Kultbeiz Baarbürgli in Baar soll vor dem endgültigen Aus gerettet werden

Das Lokal im Herzen von Baar hat Konkurs angemeldet. Doch neue Eigentümer wollen das Restaurant erhalten.

Laura Sibold
Drucken
Teilen
Nach einem Knatsch zwischen den bisherigen Wirten und deren Vermieter soll die Beiz neue Pächter erhalten.

Nach einem Knatsch zwischen den bisherigen Wirten und deren Vermieter soll die Beiz neue Pächter erhalten.

Bild: Matthias Jurt (Baar, 1. Mai 2020)

Lange wurde es im Dorf und in den sozialen Medien schon gemunkelt, Mitte April folgte die Gewissheit: Das Restaurant Baarbürgli an der Marktgasse 14 in Baar, eine der letzten richtigen «Chnellen» im Kanton Zug, ist in Konkurs gegangen.

Nach dem coronabedingten Lockdown stellte das Wirtepaar den Betrieb zwar noch auf Take-away um, doch plötzlich besagte ein Schild vor dem Eingang: «Ab sofort konkursamtlich geschlossen».

Gegenüber dem Onlineportal «Zentralplus» bestätigt Inhaberin Janette Luginbühl, dass sie den Pachtvertrag fürs «Baarbürgli» per Ende Juni aufgelöst habe, dies «aus persönlichen Gründen». Ein Bild aus alten Zeiten: 

Die Einnahmen seien in den letzten Wochen trotz Take-away eingebrochen, sodass sie einen Unterstützungskredit beantragte. «Mir wurde jedoch bald klar, dass ich diesen Kredit niemals bis Ende Juni zurückzahlen kann. Die Idee, mit hohen Schulden aufzuhören, gefiel mir gar nicht», so Luginbühl. Konkurs anzumelden sei die sauberste Lösung gewesen, der Kredit sei bereits zurückbezahlt.

Bisheriger Pächter sucht ein neues Lokal

Janette Luginbühl ist als alleinige Inhaberin in den Dokumenten eingetragen, führte die Kneipe allerdings sechs Jahre mit ihrem ehemaligen Partner Mike Schwarz. Ihn habe sie vorgängig über ihren Entscheid informiert. Mike Schwarz schildert die Lage ganz anders und betont, er sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Während seiner Ferien habe ihn Luginbühl per Whatsapp über die Kündigung des Pachtvertrages informiert. «Ich bat sie zu warten, bis ich zurück bin, doch es war zu spät. Als Mitte April der Konkursverwalter vorbeikam, war ich schockiert», sagt Schwarz.

Er habe während sechs Jahre viel Herzblut ins Lokal gesteckt und sich auch durch den Streit mit den Vermietern im vergangenen Jahr nicht vertreiben lassen. Dabei ging es um die Öffnungszeiten. Auch eine Einigung vor der Schlichtungsbehörde änderte nichts am angespannten Verhältnis zwischen Wirten und Eigentümern.

Trotzdem wäre Mike Schwarz gerne im «Baarbürgli» geblieben. Seinem Frust macht der Wirt auch auf Facebook Luft, so schreibt er etwa: «Der Baarbürgli-Konkurs hat absolut nichts mit Corona zu tun. Vielmehr mit dem Unwissen gewisser Leute.» Darauf angesprochen betont Schwarz, dass der Pachtvertrag bereits vor dem Lockdown, gekündigt worden sei. Er gehe davon aus, dass Janette Luginbühl alles zu viel geworden sei. Jene wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht ausführlicher zur Situation äussern.

Ein Bild aus besseren Tagen: Das Wirtepaar Janette Luginbühl und Mike Schwarz im legendären «Baarbürgli».

Ein Bild aus besseren Tagen: Das Wirtepaar Janette Luginbühl und Mike Schwarz im legendären «Baarbürgli».

Bild: Maria Schmid (Baar, 25. Oktober 2019)

Mike Schwarz kehrt dem «Baarbürgli» also gezwungenermassen den Rücken. Er ist auf der Suche nach einem neuen Lokal, am liebsten in der Region. «In Baar so aufhören zu müssen, ohne mich richtig verabschieden zu können, schmerzt und tut mir leid für die Gäste», sagt er.

Kein Spekulationsobjekt, sondern eine Dorfbeiz

Das «Baarbürgli» soll indes bestehen bleiben. Die bisherigen Eigentümer haben das Haus an der Marktgasse 14 per 1.April verkauft. Es gehört nun Brauereichef Kurt Uster und dem Allenwindner Bauunternehmen Arnold AG, vertreten durch Jost Arnold junior. «Es haben schon zu viele Traditionslokale in Baar zugemacht», sagt Kurt Uster. Er ergänzt:

Kurt Uster will das Restaurant retten.

Kurt Uster will das Restaurant retten.

Bild: Maria Schmid
«Unser ‹Bürgli› soll nicht zum Spekulationsobjekt werden, sondern so erhalten bleiben, wie es ist. Eine Dorfbeiz, in der man sich am Stammtisch trifft, rauchen und verweilen kann.»


Der Eigentümerwechsel habe nichts mit Corona oder dem Konkurs zu tun, bekräftigt Uster. Der Kaufentscheid sowie der Entscheid für einen neuen Wirt seien bereits vor der Pandemie getroffen worden.

Wer die Pacht des «Baarbürglis» übernehmen wird und wann das Lokal wieder öffnet, ist noch unklar. Man will weitermachen, sobald ein geeigneter Pächter gefunden ist. Nun wird das Restaurant im Innern aufgefrischt und erhält einen neuen Anstrich. Doch der Charakter des «Bürglis» solle bleiben, betont Kurt Uster.