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Bei «Rent a Stift» werden Lehrlinge zu Botschaftern

«Rent a Stift» stösst bei den Schulen auf positive Resonanz. Bei dem Projekt des Amtes für Berufsberatung BIZ berichten Lernende vor Schulklassen von ihren Erfahrungen.
Christian Tschümperlin
Sabrina Pirovino (links) und Kristina Lazić stehen den Schülerinnen und Schülern Red und Antwort. (Bild: Christian Tschümperli (Zug, 5. April 2019))

Sabrina Pirovino (links) und Kristina Lazić stehen den Schülerinnen und Schülern Red und Antwort. (Bild: Christian Tschümperli (Zug, 5. April 2019))

Der Übertritt von der Oberstufe in die Lehre ist für viele Schülerinnen und Schüler verbunden mit Hoffnungen und Befürchtungen. Hier setzt Rent a Stift an. Im Rahmen des Projektes des Amtes für Berufsberatung BIZ berichten Lernende vor Schulklassen von ihren Erfahrungen während der Berufswahl und in der Lehre. Das Projekt soll die Schüler auf ihrem Weg zur Lehre unterstützen.

Am Freitagnachmittag standen Sabrina Pirovino aus Zug und Kristina Lazić aus Neuheim vor der zweiten Real-Klasse von Lehrer Oliver Marty im Schulhaus Loreto. Beide absolvieren zurzeit das zweite Lehrjahr, Sabrina zur Maurerin, Kristina zur Kauffrau. Sabrina erscheint in voller Montur, sie hat viele Werkzeuge mitgebracht, etwa zwei Kellen, eine Wasserwaage oder einen Schrothammer. Kristina ist mit ihrem Business-Casual-Look adrett gekleidet. An die Kleidung muss man sich im Berufsleben erst einmal gewöhnen. «Den Helm hat man bei der Arbeit immer auf», sagt Sabrina. Die Klasse hört gespannt zu. Dass sie jeden Morgen zwischen 4.30 und 5.30 Uhr aufstehen muss, findet Sabrina aber nicht schlimm.

Fragen über Fragen

Die aufgeweckte Klasse stellt viele Fragen, die sie vorbereitet haben. «War der Umstieg schwierig», will ein Schüler wissen. «Anfangs war es zäh, nur sechs Wochen Ferien zu haben, mittlerweile habe ich aber sogar Reserve-Ferien», so Sabrina. «Was ist das Coolste an Ihrem Beruf?», «Was sind die Hauptfächer an der Berufsschule», «Wie sieht Ihre Zukunft aus?», «Wie hoch ist der Lohn?», folgen weitere Fragen. Was die Lehre zur Maurerin so toll mache, schwärmt Sabrina, sei, dass man am Abend sehe, was man gemacht habe. Und später könne man seinen Kindern sagen: «Sieh, das habe ich gebaut». Sabrina absolviert die Berufsmatura, die Hauptfächer an der Berufsschule sind Fachrechnen, Fachzeichnen und Baukunde. Ihr Chef, mit dem Sie «per Du» ist, wie sie stolz sagt, sieht in ihr eine künftige Polierin (Leiterin einer Baustelle). Und wie ist es so, als Frau in einem Männerberuf? «Am Anfang muss man sich als Frau schon etwas beweisen, einige glauben, ich hätte zu wenig Kraft aber das stimmt gar nicht.»

«Was denkt ihr, was sind die täglichen Arbeiten als Kauffrau?», fragt Kristina. «Etwas kaufen», meint ein Schüler und beweist damit eine gewisse Bauernschläue. Kristina räumt dann aber mit der Idee auf, dass es im KV ums «Einkaufen» gehe, und berichtet von den zahlreichen Büroarbeiten wie dem Versand von Briefen, dem Schreiben von Rechnungen oder dem Telefonieren.

Kristina weiss auch von den Sonnen- und Schattenseiten ihres Berufes zu berichten. Grundsätzlich dürfe man tragen, was man möchte, wobei beispielsweise Jogging-Hosen tabu seien. Das schätzt sie. Wenn sich aber Kunden am Telefon beschweren, sei es manchmal schon schwierig. «In den überbetrieblichen Kursen lernt man, damit umzugehen», so Kristina. Und dann folgt ein Tipp: Am Telefon immer den Namen des Anrufers aufschreiben.

Kristinas Werdegang ist für die Klasse auch deswegen interessant, weil sie von der Realschule in die Sekundarschule wechselte und ein zehntes Schuljahr absolvierte. Es zeigt, dass man den Jugendlichen manchmal einfach Zeit lassen muss. «Und wenn ihr euch Mühe gebt, könnt ihr es schaffen», sagt Kristina. Ob der Wechsel von der Realschule in die Sekundarschule schwierig sei? «Das kommt darauf an, ob man ein guter Realschüler ist», wirft Klassenlehrer Marty ein.

Schüler auf der emotionalen Ebene abholen

Es heisst, im Leben müsse man zwei schwere Entscheidungen treffen: die der grossen Liebe und die des Berufes. Die Berufswahl war denn auch für beide Frauen keine leichte. «Ich wusste nie, was ich machen sollte, ich fand einfach alles cool», sagt Sabrina. Sie hat in verschiedene Berufe hineingeschnuppert, einmal war ihr die Firma zu klein, ein anderes Mal erhielt sie eine Absage. Schliesslich landete sie bei Landis Bau AG. Auch Kristina berichtet, dass sie kreuz und quer «alles» schnuppern ging. «Bei der tiermedizinischen Praxisassistentin wurde mir fast schlecht, obwohl ich Tiere sehr gerne habe», erzählt sie. Schliesslich hat es bei der Brabender Tech Gmbh in Unterägeri mit dem KV bei geklappt.

Für Karin Landtwing vom Amt für Berufsberatung sind die Lernenden die perfekten Botschafter für die Berufslehre. «Sie können die Schüler auf der emotionalen Ebene abholen, für die Berufswahl sensibilisieren, Fragen direkt beantworten und eine Vorbildfunktion einnehmen», sagt sie. Die Resonanz von den Schulen sei sehr positiv. «Wir haben viele gute Feedbacks bekommen, das Angebot wird sehr geschätzt.»

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