Die Mission des neuen Zuger Unihockey-Snipers lautet: «Tore schiessen!»

Andreas Dahlqvist (28) ist einer von drei neuen Schweden bei NLA-Klub Zug United. Der fünffache Nationalspieler kann zum Königstransfer der Zentralschweizer werden.

Ruedi Burkart
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Andreas Dahlqvist (bei der Zuger GIBZ-Halle) ist bereit. (Bild: Werner Schelbert)

Andreas Dahlqvist (bei der Zuger GIBZ-Halle) ist bereit. (Bild: Werner Schelbert)

Andreas Dahlqvist weiss, was Trainer, Mitspieler und Zuschauer von ihm erwarten. «Tore schiessen!», sagt er mit Nachdruck und fast akzentfrei in deutscher Sprache. Er könne zwar kaum ein Wort Deutsch aussprechen, aber «Tore schiessen!», das habe ihm sein neuer Trainer Radim Cepek in den letzten Wochen so oft zugerufen, dass er den Befehl auswendig könne.

Und «Tore schiessen», das kann der Mann aus dem hohen Norden. Der 1,81 Meter grosse Linkshänder skorte in den vergangenen beiden Saisons in der Allsvenskan Norra – der zweithöchsten schwedischen Liga – 76-mal. Auf einen Tipp, wie oft er ab dem kommenden Sonntag in der höchsten Schweizer Liga treffen wird, wollte sich Dahlqvist nicht einlassen.

An Selbstvertrauen scheint es ihm allerdings nicht zu mangeln. «Ich denke mal, wir haben eine sehr gute Mannschaft beisammen. Der Playoff-Halbfinal ist mein persönliches Ziel», sagt er auf Englisch.

Keine Zukunft im Nationalteam

Tiefstapelei ist offenbar nicht das Ding des treffsicheren Schweden. Auch Köniz wollte Dahlqvist holen Fünfmal durfte Dahlqvist in der schwedischen Nationalmannschaft ran. Das war 2016 während der WM-Qualifikation. Danach war Schluss. Warum? Der Stürmer erklärt: «Mit meinem damaligen Verein Gävle bin ich Ende Saison 2015/16 in die zweite Liga abgestiegen. Um für die Nationalmannschaft weiterhin in Frage zu kommen, hätte ich jedoch zwingend weiter in der höchsten Liga, der SSL, spielen müssen.»

Da sein Verein auf die Einhaltung des 2015 abgeschlossenen Dreijahresvertrags pochte, kam kein Transfer zu Stande. Ebenfalls zerschlagen hatte sich in jenem Sommer ein Wechsel in die Schweiz. «Mein Agent war mit Köniz in Verhandlungen», verrät Dahlqvist. Aber auch hier legte Gävle sein Veto ein. Diesen Sommer war der Weg frei für einen Vereinswechsel, der Drei-Jahres-Vertrag mit Gävle war ausgelaufen. Verschiedene Vereine aus Schweden und der Schweiz hätten im Frühling ihr Interesse an einem Transfer bekundet, sagt Dahlqvist. Auf die Frage, welche Klubs neben Zug United ihn hätten verpflichten wollen, gibt er nur ein Lächeln zur Antwort. Dahlqvist: «Jetzt bin ich hier, und das ist gut so.»

Er wohnt mit den beiden anderen neu zu Zug gewechselten Schweden, Patrik Rokka und Carl Kostov-Bredberg, in einer Sportler-WG. Übrigens: Ursprünglich wollten ihn die Zuger bereits im vergangenen Winter im Hinblick auf die Playoffs verpflichten. «Aber Gävle peilte mit mir die Rückkehr in die SSL an. Die Verantwortlichen liessen mich nicht ziehen.» Aufgestiegen ist Gävle trotzdem nicht.

Der Hartnäckigkeit der Zuger Verantwortlichen um Sportchef Bruno Schelbert ist es zu verdanken, dass Dahlqvist nun doch in der Zentralschweiz gelandet ist. «Ich stand seit letztem Winter in Kontakt mit Zug United. Es waren für mich sehr gute Gespräche. Der Entscheid, hierher zu kommen, fiel mir nicht schwer.»

Weil auch Klassespieler wie Dahlqvist von ihren Einnahmen als Unihockeyaner nicht leben können, geht der potenzielle neue Publikumsliebling der Zuger Fans einer geregelten Arbeit nach. Bei Johnson and Johnson arbeitet er mit einem 100-Prozent-Pensum als Projekt-Koordinator. «Ich bin froh, dass ich neben dem Sport auch arbeiten kann», sagt Dahlqvist, «nur Unihockey zu spielen, das wäre mir ehrlich gesagt zu wenig herausfordernd.»

Der Trainer ist realistisch

Die neue Saison wird schwieriger Radim Cepek, Zugs neuer Cheftrainer, arbeitet gerne mit dem Schweden. «Andreas ist ein sehr intelligenter Typ, das merkt man sofort auch an seiner Spielweise», lobt der 42-jährige Tscheche. Dass Dahlqvist neben dem Spielfeld ein ruhiger Zeitgenosse ist, passt Zugs Übungsleiter. Es können schliesslich nicht alle in der Kabine für Stimmung sorgen, meint Cepek schmunzelnd.

Bei aller Harmonie: In den sportlichen Zielen sind der Trainer und sein neuer Stürmer alles andere als deckungsgleich. Während Dahlqvist die Qualifikation für den Playoff-Halbfinal anstrebt, ist Cepek schon zufrieden, «wenn wir den Ligaerhalt möglichst rasch auf sicher haben». Will heissen, die Qualifikation unter den besten acht abzuschliessen. Danach könne vieles passieren. Cepek ist sicher: «Wir sind in der Nationalliga A nicht mehr der unbekannte Aufsteiger. Die neue Saison wird schwieriger als die vergangene.»