Die SBB-Baustelle entlang des Zugersees soll pünktlich fertig sein

Ab dem 10. Juni kann die Öffentlichkeit die Fahrplanentwürfe 2021 für die Bahn- und Buslinien einsehen und Änderungswünsche einreichen. Ein Lückenschluss am Berg lässt Kantonsschüler kräftig jubeln.

Marco Morosoli
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Die Gemeinden Neuheim und Menzingen grenzen aneinander. Eine Strasse zwischen den beiden Flecken im Berg gibt es auch, aber auf dieser fährt derzeit kein Bus. Das ändert sich beim nächsten Fahrplanwechsel Mitte Dezember. Ab dann fährt der Bus der Achse Baar-Neuheim stündlich nach Menzingen weiter. Die gleiche Kadenz gibt es in der umgekehrten Richtung. «Eine solche Verbindung hat es noch nie gegeben», sagt Patrick Stöcklin. Er ist Verkehrsplaner beim Amt für Raum und Verkehr (ARV). Dieses ist wiederum der Baudirektion angegliedert. Diese Neuerung freut mit Sicherheit Schüler der Kantonsschule Menzingen, die in Baar oder in Neuheim wohnen. Das sind gemäss einer aktuellen Aufstellung 65 Schüler aus Baar und deren neun aus Neuheim. Diese Buspremiere im Berg hat, so Stöcklin, noch einen willkommenen – und eingeplanten – Nebeneffekt: Der Zuspruch für den Bus Nummer 2 (Zug – Menzingen) sinkt.

Der Baudirektor legt vom bewilligten Kredit nichts zur Seite

Wie der Zuger Baudirektor Florian Weber beim Pressetermin am 8. Juni sagte, habe er verfügt, eingespartes Geld beim derzeitigen Angebot anderswo einzusetzen. Webers Maxime ist, «dort in den öffentlichen Verkehr zu investieren, wo es Sinn macht».

Eine solche Investition stellt zum Beispiel die Taktverdichtung der Buslinien 3, 6 und 11 am Abend bis um 22 Uhr dar. Diese Verlängerung bringt innerhalb der Stadt Zug attraktivere Verbindungen, weil die langen Wartezeiten beim Metalli wegfallen. Die Buslinie nach Baar läuft beim ARV unter dem Namen «Verbindungen zwischen See und Freibad». Kein Stillstand am Abend gilt ab Dezember auch für die Verbindungen Zug-Steinhausen-Cham und Zug Herti-Zug Schönegg. Vor einem Jahr hat das ARV schon den Viertelstundentakt auf den vorgenannten Buslinien bis 21 Uhr verlängert. Damit ist in zwei Schritten der Zustand wiederhergestellt, wie er bis Ende 2015 gegolten hatte. Das verdichtete Abendangebot fiel damals einem der kantonalen Sparprogramme zum Opfer. Jetzt läuft es dem Kanton wieder rund.

Gute Nachrichten von der Baustelle Zugersee Ost

Weitere Verbesserungen gibt es auf der Buslinie vom Bahnhof Zug in Richtung Gimmenen-Quartier. Derzeit herrscht dort an Sonntagen jeweils Betriebsruhe. Damit ist ab dem 13. Dezember Schluss. Zudem lässt der Kanton Zug als Besteller auf der Buslinie 4 (Zug- Inwil-Baar) auch an Sonntagen die ganze Strecke abfahren. Bis anhin wenden die Busse der Linie 4 bereits in Inwil.

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020 verkehren auch am Zugersee-Ostufer wieder Züge. Mit der gleichzeitigen Eröffnung des Monte-Ceneri-Basistunnels verkürzt sich die Fahrt nach Lugano nochmals spürbar. Der Baudirektor Florian Weber sagt, dass gemäss seinem Kenntnisstand die Bauarbeiten zwischen Zug und Arth-Goldau planmässig vorangehen. Nach dem Ende der Bauarbeiten fährt im Halbstundentakt eine Stadtbahn von Zug nach Walchwil und wieder zurück.

Von der Neuordnung des Busangebots im Kanton Schwyz im Talkessel ab Ende 2020 profitiert auch Rotkreuz. In einem dreijährigen Pilotprojekt gibt es an Wochenenden Züge zwischen Aarau und Arth-Goldau mit Halt in Rotkreuz. Insgesamt beziffert das ARV das Zusatzangebot auf rund 200'000 Kilometer. Das Fahrplanangebot im Kanton für den Fahrplan 2020/2021 umfasst 5,294 Millionen Kilometer (Bahn) und 11,7 Millionen Kilometer mit dem Bus.

Der Stillstand wegen des Coronavirus hat Auswirkungen auf die ÖV-Nutzung. Heuer könnte der Frequenzverlust bis zu 40 Prozent betragen, so Stöcklin beim gestrigen Pressetermin. Die ÖV-Branche will jedoch alles unternehmen, «um Kunden zurückzugewinnen». Womöglich helfe es auch, so der ARV-Verkehrsplaner und das derzeit vermehrt praktizierte Homeoffice könne «die Spitzen glätten».

