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«Die meisten Posts sind langweilig»

Nachgefragt
Politologe Mark Balsiger. (Bild: PD)

Politologe Mark Balsiger. (Bild: PD)

Mark Balsiger ist omnipräsent in der Schweizer Medien- und Po­litiklandschaft. Der Politologe (Jahrgang 1967) ist Autor dreier Bücher und fungiert über seine Agentur «Border Crossing» als Politikberater und Medientrainer.

Wie sollte ein Politiker auf Facebook posten und was nicht?

Interaktiv, humorvoll, authentisch, stetig und interessant. Wer sich daran orientiert, wird auf Social Media vorwärtskommen. Zu den No-Gos gib es einen Merksatz: Man soll nur das veröffentlichen, was man auch morgens um 8 Uhr im Bahnhof Zug mit einem Megafon verstärkt sagen würde. Wie fast immer im realen Leben hilft es, den gesunden Menschenverstand einzuschalten – vor dem Veröffentlichen.

Wo sind die Grenzen?

Das Internet und die Social-Media-Plattformen haben dazu geführt, dass die Privatsphäre ganz oder teilweise preisgegeben wird. Wenn Politisierende auch ihre private Seite zeigen, ist das sympathisch und rundet ein ­Profil ab. Es spricht nichts gegen Fotos einer Bergtour oder eines Städtetrips, auch das gehört zur Imagebildung. Wer sich dabei allerdings inszeniert, ist bald als Narzisst etikettiert. Die grassierende Selfie-Manie, die ja längst auch reifere Semester erfasst hat, finde ich lächerlich. Fotos der eigenen Kinder würde ich nie ins Netz stellen.

Was riskiert ein Politiker mit einem misslungenen Facebook-Post?

Er verliert an Glaubwürdigkeit, etwa, wenn ein Post pietätlos oder sehr provokativ ist. Problematisch sind beispielsweise Fotos von Konzentrationslagern oder das Posieren vor selbst erlegten Tieren oder von Kriegsgeräten. Kommen regelmässig Rechtschreib- und Interpunktionsfehler vor, schadet das auch, weil Zweifel an der Schulbildung aufkommen könnten.

Können sich Politiker der Legislative mehr erlauben als jene der Exekutive?

Exekutivpolitiker stehen stärker im Schaufenster, dasselbe gilt für Mitglieder des eidgenössischen Parlaments.

Beherrschen Schweizer Politiker Facebook?

Das Hauptproblem bei den meisten ist, dass ihre Posts langweilig sind. Ein Beispiel: Eine Kandi­datin sammelt an einem Stand Unterschriften für eine Volksinitiative. Sie dokumentiert das hernach auf ihrem Facebook-Profil mit dem Satz: «Viele gute Begegnungen heute auf der Strasse.» Dazu wird ein 08/15-Foto zweier Parteikollegen, die vor dem Stand posieren, hochgeladen, sie halten ihre Daumen hoch. Exgüsi, aber das ist eine Null-Aussage, die niemandem etwas bringt. Zur Erinnerung: Facebook gibt es seit 2004. Die Lernkurve ist bescheiden – und das ist eine diplomatische Aussage von mir. (cg)

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