nicht. Sie beruft sich wie üblich auf das Amtsgeheimnis respektive den Persönlichkeitsschutz.

Gesetzt den naheliegenden Fall, dass dies nicht geschehen ist, hat der Entscheid Rechtskraft erlangt. Damit werden nun also die Vermögenswerte von Andermatt verkauft. Welche das sind, ist von der Kesb nicht zu erfahren. Gleiches gilt für den Zeitpunkt und die Art, wie diese Verkäufe vonstattengehen. Klar ist: Ein allfälliger Gewinn wird von der Kesb verwaltet – allerdings nicht zeitlos. Gabriella Zlauwinen schreibt:

«Ist die betroffene Person während
fünf Jahren nicht auffindbar, wird sie
vom Gericht als verschollen erklärt. Danach tritt für die Vermögenswerte
die Erbfolge ein.»

Was ist mit dem Geld aus Landverkäufen?

Damit ist die seltsame Geschichte um den Grossacherhofbauern um ein Kapitel reicher. Im Jahr 2016 wurde öffentlich, dass Josef Andermatt unauffindbar ist. Dies infolge zweier Enteignungen, die im Amtsblatt ausgeschrieben waren. Der Kanton benötigte damals für Arbeiten im Zusammenhang mit der Tangente Zug/Baar nämlich den Zugang zu dem auf Andermatts Grundstück liegenden Margelbach. Darüber hinaus ging es um ein Stück Land, dessen Verkauf der Landwirt mittels Vertrag bereits zugestimmt hatte, wie der damalige Baudirektor Heinz Tännler sagte.

Abklärungen hätten ergeben, dass der Baarer im Jahr 2015 in ein Kloster in Frankreich eingetreten und für niemanden mehr zu sprechen sei. Der Hof hätte er gerüchteweise Landwirtschaftsarbeitern zur Bewirtschaftung überlassen. Und der frühere Baarer Bauchef Paul Langenegger erwähnte, dass Andermatt auch der Gemeinde ein grösseres Stück Land verkauft hatte. Mit dem Erlös könne man sein Leben in der Ferne sicherlich geniessen, verriet Langenegger. In der Schweiz jedenfalls hat Andermatt Schulden zurückgelassen.