Leserbrief

Die Probleme liegen weiter östlich

Brüggli-Schwellen: Nachbessern angesagt, Ausgabe vom 21. Juli

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Was funktioniert, das muss man ändern – dies ist offensichtlich ein Hauptprinzip kantonaler und gemeindlicher Velopolitik. Neuestes Beispiel sind die Verkehrsschikanen für Velofahrer im Bereich Badeplatz Brüggli Zug.

Es gibt sie tatsächlich, die Verkehrsprobleme im Bereich Brüggli, nur liegen sie rund 100 Meter weiter östlich, im Sommerhalbjahr an jedem halbwegs sonnigen Tag: Mitten in der Fahrbahn warten mehrere Automobilistinnen und Automobilisten mit laufendem Motor auf einen freien Parkplatz. Wenn dann tatsächlich jemand wegfährt, gibt es kein Halten mehr. Velofahrer, die gerade kreuzen wollten, oder ein Kind, das in seiner Aufmerksamkeit vom Glacestängel abgelenkt wird, sind in einem solchen Moment Nebensache.

Seit 1976 befahre ich den Veloweg zwischen Bahnlinie und Zugersee-Ufer fast täglich. Er entstand ohne Zutun einer IG Velo durch glückliche Fügung vorbestehender Feldwege. Weil in diesem Bereich in den letzten 50 Jahren praktisch nichts gebaut wurde, gab es bis jetzt auch keine Gelegenheit, ihn zu verschlimmbessern.

Das ist leider keine Selbstverständlichkeit, wie ein Blick auf die Velowege in den zahlreichen Überbauungsgebieten zeigt. In den letzten Jahrzehnten und Jahren wurden fast alle ehemals geradlinigen Verbindungen gekappt, und die Radfahrer werden gezwungen, ohne Vortrittsrecht und selbst ohne Signalisation auf der Autospur mehrmals die Strassenseite zu wechseln. Extreme Beispiele: Rotkreuz–Cham, Steinhausen–Cham, Cham–Sins, Baar–Zug, Oberwil–Zug und so weiter. Als Begründung gilt wohl «Verkehrssicherheit». Aber in Wirklichkeit geht es meist nur um die juristische Entlastung und Absicherung des Gemeinwesens und der seitlich zu knapp überholenden Automobilisten, wenn dann doch etwas passiert. Mit echter Verkehrssicherheit hat das herzlich wenig zu tun.

Jürg Röthlisberger, Cham