Leserbrief
Die Kur darf nicht schlimmer sein als die Krankheit

«Ab heute gestalten wir die Zukunft neu» und «Der oberste Virenjäger und die Kinderfrage», Ausgaben vom 17. und 18. April

Ulrich Bollmann, Oberwil
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Was der Bundesrat am 16.April verkündet hat, nenne ich bevormundende Bemutterung: Zuerst wird dem braven Bürgerkind patriarchalisch für das Einhalten von Abstandsregel und Zuhausebleiben der Kopf gestreichelt und ein Schöggeli in Form einer Senkung der Radio-/TV-Steuer geschenkt. Und dann wird ihm mit dem Phasenplan klargemacht, dass ihm halt doch noch jede Mündigkeit fehlt. Von Vertrauen in irgendwelche Eigenverantwortung ist keine Rede. Es soll nur weiterhin unter der seligmachenden engmaschigen Obhut des fürsorglichen Bundesrates brav sein und glücklich, dass wenigstens Tattoostudios und Bordelle bald wieder geöffnet werden. Das übrige Gewerbe kann sich ja des schönen Wetters erfreuen.

Ulrich Bollmann, Oberwil


Ich gratuliere den Autoritäten zu dieser Entscheidung. Nachdem es weltweit bezüglich Covid-19 keinen Hinweis gab auf eine nennenswerte Gefährdung von Kindern oder durch sie, war diese Entscheidung überfällig. Dürfen wir weiter auf gesunden Menschenverstand hoffen? Z.B. auf behördliche Erlaubnis zum Tennisspielen? Der Abstand von Grundlinie zu Grundlinie beträgt 23 Meter. Und das sollte doch für Social Distancing reichen. Zudem stärken Bewegung und Freude am Spiel das Immunsystem und damit die Abwehrkräfte gegen das Virus. In diesem Sinne ist allgemein Bewegung in der freien Natur zu beurteilen; gerade bei älteren Leuten. Wenn sie alleine spazieren, stärken auch sie ihr Immunsystem, die Muskulatur und heben ihre Stimmung, was sich wiederum positiv auf ihre Abwehrkräfte auswirkt. Wir müssen unbedingt vermeiden, was in der Medizin leider häufig vorkommt – dass die Kur schlimmer ist als die Krankheit.

Dr. med. Peter Sutter, Oberägeri