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Die Nies- und Schnäuzsaison ist eröffnet

Der warme Februar liess die Pflanzen und Bäume dieses Jahr früh erblühen. Ein unangenehmer Frühstart auch für Pollenallergiker. Für Betroffene gibt es jedoch eine Vielzahl an Linderungsmöglichkeiten.
Cornelia Bisch
Bei schönem Wetter fliegen momentan unter anderem Gräserpollen. (Bild: Getty)

Bei schönem Wetter fliegen momentan unter anderem Gräserpollen. (Bild: Getty)

Juckende, tränende Augen, Niesattacken, geschwollene Schleimhäute, Atembeschwerden: Solche Symptome treten in unterschiedlicher Ausprägung bei Pollenallergikern auf, sobald sie mit den in der Luft fliegenden Pollen jener Pflanzen in Berührung kommen, die ihr Immunsystem Amok laufen lassen. Welche Pollenarten Auslöser der Allergie sind, lässt sich mit einem Hauttest beim Dermatologen oder Allergologen feststellen.

Viele Menschen verzichten jedoch darauf, konzentrieren sich stattdessen auf die Symptombekämpfung und suchen Rat in der Apotheke. «Dieses Jahr hatten wir bereits Anfang Februar die ersten Fälle», berichtet Apotheker Martin Affentranger, Präsident des Vereins Zuger Apotheken. Dies wegen des ungewöhnlich warmen Wintermonats. Ebenfalls schwierig für Pollenallergiker seien plötzliche, extreme Wetterumschwünge, so der Fachmann. «Wenn es im Frühling lange kalt ist und plötzlich warm wird, blühen rasch viele verschiedenen Pflanzen gleichzeitig.»

Manchmal sieht er drastische Bilder von schwer atmenden Menschen mit verquollenen, rotgeäderten Augen. «Oft ist der Leidensdruck so gross, dass die Kunden nicht mehr warten mögen, bis sie an der Reihe sind.» Hier zeigt der Apotheker viel Verständnis, da er aus eigener Erfahrung weiss, wie schlimm die Beschwerden sein können.

Moderne Medikamente sind verträglicher

«Die meisten Leute kommen jedoch rechtzeitig, sodass sie präventiv behandelt werden können.» Sind die Beschwerden nur lästig, jedoch nicht einschneidend und anhaltend, und zeigen sich Kunden offen dafür, empfiehlt Affentranger gerne alternative Behandlungsmethoden etwa mit homöopathischen, spagyrischen oder anderen Naturheilmitteln. «Diese Präparate helfen oft gut und belasten den Körper nicht durch Nebenwirkungen.»

Manchmal helfe dem Kunden nur schon das Wissen, etwas zur Linderung bei sich zu haben. «Einige Patienten leiden aber so sehr unter den Folgen der Allergie, dass sie stärkere Medikamente benötigen.» Moderne Antihistaminika, Nasensprays und Augentropfen seien oft besser verträglich als ältere Medikamente, deren Einnahme mit starker Müdigkeit einhergegangen sei.

Es sind etwa 20 Präparate, welche der Apotheker zum Kauf empfiehlt. Dies jedoch erst nach eingehender Befragung und Beratung des Kunden. «Was dem Nachbarn hilft, muss nicht zwingend auch das Beste für mich sein», betont er. Gegen Pfingsten sei der Kundenansturm erfahrungsgemäss am grössten. «Den meisten Menschen können wir sehr gut helfen. Es ist aus meiner Sicht nicht nötig, dass Pollenallergiker sofort zum Arzt gehen.»

Abends Haare waschen

Zur Vorbeugung empfiehlt Affentranger, während der Pollenflugsaison das Fitnessprogramm drinnen oder nachts zu absolvieren, sich abends die Haare zu waschen, die Wohnung mit Pollengitter oder Pollenfilter auszustatten, Stress abzubauen sowie nur kurz und ausschliesslich nachts zu lüften. «Viele Pollen fliegen nur tagsüber.» Regenfälle reinigen die Luft und lassen Allergiker aufatmen. «Aber es muss schon ein rechter Guss sein, und man sollte einige Minuten warten, bevor man lüftet, sonst hat man die Pollen doch noch im Zimmer.»

