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Die letzten Ostern in Risch: Warum Pfarrer Thomas Schneider die Gemeinde nach 19 Jahren verlässt

Der Pfarrer Thomas Schneider (53) wird nach der Messe am Samstagabend offiziell verabschiedet. Sein Weggang ist die Folge eines lebensbedrohlichen Vorfalls im vergangenen Sommer. Dieser hat ihn gelehrt, auch einmal für sich selbst da zu sein.
Raphael Biermayr
Thomas Schneider wird auch die Aussicht vom Balkon der Kirche St. Verena vermissen. (Bild: Stefan Kaiser (Risch, 17. April 2019))

Thomas Schneider wird auch die Aussicht vom Balkon der Kirche St. Verena vermissen. (Bild: Stefan Kaiser (Risch, 17. April 2019))

«Hätte ich kein Gottvertrauen, hätte ich nicht überlebt.» Thomas Schneider sagt das ziemlich ungerührt, bevor er sich in seinem Stuhl im Sitzungszimmer der Pfarrei Risch zurücklehnt. Sein rosa Hemd bringt Farbe in den von Holz dominierten, rustikal-erhabenen Raum. Der 53-jährige Pfarrer hat keine Erinnerung daran, was im August 2018 geschah, Minuten, nachdem er dem Ferienflieger entstiegen war und am Flughafen Kloten auf sein Gepäck wartete. Die drei Frauen, die ihm das Leben retteten, erzählten es ihm bei einem späteren Nachtessen: Schneider sackte zusammen – Herz-Kreislauf-Stillstand. Die drei reagierten geistesgegenwärtig, reanimierten ihn und nahmen den Defibrillator zu Hilfe, bis die Rettung eintraf. «Die Ärzte waren erstaunt, dass ich trotz der langen Reanimation keine schweren Schäden davontrug», sagt Schneider.

Dieser Vorfall war der Auslöser für ihn, einen einschneidenden Entscheid zu fällen und seine Stelle als Pastoralraumleiter Zugersee Südwest zu kündigen. Es ist ein Entscheid, der ihm schwergefallen ist, wie im Gespräch mit ihm zu sehen und zu hören ist. Für einen Mann, dessen Lebensinhalt es ist, für andere da zu sein, ist es offensichtlich nicht leicht zu sagen: Jetzt komme ich an erster Stelle. Entsprechende Ermunterungen aus seinem Umfeld hätten ihm geholfen, sich mit diesem Gedanken anzufreunden. Auch ein Pfarrer hat manchmal das Bedürfnis, über seine Gedanken, seine Bedenken zu sprechen. Schneider sagt, er habe sich in den 31 Jahren in der Schweiz und den 21 Jahren im Kanton Zug einen grossen Freundeskreis aufgebaut, der über sein berufliches Wirkungsfeld hinausreiche.

Am Samstagabend wird er, im Anschluss an die um 20.30 Uhr beginnende Osternachtsfeier, in der Rischer Stube im Pfarreiheim offiziell verabschiedet. Bis zum Ende des Monats wird er aber noch wirken. Manche nutzen die letzte Chance für die Erfüllung eines Wunschs. So wolle beispielsweise ein Elternpaar, dass sein Kind unbedingt noch von ihm getauft werde.

Mehrere Herzinfarkte

Natürlich sagte Thomas Schneider zu. Nein zu sagen, ist ohnehin nicht seine Stärke. Kommt dazu, dass er viele Ideen hat, die er konsequent umsetzt. Die Beiz an der Rischer Chilbi im Pfarrhauskeller, wo er bis zum Morgengrauen «bis auf wenige Ausnahmen hinter der Bar» stand; die überkonfessionellen Sommerlager; der Mittagstisch und die Kinderfeiern im Zusammenarbeit mit dem Frauenkontakt – überall wirkte Schneider bei der Entstehung mit. In der Summe war sein Engagement seiner Gesundheit abträglich. Im vergangenen Sommer schliesslich zwang ihn sein Körper, innezuhalten. Es ist nicht so, dass es keine Vorzeichen gab, aber es schien halb so wild zu sein: Er erlitt mehrere Herzinfarkte, konnte bei einem sogar noch selbst ins Spital fahren, schildert er. «Ich hatte keine Angst, dass ich sterben könnte. Ich wollte einfach, dass die Schmerzen aufhörten», führt er offen aus.

Nach 19 Jahren in Risch wird Schneider also eine neue Herausforderung annehmen. Wie die aussehen wird, kann er nicht sagen. Nach den bevorstehenden Operationen wird er sich schonen müssen. Wie lang, wird sich weisen. Bis dahin werde er keine Tätigkeit annehmen. Seinen Wohnsitz verlegt er nach Baar. «Es ist für den Nachfolger nicht gut, wenn der ehemalige Pfarrer noch in der Gemeinde wohnt, in der er tätig war», ist Schneider überzeugt. Mit seiner Rückkehr nach Baar schliesst sich ein Kreis: Dort trat er im Jahr 1998, als Pfarradministrator, seine erste Stelle im Kanton Zug an. Als er anschliessend als Pfarrer nach Risch wechselte, war die Situation mit der heutigen kaum vergleichbar. Die Einwohnergemeinde hatte halb so viele Einwohner. Und die Pfarreien Risch, Rotkreuz und Meierskappel bildeten wohl einen Seelsorgeverband, aber noch keinen Pastoralraum. Jener wurde 2012 gegründet, sechs Jahre später wurden die zuvor auf drei Leiter verteilten Aufgaben einem Hauptverantwortlichen überantwortet, dem Pastoralraumpfarrer: Thomas Schneider. Dieser hält sich zurück mit Kritik an diesem Organisationsmodell, streicht auch die Vorteile heraus. Doch er lässt durchblicken, dass ihm die zunehmenden administrativen Aufgaben, die ihn «weit» von seinem eigentlichen Seelsorgeauftrag entfernen würden, keine Freude bereiten.

Die Eintritte überwiegen

Darüber hinaus könnte der Pastoralraum «noch den einen oder anderen Mitarbeiter mehr» vertragen. Denn das enorme Wachstum der Ortschaften Rotkreuz, Risch, Buonas, Holzhäusern und auch Meierskappel würde sich auch positiv auf die Mitgliederzahl der katholischen Kirchgemeinde auswirken. «Durch Taufen und Zuzüge verzeichnen wir mehr Eintritte als Austritte», sagt Schneider lächelnd. Manche Pfarreimitglieder habe er getauft und auch verheiratet. Das Begleiten von Personen vom Kindesalter an über Jahre hinweg: Das ist, woran Thomas Schneider sich aus seiner Zeit in Risch besonders gern erinnern wird.

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