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Zuger Sagen: Die Konsequenzen eines Meineids

Um den sogenannten Dreifingerstein am Höhronen rankt sich eine unheimliche Sage. Sie handelt von einem Senn, der sich ein Stück Land unter den Nagel reissen wollte und dies bitterlich bereute.
Christopher Gilb
Der Dreifingerstein im Wald am Höhronen. (Bild: Stefan Kaiser (Oberägeri, 22. April 2013))

Der Dreifingerstein im Wald am Höhronen. (Bild: Stefan Kaiser (Oberägeri, 22. April 2013))

Heute sind sie schwer auszumachen, die drei Löcher, welchen der Dreifingerstein seinen Namen verdankt. Sie müssen jedenfalls einst jemandem vorgekommen sein, als seien gleichzeitig ein Daumen, ein Zeige- und ein Mittelfinger in den mächtigen Granitstein im Wald unweit der Weggabelung beim Höhboden gedrückt worden. Dieser Stein auf Oberägerer Gemeindegebiet hatte einen Senn als Dieb überführt, so erzählt es jedenfalls eine Sage.

«Es segi en Sänn gsii, und de hebi sich, nachdäm de Alpbsitzer gstorbe isch, de Blätz Land welle under de Nagel riisse», heisst es im Buch «Zuger Sagen» von Maria Greco und Brigitt Andermatt. Dies habe er mit allen Mitteln versucht, er fälschte Urkunden und anderes. Auch die eigentlich rechtmässigen Erben, die Kinder des verstorbenen Alpbesitzers, habe er ständig bedrängt, ihn als Besitzer anzuerkennen. Diese wiederum hätten leider nichts in der Hand gehabt, was das Gegenteil hätte beweisen können. Es kam also zum Gerichtsfall.

Vom Blitz getroffen

«S Gricht isch – wies zu säbere Zyt Bruuch gsii isch – uf däm Blätz Land ghalte worde.» Feierlich habe der Senn geschworen, dass der Bauer ihm die Alp übertragen habe: «So wien ich mini drü Finger i de Stei ine stecke, so wenig isch min Schwur falsch.» Dazu habe er seine drei Finger auf den Stein gelegt. Doch plötzlich habe dieser nachgegeben wie weicher Schnee und bis zum Handknochen seien die drei Finger des Sennen im Stein stecken geblieben. Der Senn sei geschockt gewesen. Denn: «Er het d Hand nümm chönne bewege, und d Finger sind dinne blibe, wie wenns aagwachse wäred.»

Der Senn beichtete daraufhin seine Lüge. «Und im gliiche Momänt het d Ärde aagfange bäbe, en tunkli Wulche isch uf de Platz abecho, es het uusgshe wie de Wältundergang.» Dann sei ein Blitz aus den Wolken herausgeschossen. Und als die Wolken dann wieder verschwunden gewesen seien, habe man den Senn mit verdrehtem Hals tot auf dem Boden liegen sehen.

Höhere Macht, Betrug und Grenzüberschreitung

Ähnliche Sagen gebe es auch an anderen Orten in der Schweiz, weiss die Baarer Geschichtenerzählerin Mario Greco. Themen in diesen Sagen seien die höhere Macht, die Grenzüberschreitung und der Betrug. «Hier hat jemand einen Meineid geleistet und erhielt dafür die höchste Strafe.» Die Moral von der Geschichte könnte in etwa lauten: «Betrüge nicht um Land, sonst könnte es dir an den Kragen gehen.» Eine allgemeingültige Schlussfolgerung also. Und doch sei diese Sage eben durch den Stein ortsgebunden. «So ein Riese, der sich schon sehr lang an diesem Ort befindet, ist etwas Besonderes», sagt sie zu den möglichen Hintergründen der Sage. Vielleicht sei dieser sogar irgendwann mal ein Ritualstein gewesen oder zu Urzeiten ein Richtstein. «Man schwört ja nicht auf irgendwas», so Greco. Es handle sich jedenfalls um einen speziellen Ort, solche Orte gebe es viele, einige kenne man noch, andere seien vergessen gegangen. Und wieder andere werden einem durch Sagen wie diese in Erinnerung gerufen.

In der Serie «Zuger Sagen» stellen wir verschiedene Geschichten aus dem Kanton vor. Quellen: Zuger Sagen. Sage, Legände und Gschichte usem Kanton Zug, Maria Greco und Brigitt Andermatt. Zuger Sagen und Legenden, nacherzählt von Hans Koch. Walchwil – eine Gemeindegeschichte, Albert Müller.

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