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In Hünenberg soll es eine neue spezielle Zone geben

Um den Fortbestand des Betriebs der Familie Boog in Drälikon zu sichern, ist die Schaffung einer Speziallandwirtschaftszone nötig – ein Novum in der Gemeinde. Voraussichtlich im Dezember wird die Gemeindeversammlung entscheiden.
Rahel Hug
Obstbauer Jonas Boog setzt sowohl auf bodenabhängige wie auch bodenunabhängige Produktion. (Bild: Maria Schmid (Hünenberg, 5. Februar 2019))

Obstbauer Jonas Boog setzt sowohl auf bodenabhängige wie auch bodenunabhängige Produktion. (Bild: Maria Schmid (Hünenberg, 5. Februar 2019))

Landwirte müssen sich heute stets neu erfinden, um im hart umkämpften Markt bestehen zu können. Um seine Existenz zu sichern und das Risiko von Ernteausfällen zu verringern, setzen der Obstbauer Jonas Boog und seine Familie in Drälikon seit geraumer Zeit auf sogenannte Substratkulturen. Das sind, vereinfacht gesagt, Pflanzen, die nicht im Boden wachsen, sondern in einem Substrat wie zum Beispiel Kokosfasern.

Für die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Fläche mit dieser bodenunabhängigen Produktionsform fehlte bislang eine gesetzliche Grundlage – deshalb soll nun für den Betrieb «Buuregarte» der Familie Boog eine Speziallandwirtschaftszone ausgeschieden werden. «Die Gesetzgebung wurde in den letzten Jahren verschärft. Ausserdem hat unser Hof inzwischen eine Grösse erreicht, für die eine solche Zone nötig ist», erklärt Jonas Boog.

Bewilligungspflicht besteht weiterhin

Konkret geht es um die Folientunnels und die Regendächer, die Boog für die Produktion benötigt. Damit diese auch weiterhin bewirtschaftet werden können, ist eine Umzonung von der Landwirtschaftszone in die Speziallandwirtschaftszone nötig. Laut dem Hünenberger Bauchef Thomas Anderegg sollen in einer solchen Zone «Bauten und Anlagen errichtet werden können, die der bodenabhängigen und der bodenunabhängigen Produktion landwirtschaftlicher oder gartenbaulicher Erzeugnisse dienen». «Die Bauten und Anlagen würden selbstverständlich weiterhin einer Baubewilligungspflicht unterstehen und hätten sich am Umgebungsgestaltungsplan, den Visualisierungen sowie den Richtprojekten zu orientieren», schreibt Anderegg. Mit der vorgesehenen Änderung der Bauordnung werde zum einen auf kommunaler Stufe die Grundlage für die Ausscheidung von Speziallandwirtschaftszonen geschaffen. Zum anderen werde die auf den Betrieb der Familie Boog abgestimmte Speziallandwirtschaftszone «Buuregarte» festgelegt.

Das Projekt «Chueweid»

In der Nachbarschaft zum Bauernhof der Familie Boog plant der Landwirt Martin Schuler einen neuen Kuhstall. Die Dimensionen dieses Stalls – einer grossen weissen Halle für 450 Kühe plus Jungvieh – sorgten letztes Jahr für Gesprächsstoff. Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz versandte eine Medienmitteilung, das Vorhaben sei überdimensioniert. Martin Schuler möchte für dieses Projekt «Chueweid» ebenfalls eine Speziallandwirtschaftszone schaffen. Laut Auskunft der Gemeinde ist für das Vorhaben ein Umweltverträglichkeitsbericht ausstehend. «Erst danach wird der Gemeinderat entscheiden, ob er das Projekt und eine Umzonung unterstützen wird», erklärt der Hünenberger Bauchef Thomas Anderegg. Auf Anfrage sagt der Bauer Martin Schuler, er werde den Bericht voraussichtlich noch diesen Monat einreichen. Er hofft, dass die Umzonung im Dezember vor die Gemeindeversammlung kommt. Schuler betont, dass er die Bedenken ernst nehme. Das Projekt sei redimensioniert worden: «Die Anordnung der Anlage wurde optimiert, damit weniger Land verbaut werden muss.» Informationen zum Vorhaben gibt es auf www.chueweid-huenenberg.ch. (rh)

Das letzte Wort zur Änderung der Bauordnung hat die Gemeindeversammlung. Aktuell ist laut Thomas Anderegg die Vorprüfung durch den Kanton Zug hängig. Nach der Bereinigung erfolgt die erste öffentliche Auflage. Der Bauvorsteher rechnet damit, dass die Vorlage voraussichtlich im Dezember 2019 der Gemeindeversammlung vorgelegt werden kann. Danach folgt die zweite öffentliche Auflage.

Auch Gewächshäuser wären möglich

Ein Nein zur Umzonung würde laut Jonas Boog eine Weiterführung seines Betriebes in der jetzigen Form verunmöglichen, wie er sagt: «Die neue Zone ist für uns existenziell.» Rund einen Drittel seiner Gesamtfläche bewirtschaftet er mit Substratkulturen. Vor allem Himbeeren, Brombeeren, Erdbeeren, Mini-Peperoni und Cornichon-Gurken wachsen in Drälikon aktuell nicht mehr ausschliesslich in der Erde. «Wir können auf engerem Raum arbeiten und haben weniger Nachbauprobleme, sprich wir müssen nicht jedes Jahr die Anbaufläche wechseln und können vorhandene Infrastrukturen optimal nutzen», zählt Boog die Vorteile auf. Ausserdem sei der Witterungsschutz gewährleistet und er habe weniger Probleme mit Fäulnis und Schädlingen. Der grösste Nachteil seien die hohen Investitionskosten, führt der Landwirt aus: «Der Anbau ist sehr kostenintensiv.» Zudem sei der Geschmack, beispielsweise bei Substrat-Erdbeeren, bei der frühen Ernte nicht gleich gut wie beim herkömmlichen Anbau. Deshalb wird die bodenunabhängige Produktion im «Buuregarte» den traditionellen Obst- und Gemüsebau nie ganz ersetzen, wie Boog versichert. «Wir brauchen beides, um möglichst einwandfreie Produkte anbieten zu können.»

Laut Auskunft der Gemeinde würde die Speziallandwirtschaftszone ermöglichen, dass weitere Bauten und Anlagen, welche über die Zonenkonformität hinausgehen, zonenkonform bewilligt werden könnten. Das würde gemäss Jonas Boog bedeuten, dass er künftig auch Gewächshäuser aus Glas bauen dürfte – natürlich vorbehältlich der Zustimmung des Kantons und der Bewilligung durch den Gemeinderat. Dies sei zurzeit aber nicht vorgesehen, sagt er und fügt hinzu: «Vorerst geht es für uns darum, mit der neuen Zone unseren Ist-Zustand halten zu können und auf eine gesetzliche Grundlage zu stellen. Nur so können wir Schritt halten im Markt.»

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