Kantonale Angebotsmassnahmen im Fahrplan 2021:

  • Für den wachsenden Freizeitverkehr werden an Sonn- und Feiertagen die Busse der Linien 1 Zug–Oberägeri und 3 Oberwil–Lättich neu im 15-Minutentakt verkehren. Zwischen Inwil und Baar wird neu ein 30-Minutentakt mit der Buslinie 4 angeboten. Die Buslinie 14 verkehrt nun auch sonntags, wie heute von Montag bis Samstag zwischen Inwil–Zug–Gimenen. Damit erhält das Gebiet Gimenen auch an Sonntagen ein ÖV-Angebot.
  • Auf den nachfragestarken Linien 3 Oberwil–Lättich, 6 Zug–Steinhausen und 11 St. Johannes–Schönegg wird der 15-Minutentakt bis 22 Uhr angeboten. Damit entfallen bis 22 Uhr die langen Wartezeiten an der Bushaltestelle Metalli/Bahnhof in der Stadt Zug.
  • Die Buslinie 31 Baar–Sihlbrugg–(Neuheim) wird neu immer in Sihlbrugg gewendet. Dadurch kann das Angebot für den Entwicklungsschwerpunkt Walterswil von Montag bis Freitag zum 15-Minutentakt verdichtet werden. Zwischen Sihlbrugg und Neuheim Tal verkehren keine Busse mehr.
  • Um das Einzugsgebiet der Linie 32 Baar–Neuheim zu vergrössern, wird diese Linie über Neuheim hinaus verlängert. Zwischen Baar–Neuheim verkehren alle 30-Minuten Kurse über den Baarburgrank. Ab Neuheim Dorf wird stündlich das Neuheimer Gewerbegebiet Sarbach und Tal erschlossen. Ebenfalls stündlich verkehrt die Linie 32 zwischen Neuheim und Menzingen. Dank dieser Schnellverbindung können am Bahnhof Baar mehr Anschlüsse erreicht werden, so auch der IR75 von und nach Luzern und Zürich. Für Menzingen wird neu die schnellste Verbindung nach Zürich mit der Linie 32 via Baar führen. Die drei Gemeinden Menzingen, Neuheim und Baar sind künftig direkt miteinander verbunden. Auszubildende aus diesem Raum erhalten eine umsteigefreie Busverbindung zur Kantonsschule Menzingen und entlasten so auch die stark besetzten Kurse der Buslinie 2 (Zug–Menzingen).
  • Die Buslinie 53 Küssnacht am Rigi–Rotkreuz wird zur Hauptverkehrszeit im 15-Minutentakt verkehren, wovon Buonas und Risch direkt profitieren. Mit den neuen Buslinien 525 Immensee–Rotkreuz und 526 Brunnen–Goldau–Rotkreuz werden neue Direktverbindungen aus dem Schwyzer Talkessel zum Entwicklungsschwerpunkt der Gemeinde Risch angeboten. Die bestehende Buslinie 528 Vitznau–Rotkreuz bedient neu auch die Bushaltestelle Birkenstrasse im Gebiet Suurstoffi.
  • Zur ursprünglich geplanten Buslinie 5 Walchwil–Oberwil wurden diverse Konsultationen durchgeführt. Neu wird die Linie 5 stündlich nach Zug verlängert. Die Busse verkehren mit einer neuen Linienführung (Zug Bahnhofplatz–Walchwil St. Adrian–Walchwil Bahnhof –Walchwil Oberdorf–Walchwil Hörndli–Zug Bahnhofplatz). Dies ermöglicht eine bessere innerörtliche Erschliessung von Walchwil. Reisende von St. Adrian bis Räbmatt werden stündlich umsteigefrei zum Bahnhof Zug gebracht, wo schlanke Anschlüsse an den Fernverkehr bestehen. Mit dem überarbeiteten Fahrplanangebot erhält Walchwil an Werktagen pro Stunde drei Verbindungen, welche die Innenstadt von Zug mit Walchwil verbinden. An Sonntagen und zu Randstunden bilden die Stadtbahnlinie S2 und die Buslinie 5 zusammen einen Halbstundentakt zwischen Zug und Walchwil. Keine neuen Erkenntnisse brachten die Gespräche für die Verbindung Walchwil–Arth, die eingestellt wird.
  • Der Fahrplan der Buslinie 42 Cham–Knonau wird so angepasst, dass die Anschlüsse in Knonau an die S5 gesichert werden und für die Reisenden eine robuste Transportkette von und nach Zürich angeboten werden kann.
  • Die Gemeinden Cham, Hünenberg und Risch sind in der Wirtschaftsregion Zugwest vereint, die unter anderem eine bessere Einbindung des Freiamts Richtung Süden fordert. Unter der Federführung des Kantons Aargau und in Zusammenarbeit mit dem Bund und dem Kanton Schwyz wird der Kanton Zug ein probeweises Angebot mitbestellen. Während dreier Jahre sind einzelne Wochenendverbindungen für die Strecke Aarau–Rotkreuz–Arth-Goldau geplant. Diese Züge werden schlanke Anschlüsse an den Gotthardverkehr vermitteln, wodurch für Reisende aus dem Raum Rotkreuz in den Süden der Umweg via Zug entfällt.