Leserbrief

Die Notsituation gibt Zeit zur Besinnung und zum Nachdenken

Zur aktuellen Coronavirus-Pandemie

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Der Bundesrat hat es bis heute geschafft, dank einleuchtender Massnahmen, dank vorausschauender Vorkehrungen, dank professionellen Auftretens, die Bevölkerung zu sensibilisieren und so bis dato die schlimmsten Befürchtungen einer Ausweitung des Virus in Schach zu halten.

Dafür bin ich dankbar und es mutet höchst tendenziös an, wenn aus Kreisen der SVP mit Forderungen einer PUK versucht wird, die Notsituation politisch zu missbrauchen.

Ja, ich weiss, die Bundespräsidentin wie auch der Gesundheitsminister gehören der SP an, das tut jedoch nichts zur Sache, ist aus meiner Sicht kein Grund, ihren immensen Einsatz, ihr Hinstehen, ihre Kommunikation der Massnahmen des Gesamtbundesrates schlechtzureden.

Margrit Landtwing, Cham


Der Bundesrat plant, die obligatorischen Schulen am 11. Mai wieder zu öffnen. Gymnasien, Fachhochschulen und Universitäten dagegen sollen sich noch bis zum 8. Juni gedulden.

Kinder und Jugendliche sind von den Krankheitsbildern des Covid-19 mit Abstand am wenigsten betroffen. Sie aber sind, genau wie die Erwachsenen, Träger dieses hochansteckenden Virus und können es übertragen. Öffnen die Schulen zu früh, besteht für Familien mit Schulkindern eine erhöhte Ansteckungsgefahr. In der Folge könnten häusliche Infektionsherde zu einem massiven Anstieg der Erkrankungen führen.

Auch der Lehrkörper wäre gefährdet, da ich mir einen geordneten Schulbetrieb mit Maskenpflicht und auf örtliche Distanz kaum vorstellen kann. Unterricht in Halbklassen? Eher unrealistisch. Der Unterricht würde zum Hütedienst mutieren. Sportunterricht? Sollen die Empfehlungen des Bundesrates weiterhin Gültigkeit haben, müsste auf den Turn- und Schwimmunterricht verzichtet werden. Ein befohlener Zwei-Meter-Abstand auf dem Pausenplatz und in den WC-Anlagen? Kaum durchsetzbar!

Die Umstellung auf das Lernen im Homeschooling scheint bisher gut zu funktionieren. Die Leidtragenden aber sind und bleiben die schwachen Schülerinnen und Schüler, besonders auch jene, denen ihre Eltern nicht genügend Unterstützung bieten können. Diese Lernenden sind schon jetzt durch die Maschen gefallen, ungeachtet wie lange die Schulen noch geschlossen bleiben.

Die Schulen sind seit ihrer Schliessung am 16. März trotz enormem Engagement der Lehrpersonen aus den Fugen geraten. Das Erreichen der definierten Lernziele in den einzelnen Fächern ist via Internet nur bedingt überprüfbar. Bewertungen oder Berichte für das Zeugnis im 2. Semester werden sich – wenn überhaupt – an den bisherigen Erfahrungsnoten orientieren. Dennoch behält das Schuljahr seine volle Gültigkeit, das ist beschlossene Sache. Als Folge ist die Promotion in die nächste Klasse zwingend, mit oder ohne Erreichen der Lernziele– ein gefährlicher Bumerang für den Neustart im August!

Fazit: Keine Öffnung der obligatorischen Schulen bis Ende Schuljahr! Jeder andere Entscheid bedeutete Hochrisiko! In der noch verbleibenden Zeit, welche ohnehin von Feiertagen durchsetzt ist, sollen die Lehrpersonen nebst der Weiterführung des Homeschoolings in enger Zusammenarbeit mit den Schulleitungen den Start des neuen Schuljahres sorgfältig planen. Dieser Start müsste Modifikationen enthalten. Zum Beispiel ein Auffangnetz für die schwächeren Schüler, um ihnen auf faire Art den Anschluss wieder zu ermöglichen und die entstandenen Defizite aufzuarbeiten. Für die meisten Familien würde diese Lösung allerdings eine Fortsetzung des bisherigen Stresstests bedeuten. Viele Mütter und Väter stossen mit dem zum Homeoffice parallel laufenden Kinderhüten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Als Folge nimmt die häusliche Gewalt nachweislich zu. Doch: Gesundheit geht vor. Der Sieg über das Virus setzt von uns allen einen langen Verzicht auf Vertrautes und Liebgewonnenes voraus. Einige Betriebe werden trotz Unterstützung von Bund und Kantonen auf der Strecke bleiben. Vieles wird nach überstandener Krise ohnehin anders sein. Immerhin, eine Chance bleibt: Corona zwingt uns zur Besinnung und zum Überdenken des bisherigen schier unbegrenzten Wachstums und seiner Folgen.

Halten Sie sich weiterhin an die Weisungen des Bundes: Distanz und Händewaschen sind die wirksamsten Mittel gegen eine Ansteckung!

Georges Moos, Cham