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Zuger Ringer: «Die Krankheit hat mich positiv verändert»

Christian Zemp (18) kämpfte sich nach dem Pfeifferschen Drüsenfieber wieder zurück auf die Matte. Der Baarer steht vor zwei Highlights: die Europa- und Weltmeisterschaft der Junioren.
Michael Wyss
Schaut wieder zuversichtlich in die Zukunft: der Zuger Greco-Ringer Christian Zemp. (Bild: Stefan Kaiser, Baar, 27. Mai 2019)

Schaut wieder zuversichtlich in die Zukunft: der Zuger Greco-Ringer Christian Zemp. (Bild: Stefan Kaiser, Baar, 27. Mai 2019)

«Es war eine harte Zeit für mich, nicht ringen zu können. Doch ich musste das einfach akzeptieren. Die knapp sechsmonatige Pause musste sein. Der Körper verlangte dies», gibt sich Christian Zemp immer noch emotional. Im März 2018 wurde beim 18-jährigen Baarer das Pfeiffersche Drüsenfieber festgestellt. «Ich bestritt in Tschechien ein Vorbereitungsturnier auf die neue Saison hin und war nach kurzer Kampfdauer extrem schlapp und müde. Das war sehr untypisch für mich», kann sich der 183 cm grosse und 88 kg schwere Ringer noch genau daran erinnern.

Der Besuch beim Arzt nach der Rückkehr mit der Blutprobe brachte dann die Gewissheit. «Das Schlimme war, dass ich in dieser mehrmonatigen Zeit praktisch nichts machen konnte – ausser schlafen.» Arbeiten und jegliche Anstrengungen waren Gift für seinen Körper. «Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit und Fieber waren die Folge. Ich wurde zu 100 Prozent krankgeschrieben. Es waren lange Tage für mich. Da fängt man die Stunden an zu zählen», erinnert sich Zemp, der Mitglied der Ringerriege Brunnen (Nationalliga B) ist, an jene schwierige Zeit.

Nun ist die Krankheit überstanden und der in Baar aufgewachsene Zemp, der die Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten auf der Gemeinde Walchwil begonnen hat, ist wieder zu 100 Prozent fit. «Die Krankheit hat mich geprägt. Doch jetzt bin ich wieder der Alte, fühle mich gestärkt und bin voller Enthusiasmus.» Im letzten Juni konnte Christian Zemp Teilzeit arbeiten, im Herbst trainierte er und bestritt auch NLB-Kämpfe mit Brunnen und mit einer B-Lizenz bei Hergiswil in der Swiss Winforce League (höchste Liga). «Ich konnte damals etwa 70 Prozent meiner Leistung abrufen. Seit diesem Jahr bin ich voll leistungsfähig und habe Vorbereitungswettkämpfe bestritten.»

Lehre unterbrochen für den Ringsport

Und dies mit Erfolg: In Österreich (2. Rang), Deutschland (3. Rang) und Tschechien (Top Ten) zeigte Zemp in seiner Kategorie «Junioren Greco bis 87 Kilogramm» bereits wieder starke Leistungen. «Diese Auftritte waren eine Standortbestimmung für mich. Ich bin auf dem richtigen Weg», stellt Zemp fest. Auf dem Weg zurück auf die Matte wurde der Baarer von einem Mentalcoach betreut. «Es war für die Psyche sehr wichtig, dass mich eine Person begleitete. Die Lust am Ringen hatte ich jedoch nie verloren, auch Motivationsprobleme oder Zweifel an der Fortsetzung meiner Karriere kannte ich nicht. Ringen ist mein Leben, meine ganz grosse Leidenschaft. Das kann mir niemand wegnehmen.»

Sein ganz grosses Ziel ist nun die Teilnahme an der Europameisterschaft im Nordwesten Spaniens, in Pontevedra (Region Galicien) vom 2. bis 6. Juni. Und: Was erhofft er sich? «Eine Medaille wäre natürlich sehr schön für mich. Dafür trainiere ich seit Wochen nun zweimal täglich. Pro Woche sind das bis zu zwölf Einheiten.» Zweimal täglich? Wie geht das nebst der Arbeit als Lehrling im 3. Ausbildungsjahr? «Ich habe das Angestelltenverhältnis auf der Gemeinde Walchwil im letzten Monat beendet und die Lehrzeit nun unterbrochen, weil ich in diesem Jahr voll auf den Ringsport setze. Aktuell bin ich Profi. Es besteht aber die Möglichkeit, meine Lehre in Zukunft fortzusetzen», erklärt er. Unterstützt wird der Baarer finanziell von seinen El­tern, der Ringerriege Brunnen und einigen Sponsoren. «Ich füh­re ein bescheidenes Leben und wohne noch zu Hause, so komme ich über die Runden.» Apropos Bescheidenheit: Hat sich Zemp nach der Krankheit verändert? Er sagt: «Weniger ist mehr. Es ist nicht das Materielle, was wichtig ist im Leben. Heute weiss ich, was es bedeutet, gesund zu sein. Es ist keine Selbstverständlichkeit und ein Geschenk, wenn es einem gut geht. Ich höre jetzt sicher mehr auf meinen Körper. Die Krankheit hat mich positiv verändert.» Etwas Negatives kann auch etwas Positives auslösen, oder? «Absolut, in meinem Fall sicher. Ich lebe heute bewusster und geniesse jeden Augenblick, freue mich an Kleinigkeiten, die ich früher vielleicht gar nicht wahrgenommen habe.»

Der Traum von den Olympischen Spielen

Ein weiteres grosses Ziel wäre die Junioren-Weltmeisterschaft im August in Estlands Hauptstadt Tallinn. «Mit guten Leistungen an der Europameisterschaft kann ich Werbung in eigener Sache machen.» Zwischen der EM und WM bestreitet Zemp in Tschechien, Ungarn und Finnland drei Trainingslager, unabhängig von einer WM-Selektion. Gibt es auch Träume in Zemps Leben? «Eine Olympiateilnahme wäre sicherlich der Karrierehöhepunkt. 2024 in Paris für die Schweiz zu starten, das wäre fantastisch.»

Gut möglich, dass Zemp sich diesen Traum erfüllt. Sein Ehrgeiz, Kampfgeist und die Leidenschaft zum Ringen sind nach seiner überstandenen Krankheit noch grösser geworden.

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