Die Krise stärkt das neue Betreuungskonzept der Pflegi Muri

In der Pflegi Muri macht sich trotz Corona-Isolation keine Niedergeschlagenheit breit.

Eddy Schambron
Drucken
Teilen
Der Direktor der Pflegi Muri, Thomas Wernli, sieht das Betreuungskonzept bestätigt.

Der Direktor der Pflegi Muri, Thomas Wernli, sieht das Betreuungskonzept bestätigt.

Bild: PD

Das erfolgreich gestartete, aussergewöhnliche Betreuungskonzept der Pflegi Muri, «Meine 24 Stunden» genannt, bewährt sich in der Coronakrise nicht nur, sondern wird durch sie sogar bestärkt. «Das Wohngruppengefühl, in der Isolation der Bewohnerinnen und Bewohner besonders wichtig, ist intensiver geworden», sagt Pflegi-Direktor Thomas Wernli. «Wir sind in guter Stimmung und wie stärker zusammengewachsen.»

Im letzten Jahr wurde «Meine 24 Stunden» auf allen Wohngruppen eingeführt. «Die Bewohnerinnen und Bewohner möchten von uns mehr Zeit, mehr Präsenz, mehr Begegnungen auf Augenhöhe, Mitbestimmung und Beteiligung», stellt Wernli im Jahresbericht 2019 fest.

Möglichst wenige Vorgaben, möglichst viel Lebensraum

Nüchtern betrachtet seien aber Strukturen und Prozesse in einem Pflegeheim nicht primär darauf ausgerichtet. «Vielmehr arrangierten sich Bewohnerinnen, Bewohner und Angehörige mit dieser Konstellation, zufrieden sind sie in der Regel nicht wirklich.» Aus diesem Dilemma wollte die Pflegi Muri mit den Konzept «Meine 24 Stunden» kommen. Das Projekt will Gestaltungs- und Lebensräume «mit maximal reduzierten Vorgaben und Regeln» schaffen, Haltungen in Frage stellen und verändern sowie die verfügbare Zeit für die Bewohnerinnen und Bewohner mit unveränderten Personalbestand erhöhen. Was sich im normalen Pflegealltag gut angelassen hat, bekam mit der Coronakrise zusätzlichen Schub. Jede Wohngruppe wird beispielsweise zur Verminderung der Ansteckungsgefahr jetzt stets vom gleichen Personal betreut und verfügt über eine eigene Aktivierungsperson. Das kommt gut an und schafft Vertrauen. Einzig beim bereits umgesetzten Verzicht auf Berufskleidung musste die Heimleitung angesichts von Covid-19 zurückbuchstabieren.

Weniger krank, Verständnis für die Situation

Die Krise bringt im Heim auch Erstaunliches zu Tage: «Wir haben viel weniger kranke Leute», stellt der Direktor fest, in dessen Betrieb 330 Mitarbeitende beschäftigt sind. Das ist einerseits der Isolation zuzuschreiben, andererseits der Tatsache, dass das Personal besonders vorsichtig bei Aussenkontakten geworden ist und die Hygienemassnahmen noch strikter einhält als schon wie bisher. Interessant sei auch, dass sich im Heim wegen der Isolation kaum Niedergeschlagenheit breitmache. «Es scheint, als die Angehörigen unter dem Besuchsverbot mehr leiden würden als die Bewohnerinnen und Bewohner.» Die provisorisch eingerichteten Besuchsräume ausserhalb der Pflegi in Zelten bewähren sich allerdings nicht. «Die schaffen wir gleich wieder ab, da stimmt die Atmosphäre nicht.» Dafür wird jetzt der dritte Begegnungsraum im Haus realisiert. Die Grösse der Pflegi hilft, auf klar definierten, unproblematischen Wegen die Angehörigen in diese Räume zu begleiten.

Finanziell hat die Krise keine so grossen Auswirkungen auf die Pflegi mit ihren 200 betreuten Personen. Einzig das Restaurant Benedikt ist geschlossen, sonst herrscht sozusagen normaler Betrieb. 2019 war ein gutes Jahr, auch finanziell. Die Auslastung und der Durchschnitt der Pflegestufen lagen über den budgetierten Vorgaben. Das Geschäftsjahr schliesst deshalb mit einem Gewinn von 31818 Franken ab, budgetiert war eine ausgeglichene Rechnung, wie Sabine Boeckh, Leiterin Finanz- und Rechnungswesen sowie stellvertretende Direktorin, festhält. Die Rechnung wird allerdings in einem völlig ungewohnten Rahmen verabschiedet: Der Vorstand des Vereins Pflegi Muri hat beschlossen, die diesjährige Generalversammlung am Mittwoch, 17. Juni, ohne Präsenz der Vereinsmitglieder durchzuführen.