Die Klinik Zugersee baut die Jugendpsychiatrie aus

Die Klinik Zugersee in Oberwil erweitert ihr Angebot: 2020 wird eine therapeutische Station für junge Erwachsene eröffnet.

Laura Sibold
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Chefarzt Josef Jenewein zeigt die Station für junge Erwachsene in der Klinik Zugersee. 12 Therapieplätze gibt es auf der Station.

Chefarzt Josef Jenewein zeigt die Station für junge Erwachsene in der Klinik Zugersee. 12 Therapieplätze gibt es auf der Station.

Bild: Maria Schmid (Zug, 17. Dezember 2019)

Ein Flur mit mintgrünen Türen neben hell gestrichenen Wänden, es riecht leicht nach frischer Farbe. Daneben ein Aufenthaltsbereich mit Sesseln und einer abstrakten Blumentapete: Es ist noch ruhig auf der Akutstation für junge Erwachsene, welche die Klinik Zugersee Anfang 2020 in Betrieb nimmt. Doch auch ein Flachbildfernseher und ein Töggelikasten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass wer hier landet, psychiatrische Hilfe bitternötig hat.

Die neue Akutstation der Klinik in Oberwil bietet psychiatrische Grundversorgung für junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren. Denn psychische Erkrankungen beginnen häufig früh und betreffen überproportional oft Jugendliche und junge Erwachsene. Laut Studien erleben 3 von 100 jungen Menschen einmal eine psychotische Episode. Die Nachfrage nach einer Therapiestation für junge Erwachsene sei denn auch gegeben, betont Chefarzt Josef Jenewein. «Wir haben bereits heute im Schnitt gut zehn Patientinnen und Patienten in dieser Altersklasse.»

Station schliesst regionale Versorgungslücke

Auf der neuen, offen geführten Station werden primär akute Krisen mit Selbstgefährdung sowie Patienten mit Erstpsychosen behandelt. «Das können schwere Depressionen, Angststörungen, Schizophrenien oder Persönlichkeitsstörungen wie etwa Borderline sein», erklärt Jenewein. Nicht behandelbar auf der neuen Station für junge Erwachsene sind laut Chefarzt Abhängigkeitserkrankungen sowie schwer suizidgefährdete Personen – diese werden weiterhin auf den bestehenden Akutstationen untergebracht.

Jenewein betont, dass nicht zwölf neue Therapieplätze geschaffen werden –, sondern ein neues Therapieangebot. Bisher habe man die jungen Menschen nämlich auf anderen Stationen untergebracht. Aufgrund ihres Alters und den dadurch anderen Bedürfnissen hätten sie da jedoch nicht wirklich hineingepasst. So schliesst die neue Akutstation für junge Erwachsene denn auch eine Versorgungslücke: Ein stationäres Therapieangebot für 18- bis 25-Jährige fehlte bisher im Einzugsgebiet von Triaplus, das neben Zug die Kantone Uri und Schwyz umfasst. Einzig die Frauenklinik am Meissenberg hat bereits eine Station für junge Frauen mit Persönlichkeitsstörungen und Suchterkrankungen.

Leistungen werden bald neu verhandelt

Per Anfang 2018 wurden die Sozialpsychiatrischen Dienste der Kantone Uri und Schwyz, der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst Schwyz sowie die ambulanten Psychiatrischen Dienste des Kantons Zug und die Psychiatrische Klinik Zugersee in der Triaplus AG zusammengeführt. Diese stellt seither die stationäre und ambulante psychiatrische und psychotherapeutische Grundversorgung in den drei Konkordatskantonen Uri, Schwyz und Zug sicher. Die neue Akutstation für junge Erwachsene ist Teil der Spezialisierungsstrategie der Klinik Zugersee. So soll etwa voraussichtlich Mitte 2020 auch eine neue Psychosestation in Betrieb genommen werden.

Statt der Station für 18- bis 25-Jährige habe man eigentlich eine Adoleszenzstation für 16- bis 25-Jährige erstellen wollen, verrät Chefarzt Josef Jenewein. Doch die Triaplus AG hat mit den Konkordatskantonen nur eine Leistungsvereinbarung für die Erwachsenenpsychiatrie abgeschlossen. Solange kein Leistungsauftrag für unter 18-Jährige besteht, werden auf der neuen Akutstation nur in Ausnahmefällen Jugendliche unter 18 Jahren aufgenommen. Jüngere Betroffene im Konkordatsgebiet werden an die Privatklinik Littenheid im Thurgau verwiesen. 2020 verhandeln Triaplus und die Konkordatskantone allerdings die Leistungsvereinbarungen neu. Im Rahmen der Verhandlungen wolle man beantragen, auch für 16- bis 18-Jährige einen Leistungsauftrag zu erhalten, betont Jenewein. (ls)

In der Abteilung der Klinik Zugersee, in welcher früher ältere Menschen untergebracht waren, finden nun bald zwölf junge Erwachsene einen Therapieplatz. Die meisten der zwölf Betten sind in Doppelzimmern untergebracht. Aus gutem Grund, wie Josef Jenewein erklärt: «Junge Menschen haben grundsätzlich lieber Gesellschaft, zudem sollten gerade Depressive nicht zu oft alleine sein.»

Patienten bleiben drei bis sechs Wochen

Auf der Station werden die jungen Erwachsenen von einem professionellen Team aus Ärzten, Psychologen, Sozialpädagogen, Pflegern und weiteren Therapeuten betreut – insgesamt entfallen 9,5 Vollzeitstellen auf die 12 Therapieplätze. Eine klare Tagesstruktur in einem familiären Rahmen sei entscheidend, damit die Patientinnen und Patienten lernen, mit ihrer Krankheit umzugehen und ihre Zukunft aktiv zu gestalten. Neben dem individuellen Therapieplan nehmen die jungen Erwachsenen an Gruppenaktivitäten wie Kochen, Sport und einer Aufklärungs-, Lern- und Fördergruppe teil. Ein besonderes Augenmerk gilt darüber hinaus dem Einbezug des persönlichen Umfelds in die Therapie.

«Wir wollen eng mit den Angehörigen zusammenarbeiten, da das soziale Umfeld in diesem identitätsstiftenden Lebensabschnitt besonders wichtig ist», so der Chefarzt.

Im Durchschnitt sollen die jungen Patienten drei bis sechs Wochen auf der Akutstation bleiben. Die Zuweisung erfolgt meist über einen Psychiater oder einen Hausarzt. Man führe bereits erste Vorgespräche und habe auch schon erste Anmeldungen. Entsprechend kehrt in den Doppelzimmern hinter mintgrünen Türen sowie im Aufenthaltsbereich unter der Blumentapete schon in zwei Wochen Leben ein.

Anmeldungen für die neue Station via 041 726 33 01 oder per E-Mail an patientenanmeldung.klinik@triaplus.ch. www.triaplus.ch