Die lange Geschichte eines Zuger Jahrbuches

HINGESCHAUT: Die Ursprünge des Zuger Neujahrsblattes liegen im 18. Jahrhundert. Das bis heute erscheinende Periodikum ist ein wertvoller Spiegel des Kantons.

Andreas Faessler
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Über die vielen Jahrzehnte hinweg hat  sich das Erscheinungsbild des Zuger  Neujahrsblattes laufend verändert.

Über die vielen Jahrzehnte hinweg hat sich das Erscheinungsbild des Zuger Neujahrsblattes laufend verändert. 

Bild: Andreas Faessler (zug, 28. November 2019)

Alle Jahre wieder: Das Zuger Neujahrsblatt gehört zu den beständigsten Periodika des Kantons und hat eine langjährige Tradition. Anfang dieser Woche ist mit dem Zuger Neujahrsblatt 2020 die neuste Ausgabe publiziert worden (siehe Box am Ende des Textes). Das allererste «Zugerische Neujahrsblatt für die Jugend und ihre Freunde» erschien im Jahre 1842 auf Initiative des Theologen Karl Kaspar Keiser (1805-1878). Der Ursprung dieses Zuger Jahrbuches aber liegt noch viel weiter zurück – im 18. Jahrhundert.

Im Zuger Neujahrsblatt von 1985 geht Carl Bossard der Geschichte ausführlich nach. So berichtet er, dass es etwa in Zürich bereits seit Mitte des 17. Jahrhunderts Brauch war, der Jugend ein «Neujahrsblatt» zu überreichen mit lehrreichem, erbaulichem Inhalt. Anfänglich waren es schön gestaltete Einzelblätter, erst später wurde es mehrseitig. Der Brauch verbreitete sich. Ab 1775 erschienen auch in Luzern Neujahrsblätter, im Jahr 1786 führte Ammann Karl Kaspar Kolin (1734-1801) in Zug eine vergleichbare Publikation ein. Es sollte – dem Gedanken der Aufklärung entspringend – eine patriotische Geschichtsschreibung für die Jugend sein. Sie hatte allerdings nur wenige Jahre Bestand.

«Freunde der Jugend und der Geschichte»

Mit der Wiederaufnahme von Kolins Idee durch den oben erwähnten Karl Kaspar Keiser um 1842 erhielt Zug sein Neujahrsblatt zurück. Keisers Publikationen richteten sich weiterhin vorderhand mit Geschichtswissen und christlichen Gedanken an eine jugendliche Leserschaft. Als Keiser dann aber als Professor ans Priesterseminar nach Solothurn ging, setzte die Publikation des Zuger Neujahrsblattes erneut aus.

1881 erschien schliesslich das «Zugerische Neujahrsblatt» wieder, dies auf Initiative des Zuger Geschichtsforschers Anton Josef Wickart (1838-1921) und von Landammann Anton Weber (1839-1924). Als Herausgeberin wurde ein freier Zusammenschluss von «Freunden der Jugend und der Geschichte» angeführt. Die Themen umfassten nun neben Historischem auch Biografisches und allerlei Erzählungen und Kulturelles aus dem Kanton Zug. Bald aber überstieg die Publikation das Budget der kleinen Trägerschaft, und auch die Qualität der Inhalte sank.

So entschied die 1884 gegründete Gemeinnützige Gesellschaft Zug (GGZ) im Jahr 1892, als Herausgeberin des Neujahrsblattes in die Bresche zu springen. Wohl diesem Entscheid ist es zu verdanken, dass das Zuger Neujahrsblatt bis heute Bestand hat. Die GGZ passte das Konzept leicht an. Zwar war das Heft weiterhin vorderhand der Jugend gewidmet, richtete sich mit Inhalten zur «Förderung der Gemeinnützigkeit» jedoch an alle Generationen. Ausgewiesene Fachleute und versierte Schreibende sorgten für einen qualitätvollen Inhalt, ein Anspruch, der sich bis heute nicht geändert hat.

Das Neujahrsblatt im Wandel der Zeit

Geändert aber hat sich die Aufmachung des Zuger Neujahrsblattes, wie die Auswahl auf unserem Bild oben zeigt. Sahen die Blätter anfänglich ähnlich aus wie Deckblätter von Notenpartituren mit historisierendem, später den Jugendstil zitierendem Dekor, so wandelten sich Format, Erscheinungsbild und Inhaltsgestaltung alle zehn bis 20 Jahre massgeblich und dem jeweiligen Zeitgeschmack entsprechend. Hatte das Periodikum anfangs primär einen erzieherischen und belehrenden Auftrag, so hat es sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem Spiegel der kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung des Kantons und vor allem des Alltagslebens der Menschen, die hier leben, gewandelt. In den jüngeren Ausgaben wird denn auch jeweils ein Themenschwerpunkt gesetzt, aktuelle Geschehnisse und Geschichten sind die Leitplanken.

Das Zuger Neujahrsblatt, das gehaltvolle kulturelle Jahrbuch, ist schon lange selbst zum Kulturgut geworden. Auf dass es weiterhin festen Bestand haben möge.

Hinweis
Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

Das Zuger Neujahrsblatt 2020

(fae) «Zug – in Bewegung» lautet der Themenschwerpunkt im aktuellen Zuger Neujahrsblatt (ZNB) 2020, welches die GGZ am vergangenen Dienstag im Burgbachsaal präsentiert hat.

Zum Inhalt: Die Bilder lernten im Kanton Zug schon anno 1900 laufen. Aber warum befanden sich die Kinos damals in Zelten auf Rummelplätzen und hiessen Kinematografen? Mehr Menschen, mehr Bewegungen, mehr Geschwindigkeit – und mehr Stau: Der Kanton Zug steht vor einer Gestaltungsaufgabe, die es in sich hat. Und wie kam es, dass heute fast 300 Sportvereine für Buben und Mädchen, Männer und Frauen im Kanton Zug für eine lebendige und reiche Sportlandschaft sorgen? Die Zuger Bevölkerung ist im schweizerischen Vergleich besonders fit. Warum finden sich Gründe dafür in der Zuger Wirtschaft?

Auf diese und viele weitere Fragen liefert die neue Ausgabe die Antworten. Mit Texten von Matthias Wiesmann, Michael van Orsouw, Falco Meyer, Claudia Wirz, Jana Avanzini, Michaela Eicher und Sabine Windlin. Ohne GGZ-Mitgliedschaft ist das ZNB für 39 Franken im Zuger Buchhandel erhältlich oder kann bei der GGZ-Geschäftsstelle bestellt werden (www.ggz.ch).