Kolumne

Die Quarantäne als Familienalbtraum

Die Redaktorin Zoe Gwerder beschreibt, wie sich die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus auf ihren Alltag auswirken.

Zoe Gwerder
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Zoe Gwerder.

Zoe Gwerder.

Wie wohl für die meisten unter uns war es der vergangene Freitag – es war übrigens der 13. –, der uns klarmachte, dass alsbald vieles für die nächsten Wochen und möglicherweise Monate nicht mehr sein wird, wie es bis anhin war. Für uns Familien mit schulpflichtigen Kindern total unvorstellbar: Keine Schule, keine Kinderbetreuung, keine Grosseltern, auf die wir zurückgreifen können. Und trotzdem noch arbeiten gehen. Für einige Eltern hat sich dies zwar seit Montag erledigt, wenn auch nicht freiwillig und sicher für viele mit einschneidenden Konsequenzen.

Für die, die weiterhin einer Arbeit nachgehen können, stellte sich schnell die Frage: Wie finanzieren wir diese Betreuung? Der Stundenlohn für den Hütedienst ist vielleicht schon etwas geringer als die Einkünfte, die durch die Arbeit generiert werden. Doch die rund 400 Franken pro Woche, die bei zwei zu betreuenden Tagen zusammenkommen läppern sich definitiv.

Glücklicherweise wohnen wir in einem Quartier, in dem es ganz vielen anderen Eltern gleich ging – und, in welchem es auch Eltern gibt, die aufgrund der Situation nun mehr Zeit haben. Am Sonntag standen wir zusammen und fanden für den Anfang eine Lösung. Jeweils morgens und am Nachmittag gibt es für zwei Stunden eine Betreuung im Quartier. Dass man zumindest vier der acht Stunden in Ruhe zu Hause arbeiten kann.

Was jedoch noch viel mehr Bauchschmerzen bereitete – zumindest bis vor kurzem, denn der Bund verlangt dies nur noch von Angehörigen positiv getesteter Personen – ist die Vorstellung, mit der ganzen Familie unter Quarantäne gestellt zu werden. Und das während fast einer Woche! Denn eigentlich haben wir jetzt schon viel zu wenig Platz für unserer Familie. Die rund 20 Quadratmeter pro Person sind eh schon knapp. Kommt hinzu, dass unsere Jungmannschaft auf dermassen engem Raum schnell einmal unausstehlich wird – und wir auch. Wir hätten wohl auf unseren Sitzplatz rausgehen können. Dieser grenzt jedoch direkt an die Quartierstrasse, die meistens reichlich von Nachbarkindern frequentiert und bespielt wird. Und bringen Sie einem Kind einmal bei, dass es zu seinem Gspändli zwei Meter Abstand halten soll, obwohl eigentlich nur ein Randstein die beiden trennt.

Trotzdem bin ich einfach nur froh, nicht zu den Risikogruppen zu gehören. Ich will mir nicht vorstellen, wie viel Unsicherheit und vielleicht auch Angst die Ereignisse und Weisungen der letzten Tage auslösen können. Und für mich als gesunde Person lässt sich alles ertragen, wenn man weiss, dass man es für das ganze Gesundheitssystem tut und damit auch seine eigenen Liebsten schützen kann.