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Leserbrief

Die Kulturkommission der Stadt Zug als Selbstbedienungsladen

«Wurde ein Mitglied bevorzugt?», Ausgabe vom 14. Oktober

Die Mitglieder der Stadtzuger Kulturkommission (Kuko) pflegen schon länger den Brauch, sich gegenseitig Kulturgelder zuzuschieben, neuerdings vergeben sie sogar Atelieraufenthalte intern. Ein Mitglied der Kuko, das auch sonst jedes Jahr tüchtig von den Honigtöpfen der städtischen Kulturgelder profitiert, darf jetzt also auch noch zusätzlich drei Monate nach Genua, inklusive Zustupf.

Damit hat die Vetterli- respektive Bäsliwirtschaft im Kulturklüngel der städtischen Verwaltung einen ungeahnten Höhepunkt erreicht. Zweifellos haben sich diesmal für das Atelier nur wenige Kulturschaffende beworben, aber auch aus gutem Grund: Wer nicht zum Gunst- und Dunstkreis um die städtische Kulturbeauftragte zählt, hat von vornherein wenige Chancen, berücksichtigt zu werden.

Weder die mit dem Atelier beschenkte Person, noch die anderen Mitglieder der Kommission kennen offenbar Skrupel, schliesslich gehören die meisten sowieso schon zu den Hauptnutzniessenden städtischer Kultursubventionen. Der Anteil der Kulturgelder, welcher direkt oder indirekt in die Taschen der Kuko-Mitglieder fliesst, ist eindrücklich. Genau beziffern lässt er sich nur mit grossem Aufwand, denn Transparenz ist hier ein Fremdwort. Anders als es der Stadtpräsident glaubt, fehlt es jedoch nicht an unabhängigen Kulturkennern, vielmehr wollte man bisher möglichst keine kritischen Stimmen in der Kommission. Die städtische Kulturbeauftragte hat es geschickt geschafft, in erster Linie Leute für das beratende Gremium zu portieren, welche insbesondere bezüglich ihrer kulturellen Projekte von der Stadt Zug abhängig sind.

Als weitere Zückerchen geniessen diese zusätzliche Privilegien, dürfen mal hier ein Praktikum machen, mal dort einen Auftrag erfüllen oder permanent in Projekten der Kulturstelle mitwirken, dass man meinen könnte, es gebe keine anderen Kulturschaffenden. Im Gegenzug schaut die Kulturkommission dafür nicht so genau, was die Kulturbeauftragte so wurstelt. Die Hand, die einen füttert, beisst man nicht. Die Kulturbeauftragte interessiert sich ja bekanntlich wenig für strategische Fragen, vielmehr will sie sich als Kuratorin selber verwirklichen. Da kann sie dann noch besser ihre eigene Klientel mit Aufträgen berücksichtigen oder von ihr protegierten Kunstschaffenden eine Plattform geben.

Auch zwischen dem Selbstbedienungsladen Kulturkommission und der Stelle für Kultur herrscht also ein eifriges Geben und Nehmen. Groteskes Beispiel: Eine Mitarbeitende der städtischen Stelle für Kultur hat sich die Kulturschärpe als Auszeichnung der Kuko selber umgehängt. Dass es bisher dem neuen Stadtpräsidenten nicht gelingt, die städtische Kulturpolitik in würdigere Bahnen zu lenken, ist bedauerlich.

Vor einigen Jahren habe ich mit einem Vorstoss im Grossen Gemeinderat selber dazu beigetragen, dass in der Stadt Zug eine Kulturkommission geschaffen wurde. Heute muss ich sagen: In dieser fragwürdigen Zusammensetzung wie jetzt würde man sie besser abschaffen. Beispiele, dass es auch anders geht, braucht man gar nicht so weit zu suchen: Beim Kanton Zug läuft die Vergabe der Kultursubventionen weitaus professioneller, transparenter und fairer.

Beat Holdener, Zug

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