In Muri machen sie Nägel mit Köpfen

Das Museum zwischen Pflug und Korn beleuchtet das Schmiedehandwerk. Am kommenden Sonntag öffnet die Sonderaustellung.

Eddy Schambron
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Ueli Ineichen, Edi Strebel und Kunstschmied Richard Erni (von links) hinter dem 250-Kilogramm-Amboss. (Bild: Eddy Schambron)

Ueli Ineichen, Edi Strebel und Kunstschmied Richard Erni (von links) hinter dem 250-Kilogramm-Amboss. (Bild: Eddy Schambron)

Feuer, Eisen, Schmied: Das Museum zwischen Pflug und Korn in Muri widmet sich mit einer Sonderausstellung der früheren Metallverarbeitung. Werkzeuge, aus glühendem Eisen geschmiedet, Eisen an den Hufen der Pferde und sogar der Kühe, das Schmiedehandwerk hat in der Entwicklung der Menschen einen hohen Stellenwert eingenommen. Der Museumsverein eröffnet die Sonderausstellung am 12. Mai, am Muttertag mit einem Bauernhof-Brunch, in der Gröflischüür des Sodhof Muri-Dorf. Sie dauert bis zum 26. Oktober. Ueli Ineichen hat eine spannende Broschüre zum Thema verfasst.

Ende des 17. Jahrhunderts verkaufte die Schweiz jährlich 10000 Kühe nach Italien. Diese Tiere wanderten auf den eigenen Beinen nach Süden und mussten deshalb mit Eisen beschlagen werden. «Im Kanton Uri hatten damals die Schmiede deshalb alle Hände voll zu tun, dafür hielten die Bauern keine Kühe, weil sie die Wiesen vermieteten, damit die Kühe auf der Durchreise Nahrung hatten», weiss Ineichen zu erzählen. Viele noch heute gültige Sprüche sind auf das Schmiedehandwerk zurückzuführen: Zwei Eisen im Feuer haben, beispielsweise, Nägel mit Köpfen machen oder jemanden zur Weissglut treiben. Und klar: Jeder ist seines Glückes Schmied.

Der Schmied hatte magische Kräfte

Hufeisen für Pferde und Stiere, eine Feldesse mit Luftgebläse, eine Hufschmiedetasche, wie sie früher von Militärhufschmieden verwendet wurde, Zangen und vieles mehr ist in der Sonderausstellung zu sehen. Der Verein profitierte dabei auch von der Unterstützung durch Kunstschmied Richard Erni sowie Landwirt und Hufschmied Markus Dürrenmatt-Frey, beide aus Muri. Die metallurgischen Kenntnisse der Schmiede verliehen ihnen einen besonderen Status, wie Ineichen in seiner Broschüre zur Ausstellung aufzeigt. So wurden dem Schmied magische Kräfte zugeschrieben, sehr oft hatte er es mit dem Teufel zu tun, den er regelmässig austrickste. Am Samstag, 10. August, können Interessierte übrigens im Kunstschmiedeatelier von Richard Erni in Muri selber versuchen, nein, nicht den Teufel auszutricksen, sondern glühendes Eisen zu schmieden.

Informiert wird im Rahmen der Ausstellung auch über die frühere Handwerkerschule Muri, die weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Nach 1841 wurden im ehemaligen «Löwen» des Klosters Muri im gemeinsamen Unterricht Schmiede und Wagner ausgebildet. Der Schmied stellte Beschläge der Fahrzeuge und die Bereifung der Räder her, welche vom Wagner gebaut wurden. Die Handwerkerschulen waren die Vorläufer der Gewerbeschulen.

Hinweis
Feuer, Eisen, Schmid, Museum zwischen Pflug und Korn, Muri, Sonntag, 12. Mai, 10 bis 14 Uhr; Hufschmiedetag, Samstag, 10. August, 11 bis 14 Uhr; Hoftheater «Wo die Hirschlein seufzen», Mittwoch, 11. September; Metzgete im Museum, Samstag, 26. Oktober. Infos: www.museum-muri.ch