Die Organisatoren des Klima-Streiks in Zug haben noch einiges vor

Wie an vielen Orten der Welt wurde auch in Zug ein Klima-Streik durchgeführt. Verantwortlich dafür waren unter anderen drei junge Zuger. Der nächste Streik findet bereits in rund zwei Wochen statt.

Cornelia Bisch
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Julia Küng, Ronahi Yener und Tim Kilchsperger gehören zum Zuger OK der Klimastreiks. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 22. Februar 2019))

Julia Küng, Ronahi Yener und Tim Kilchsperger gehören zum Zuger OK der Klimastreiks. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 22. Februar 2019))

Mit ihren friedlichen Streik-Aktionen für den Klimaschutz ist die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg unter ihren Altersgenossen weltweit zum Vorbild geworden. In der Schweiz fanden bereits Klimastreiks in Zürich, Basel, Bern, St. Gallen, Luzern und auch hier in Zug statt. Dabei wurden klare Forderungen an die Adresse von Politik und Wirtschaft gerichtet (siehe Box).

Mitglieder des zehnköpfigen Organisationskomitees der Zuger Bewegung sind unter anderen der 24-jährige Student Tim Kilchsperger, die 19-jährige Kauffrau Ronahi Yener und die 18-jährige Kantonsschülerin Julia Küng. «Greta ist unsere Heldin», gibt Kilchsperger freimütig zu. Begeistert von der Jugendbewegung, welche die Schwedin ausgelöst hatte, beteiligte er sich spontan an der Organisation des Zuger Klimastreiks. Aufgenommen hatte die Idee Ronahi Yener, die an einer Sitzung des Zentralschweizer Organisationskomitees teilgenommen hatte und fand: «Das können wir hier in Zug auch.» Als bedeutender Wirtschaftsstandort sei die Stadt Zug sogar prädestiniert dafür.

Kurz entschlossen machte sich die junge Frau ans Werk. Sie befragte ihre Kollegin Julia Küng nach der Stimmung unter den Kantonsschülern. «Die Klimaveränderung beschäftigt hier viele sehr», stellt Küng fest. «Ich war zuversichtlich, dass wir einige Schüler zur Teilnahme an einem Klima-Streik würden motivieren können. Selbst war ich auch sofort mit Überzeugung dabei.» Die Information ging denn auch wie ein Lauffeuer durch die Gänge der Kantonsschule und die Social-Media-Kanäle. «Jeder sprach davon. Es war Thema Nummer eins. Das war eindrücklich», erzählt Küng, die an ihre Schule weiter kräftig die Werbetrommel rührte, während Yener und Kilchsperger sich um die Bewilligungen kümmerten, die Rektorate informierten und eine Zuger Regionalgruppe gründeten.

Am 18. Januar schliesslich − einem Freitag, wie von Greta Thunberg vorgelebt − fanden sich rund 300 junge Leute zur Demonstration ein, ein grosser Erfolg für das OK und ein sehr emotionaler Moment für die drei Aktivisten. Er habe zuvor eine schlaflose Nacht verbracht, gesteht Kilchsperger. «Wir konnten nicht einschätzen, wie viele Leute kommen würden und waren sehr aufgeregt.»

Unentschuldigte Absenz für Schüler

Trotz viel Verständnis und Sympathie seitens der Lehrerschaft und der Rektorate, mussten Letztere am Absenzenreglement festhalten. «Wir haben gute Gespräche geführt mit den Schulleitungen», erzählt Küng. «Aber sie konnten sich über die Weisungen der Zuger Bildungsdirektion nicht hinwegsetzen.» Also bekam ein «unentschuldigt», wer den Unterricht für die Dauer der Demonstration versäumte.

Ausgerüstet mit Transparenten und Plakaten nahmen die drei am 2. Februar ausserdem mit einer rund 50-köpfigen Zuger Delegation an einer Zentralschweizer Kundgebung in Luzern teil. Für den 15. März ist auf dem Postplatz eine weitere Demonstration geplant anlässlich eines international ausgerufenen Klimastreiks. «Diese wollen wir eher im Sinn eines öffentlichen Austausches gestalten. Sie soll über Mittag stattfinden», kündigt Kilchsperger an. Auch Gespräche mit Kommissionen und Politikern haben die Jugendlichen vor.

Ihre Forderungen würden oft als zu radikal abgelehnt, sagt Ronahi Yener. «Dabei sind sie das Minimum, was wir tun müssen, um den Klimawandel aufzuhalten», ist sie überzeugt. «Diese Forderungen sind deshalb nicht kompromissfähig. Wenn wir unser Ziel nicht erreichen und ein Temperaturanstieg stattfindet, gibt es kein Zurück mehr.»

Nach der Ablehnung des CO2-Gesetzes im Nationalrat sei der Zeitpunkt gekommen, zu handeln. «Der Klimaschutz lässt sich nicht mehr aufschieben», stellt auch Kilchsperger fest. «Die Politik muss diese Dringlichkeit vermitteln.»

Automatisch klimabewusst leben

Selbst schützen die drei Aktivisten die Umwelt, indem sie auf ihren Konsum achten, möglichst keine Lebensmittel wegwerfen, so selten wie möglich fliegen, die öffentlichen Verkehrsmittel und das Velo benützen. Das seien zwar wichtige Beiträge, sind sie sich einig, aber aufhalten lasse sich die Klimaveränderung dadurch nicht. «Hierfür müssen umfassendere Massnahmen ergriffen werden», so Julia Küng. «Ziel muss es sein, die Bedingungen dafür zu schaffen, dass wir quasi automatisch klimabewusst leben können.» Tim Kilchsperger führt ein Beispiel an: «Die Wegwerfmentalität, die sich etwa an Openair-Konzerten zeigt, bei denen man Zelte kauft und diese nach Ende der Veranstaltung wieder wegwirft, lohnt sich heute für die Produzenten. So etwas muss gestoppt werden.»

Es sei Sache der öffentlichen Hand, die Verantwortung zu übernehmen, endlich zu handeln und in die Forschung zu investieren, bekräftigt auch Yener. «Das technische Know-how besteht ja in vielerlei Hinsicht bereits. Nun muss es auch umgesetzt werden.» In jedes politische Geschäft, in jedes Projekt müsse künftig der Klimaschutz einfliessen. «Das sollte unser aller Interesse sein», betont Kilchsperger. «Nachhaltige Veränderungen zu erwirken, ist in jedem Fall besser und kostengünstiger, als der Versuch, im Nachhinein Schäden zu reparieren.»