Die Oberfreiämter machen Druck bei den SBB

Die S42 fährt seit April nicht mehr. Die Gemeindeammänner des Bezirks Muri wehren sich in einem Brief.

Melanie Burgener
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Die Bahnlinie zwischen Mühlau und Sins.

Die Bahnlinie zwischen Mühlau und Sins.

Bild: PD

Zuerst war es der Lockdown, jetzt der Mangel an Lokführerpersonal. Die Zugverbindung vom Oberfreiamt nach Zürich ist lahmgelegt – und das bereits seit einem halben Jahr. Ende März hat die SBB beschlossen, dass die S42, die zuvor regelmässig von Muri über Wohlen nach Zürich fuhr, aufgrund der Coronakrise vorübergehend eingestellt wird.

Geplant war diese Änderung ursprünglich bis zum 16. August. Doch seither werden die Freiämterinnen und Freiämter immer wieder vertröstet. Bereits Anfang August wurde die voraussichtliche Inbetriebnahme der Verbindung auf den 6. September verschoben. Am 8. September hat der SP-Grossrat und Wohler Gemeindeammann Arsène Perroud beim Grossen Rat eine Interpellation eingereicht. Verändert hat sich die Situation seither nicht.

Dem wollen die Gemeindeammänner aus dem ganzen Bezirk Muri jetzt ein Ende setzen. An ihrer Herbstversammlung am vergangenen Donnerstag haben sie ihrem Vorstand den Auftrag gegeben, der SBB mitzuteilen, dass die momentane ÖV-Situation nicht mehr tragbar sei.

Das Problem liege nämlich nicht in der Politik, sondern im Betrieb der SBB selbst. «Uns ist bewusst, dass der Regionalplanungsverband auf politischer Ebene bereits Einfluss genommen hat. Der Kanton ist nicht der Böse. Sie sehen unsere Anliegen ein und unterstützen uns», sagt der Murianer Gemeindepräsident und Obmann der Gemeindeammännervereinigung Hampi Budmiger. Deshalb will sich der Vorstand jetzt mit Unterstützung der Mitglieder der Repla-ÖV-Gruppe direkt an die SBB wenden. «Wir wollen in einem Schreiben unseren Unmut kundtun und sie um ein Gespräch bitten», erklärt Budmiger das weitere Vorgehen.

Die S42 ist aber nicht die einzige Verbindung, die im Oberfreiamt für Ärger sorgt. Auch die S26, die zwischen Rotkreuz und Aarau verkehrt, bringt Probleme. Die S-Bahn geniesse offenbar wenig Priorität und müsse anderen Zügen immer wieder den Vortritt lassen. Im Freiamt führe das zu Verspätungen und unpassenden Anschlüssen. Das wiederum habe zur Folge, dass Pendler auf die öffentlichen Verkehrsmittel verzichten und häufiger mit dem Auto unterwegs seien, schrieb Hampi Budmiger in einer früheren Mitteilung.

Sie wollen laut für ihre Region kämpfen

Mit ihrem Brief an die SBB wollen die Gemeindeammänner ihrem Anliegen nochmals Nachdruck verleihen. «Wir müssen laut und kontinuierlich sein, uns auf allen Ebenen Gehör verschaffen und gemeinsam kämpfen», sagt Budmiger bestimmt. Wie die Chancen auf Erfolg stehen, sei schwierig zu sagen. «Natürlich wissen wir, dass wir bevölkerungstechnisch eine kleinere Region sind und es auf der Karte der SBB wichtigere gibt», so Budmiger. Dass die Bahngesellschaft aber abgemachte Leistungen nicht mehr erbringe, sei nicht in Ordnung.