Kolumne

Die Ruhe geniessen

Die Redaktorin Andrea Muff beschreibt, wie sich die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus auf ihren Alltag auswirken.

Andrea Muff
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Andrea Muff

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Erst dachte ich, diese ganze Corona-Krise betrifft mich nicht. Ist ja nur eine Grippe – keine Panik. Zur Risikogruppe gehöre ich auch nicht. Doch inzwischen hat der Bund Massnahmen erlassen, die auch mich betreffen. Nur fühlen sich einige leider immer noch nicht betroffen. Auch unsere Redaktion hat die Teamgrösse im Büro angepasst – reduziert auf drei Personen. Der Rest arbeitet zu Hause oder kompensiert Arbeitstage. Mein Alltag hat sich deshalb nicht drastisch verändert, eigentlich sieht er sogar noch ziemlich gleich aus wie vor den Einschränkungen – nur ist jetzt für zweimal die Woche mein Esstisch mein Pult.

Die Ruhe geniessen, Filme oder Serien anschauen oder einfach nichts machen: Solidarität und zu Hause bleiben sind die Schlagwörter der Stunde. Ich gebe zu, es fällt mir nicht schwer. Andere haben da mehr Mühe, aber auch da gibt es Lösungen. Eine Freundin von mir beispielsweise will ihre Langeweile auf einer Leinwand ausdrücken. Da ihr aber das künstlerische Talent fehlt, wie sie selber sagt, hat sie sich «Malen nach Zahlen» bestellt. Eine andere kocht den ganzen Tag. Sie arbeitet sonst in einem Restaurant. Diese Betriebe mussten bekanntlich anfangs Woche schliessen. Damit die Lebensmittel aber nicht verderben, wurden sie den Angestellten mitgegeben. Das Ergebnis: Ein wirklich voller Kühlschrank. Ich habe Fotos gesehen – auch von den Menus, die sie nun täglich zaubert.

Die einen versuchen, also die Zeit totzuschlagen, bleiben zu Hause und leisten so ihren Beitrag. Andere organisieren, unterhalten die Kinder und fallen abends müde ins Bett. Und dann sind da jene, die im Lebensmittelverkauf arbeiten und unsere Versorgung sichern oder das Gesundheitspersonal, das schon jetzt enorm viel leistet. Unsere Helden des Alltags.

Als für sie am Freitagmittag ein grosser Applaus durchs Quartier rauschte, bekam ich Gänsehaut. Beinahe jeder Balkon war besetzt und man klatschte. Vielen Dank auch von mir!