Ein Anstieg an Fällen ist für den Apotheker spürbar. Er glaubt allerdings, dass dies auch daran liegt, dass man Allergien früher weniger thematisiert und behandelt hat als heute. Dem widerspricht Peter Schmid, Konsiliararzt für Allergologie im Kantonsspital Zug, nicht. Jedoch sei ganz objektiv eine Zunahme feststellbar, was in einer Langzeitstudie über 30 Jahre hinweg beobachtet worden sei, berichtet er. «Die sehr hygienischen Bedingungen, unter denen wir leben, tragen zur Steigerung der Fälle bei.» Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Bakterienbesiedlung auf Pollen ebenfalls einen Einfluss auf den Anstieg der Allergiefälle haben könnte.

«Für den Kanton Zug gibt es meines Wissens keine gesonderte Fallzahlen», so Schmid. «Aber für die Schweiz gilt, dass zirka 15 bis 18 Prozent der Menschen unter Heuschnupfen leiden, jedoch über 30 Prozent die Veranlagung dazu haben.» Demnach sind zirka 16000 bis 20000 Menschen im Kanton Zug davon betroffen. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene würden unter Pollenallergien leiden, jedoch komme es auch bei älteren Menschen vor, dass sich plötzlich eine Allergie entwickle. «Die Folgen für ältere Patienten sind in der Regel schwerwiegender.» Bei etwa einem Drittel der Betroffenen stelle man zudem eine Kreuzreaktion mit gewissen Nahrungsmitteln fest, vor allem bei Kernobst und Nüssen. Der Verzehr dieser Speisen könne Juckreiz in der Mundhöhle auslösen.

Klimaerwärmung verlängert die Saison

Die im letzten Jahr entstandene App für Pollenallergiker, an deren Entwicklung Peter Schmid massgeblich beteiligt war (siehe Kasten), stellt eine wichtige Orientierungshilfe für Betroffene dar.

Die Klimaerwärmung und die Verbreitung ausländischer Pflanzen könnten künftig die Pollenflugsaison verlängern, vermutet Schmid. «Purpurerlen beispielsweise stammen aus Sibirien. Diesen Bäumen ist es eigentlich zu warm in der Schweiz.» Milde Winter und viel Licht durch üppige Strassen- und Weihnachtsbeleuchtung führten dazu, dass diese Bäume bereits im Dezember blühen und infolge dessen Allergien auslösen würden. «Man stellt auch fest, dass Stadtbäume, die durch Platz- und Wassermangel sowie starke Schadstoffbelastung gestresst sind, mehr Allergene entwickeln als Landbäume.»

Als Allergologe hat Peter Schmid selten mit Akutfällen zu tun. «Diese Patienten suchen eher Hilfe beim Hausarzt, in einer Apotheke oder direkt in der Notaufnahme.» Er führt Hauttests durch bei Patienten, welche die Ursache ihrer Allergie genau abklären lassen möchten. «Bei starkem Leidensdruck empfiehlt sich danach eine aufwendige, mehrjährige Desensibilisierungstherapie.» Vorausgesetzt, man kenne den Auslöser, sei eine solche Therapie zu 80 Prozent erfolgreich.

App für Pollenallergiker

Das 2018 angelaufene Schweizer Studienprojekt «Ally Science» stützt sich auf die Mitwirkung von Menschen mit Allergiebeschwerden. Mit der fünfsprachigen Ally-Science-App können sie ihre Symptome erfassen. Rund 8000 Personen lieferten in der Pollensaison 2018 über 24000 Symptomeinträge. In der angelaufenen zweiten Projektphase erlaubt der Einbezug von Pollenechtzeitdaten die Analyse von Zusammenhängen zwischen den erfassten Symptomen und den tatsächlich vorhandenen Pollen. Ziel ist es, Pollenfrühwarnsysteme zu entwickeln sowie Beratungen und Therapien zu verbessern. Infos unter www.allyscience.ch (cb/pd)

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