Die ratternde Säge am Bach

Am Samstag fand der nationale Mühlentag statt – auch die «Sebelis Sage» in Oberägeri öffnete die Tore und landete mit dem kulturvermittelnden Fest einen vollen Erfolg.

Haymo Empl
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Zwischen Oberägeri und Alosen – direkt an der Strasse – würde man kaum einen Platz wie diesen vermuten: Vis-à-vis einer Sägerei steht eine kleine, achtsam in Stand gehaltene Mühle. Selten ist sie in Betrieb, am Samstag war es aber soweit: Die «Sebelis Sage» lud im Rahmen des 19. Schweizer Mühletages zu Besichtigung und gemütlichem Umtrunk.

Die «Sebelis Sage» zwischen Oberägeri und Alosen. (Bilder: Patrick Hürlimann, 1. Juni 2019)

Die «Sebelis Sage» zwischen Oberägeri und Alosen. (Bilder: Patrick Hürlimann, 1. Juni 2019)

Mühlen waren für Generationen integraler Bestandteil der Alltagskultur, entsprechend oft kommen diese in Erzählungen, Liedern und Gedichten vor. Oft etwas abgelegen, naturgemäss an einem Wasserlauf, beflügelten die Betreiber und die Mühlen selbst mit dem monotonen Geratter des Mühlrads schnell auch die Fantasie. Diesem Umstand trug auch das diesjährige Mühlenfest Umstand. Das Fest stand unter dem Motto «Mühlen und Märchen – unser Kulturerbe». Entsprechend wurden für die Kinder am Samstag in regelmässigen Abständen Märchen erzählt.

Märchenerzählerin Manuela Baumann im Einsatz.

Märchenerzählerin Manuela Baumann im Einsatz.

Bei strahlendem Wetter waren im Verlaufe des Tages an die 200 Personen in die Geschichte der «Sebelis Sage» eingetaucht und man staunte bei einem «Sagi Kafi» – liebevoll von den verschiedenen Helferinnen und Helfern des Vereins zubereitet – wie grossartig unsere Vorfahren sich die Wasserkraft zunutze machten. «Es ist ja nicht so, dass eine Mühle nur für Getreide zum Einsatz gekommen ist», erklärte der Präsident des Vereins «Sebelis Sage», Stefan Rogenmoser. «Bei den sogenannten Knochenstampfern kam ebenfalls die Wasserkraft zum Einsatz. Aus dem Knochenpulver wurde dann Leim gemacht oder man setzte das Material als Düngemittel ein», erzählte Stefan Rogenmoser weiter. «Als die Mühle am heutigen Standort 1897 neu aufgebaut wurde, war beispielsweise nur 200 Meter weiter unten eine Hammerschmiede, die ebenfalls auf Wasserantrieb setzte». Trotzdem war die «Sebelis Sage» am Samstag die einzige Mühle im ganzen Kanton Zug, die am Mühlentag mitmachte.

Gepflegtes Kulturgut

Es fiel auf, wie sorgfältig die Mühle als Kulturgut vom Verein gepflegt wird und wie viel Bewunderung in der Arbeit unserer Vorfahren steckt. In der Sage wurde früher vor allem Holz verarbeitet; das Mühlrad hatte eine Säge angetrieben und damit war der Holzschnitt von grossen Stämmen einfacher und schneller. Der an sich simple Vorgang war nun vor Ort zu sehen und faszinierte die Besucher.

Überhaupt war der Mühlentag als Gesamtkonzept eindrücklich: Die Mischung aus unaufdringlich vermittelter Kultur, altem Handwerk und Volksfest kam an und es ist schade, dass die «Sebelis Sage» nur alle zwei Jahre am jährlich stattfindenden nationalen Mühlentag teilnimmt. «Dazwischen gehen wir vom Verein jeweils auf Visite bei den anderen Mühlen», sagte Stefan Rogenmoser lachend.

Es fiel ebenfalls auf, wie engagiert der Verein sich um die Mühle und den Betrieb kümmert. Es waren die Details, welchen den «19. nationalen Mühlentag» mit der «Sebelis Sage» zum Erfolg machten: Die gepflegte Feuerstelle, die selbst gebackenen Kuchen, das Engagement der einzelnen Vereinsmitglieder im Vorfeld und letztendlich auch die ratternde Säge.

Führungen sind online jederzeit buchbar.