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Die moderne Kräuterhexe aus Menzingen

Judith Felder verarbeitet heimische Pflanzen zu Salben, Sirup und Tee. Die Rohstoffe dafür findet sie in ihrem eigenen Heilkräutergarten. Ihr Wissen stösst auf Interesse und sie gibt es gerne weiter.
Carmen Rogenmoser
Judith Felder präsentiert in ihrem Garten die getrockneten Weissdorn-Blüten. Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 14. Mai 2018)

Judith Felder präsentiert in ihrem Garten die getrockneten Weissdorn-Blüten. Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 14. Mai 2018)

Der Blick aus dem Wintergarten verrät es schon: Hier wirkt jemand, der gerne in der Natur ist und ein Flair für stimmige Kompositionen hat. Ein Rosenbogen macht den Weg frei zu einer verspielten Laube, an der sich Pflanzen ranken. Ein paar Treppenstufen führen in einen verwunschenen Garten. «Kräutergarten» zeigt ein eisernes Schild an. Judith Felder (52) steht mitten darin. «Das hier ist Salbei», sagt sie, bückt sich und berührt die haarig-dicken Blätter. «Er hilft bei Verdauungsbeschwerden mit Völlegefühl, bei vermehrter Schweisssekretion und äusserlich bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut.»

«Ich begegne den Pflanzen mit Respekt und bin dankbar, dass ich sie sammeln darf.» Judith Felder, Naturheilpraktikerin

Etwas weiter wächst Schnittlauch. Violettfarbene, kugelrunde Blüten zieren die grünen Stiele. Wie kann man diese einsetzen? «Die gefallen mir einfach», sagt Felder und lacht herzlich. «Im Salat machen sie sich sehr gut», ergänzt sie. Der gepflegte Garten wirkt ordentlich, er ist es aber eigentlich nicht: «Alles wächst, wie es halt kommt.» Aus fast allem im Bauern- und Heilkräutergarten lässt sich etwas zaubern. Die Rohstoffe finden sich in Hülle und Fülle. Judith Felder und ihre Familie wohnt etwas ausserhalb von Menzingen im Vogelsang.

Brennnessel (Urtica dioica): harntreibend, blutreinigend, blutbildend. Wurzeln hemmen Prostata-Vergrösserung. Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 14. Mai 2018)

Brennnessel (Urtica dioica): harntreibend, blutreinigend, blutbildend. Wurzeln hemmen Prostata-Vergrösserung. Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 14. Mai 2018)

Löwenzahn (Taraxacum): harntreibend, galle-, appetit- und magensaftfördernd und fördert Beweglichkeit der Gelenke. Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 14. Mai 2018)

Löwenzahn (Taraxacum): harntreibend, galle-, appetit- und magensaftfördernd und fördert Beweglichkeit der Gelenke. Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 14. Mai 2018)

Frauenmantel (Alchemilla): entzündungshemmend, ausgleichend und regulierend der weiblichen Hormone. Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 14. Mai 2018)

Frauenmantel (Alchemilla): entzündungshemmend, ausgleichend und regulierend der weiblichen Hormone. Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 14. Mai 2018)

Balsamico, Lippenpomade, Kräutersalz und Sirup

Doch vieles lässt sich auch fast direkt vor der eigenen Haustüre finden, Löwenzahn etwa, oder Brennnessel. Felder ist die Faszination für die Heilkräuter in die Wiege gelegt worden. «Ich erkenne die meisten Pflanzen schon, wenn sie noch Keimlinge sind», erklärt die Expertin. So ging es auch ihrem Vater. «Er wusste darüber fast alles und hat die Pflanzen entsprechend eingesetzt.» Auch die Mutter habe die Kräuter als Heilmittel genutzt. Felder hat die Fertigkeiten professionalisiert.

2012 hat sie die Ausbildung zur Naturheilpraktikerin abgeschlossen. Seit 2015 führt sie in Unterägeri die Curavita Naturheilpraxis. «Ich fühle mich schon ein bisschen dazu berufen», meint sie bescheiden, aber ohne Zweifel. Die eigenen Produkte – darunter sind Beeren-Balsamico, Hustensirup, Kräutersalz, Lippenpomade und Salben – nutzt sie für den Eigengebrauch und als Geschenke. «Meine Töchter sind gute Abnehmer», freut sie sich. Einen Teil des Tees liefert sie zudem an eine private Tagesschule. «Das selbstgemachte Johannisöl und die Ringelblumensalbe brauche ich für Massagen in meiner Praxis.»

Tee zur Frühjahrskur

Brennnessel, Birke, Löwenzahn, Pfefferminz und Zitronenmelisse zu geleichen Teilen mischen. Zwei Esslöffel davon mit 250 Milliliter siedendem Wasser übergiessen und abgedeckt sieben Minuten ziehen lassen. Drei Mal täglich eine Tasse trinken. Für eine gute Wirkung über den Tag verteilt zusätzlich zwei Liter Wasser trinken. Der Tee hilft beim Entschlacken, Ausschwemmen von eingelagerten Wasseransammlungen und zur Anregung des Stoffwechsels. (cro)

Auf dem Tisch im Wintergarten stehen grosse Gläser mit getrockneten Weissdorn-Blüten. «Zum Tee aufgegossen unterstützt Weissdorn das Herz», sagt Felder. Momentan blüht im Garten noch nicht viel. Die «Haupterntezeit» ist zwischen Juni und August. Nicht zwingend muss man, interessiert man sich für die heimischen Heilkräuter, einen eigenen Garten haben. Sie lassen sich auch ganz einfach in der Natur finden.

Kräutersammeln für jedermann

Am Waldrand etwa oder bei einer Lichtung, auch an Wiesenrändern wachsen sie. «Es sollte aber eine Ökowiese sein», ergänzt Felder. Sie selber nehme beim Wandern immer einen kleinen Stoffsack mit. «Pflanzen sind etwas Lebendiges. Ich begegne ihnen mit Respekt und bin dankbar dafür, dass ich sie sammeln darf», gibt 52-Jährige ihren Umgang mit den Pflanzen preis. Deshalb gelte: nie den ganzen Bestand an einem Ort ernten, sondern immer noch etwas stehen lassen.

Für die Weiterverarbeitung müssen die Pflanzen lichtgeschützt getrocknet werden. «Das geht am besten, indem man sie in einem trockenen, dunkeln Zimmer auslegt. Ich selber trockne grössere Mengen im Estrich und kleine Mengen abgedunkelt mit einem Baumwolltuch im warmen Wintergarten.» Vor der Weiterverarbeitung oder Lagerung müssen sie wirklich ganz trocken sein. Am besten werden sie in Gläsern oder Stoffsäcken aufbewahrt. Nutzen sollte man die getrockneten Pflanzen innerhalb eines Jahres.

Führung durch den Heilkräuter- und Bauerngarten: Samstag, 2. Juni, von 9 bis 12 Uhr, Vogelsang in Menzingen (Fahrdienst ab Menzingen kann organisiert werden). Anmeldung bis am 28. Mai unter: judith.felder@curavita-praxis.ch

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