Die Schönheit der Zahlen

«Es ist mir ein Rätsel, warum Schilder so begehrt sind», Ausgabe vom 5. Februar

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Professor Mathias Binswanger sagt also zum Thema der hoch bezahlten Autokennzeichen, es sei ihm ein Rätsel, warum die Schilder so begehrt seien.

Mir ist das kein Rätsel. Denn schon von Kindsbeinen auf war ich begeistert von schönen Zahlen.

Als ich 9-jährig wurde, durfte ich am 4.4.1948 die Erstkommunion empfangen. Stolz verkündete ich im ganzen Quartier: Denken Sie, an einem so schönen Datum, am 4.4.1948 bin ich Erstkommunikant. Ich empfand dies als eine Super-Gnade, sozusagen eine Erstkommunion hoch 44. Dazu kamen noch weitere freudige Feststellungen. Nämlich: «Und dann ist 1948 noch ein Schaltjahr (also Potenz 444) ... und ausserdem ein Maikäferjahr.» Die Maikäfer waren ja die Liebe unserer Kindheit, allerdings zahlten sie dafür auch mit dem Leben. Herz, was willst Du mehr.

Diese Erinnerung hat noch den Vorteil, dass ich stets ausrechnen kann, ob wir in einem Schaltjahr sind oder in einem Maikäferjahr. Denn jedes vierte Jahr ist ein Schaltjahr, jedes dritte Jahr ein Maikäferjahr. Das halte ich hier fest für all die armen Menschen, die kein richtiges Maikäferjahr mehr erleben.

Darum mag ich auch wunderschöne Autonummern. Meine erste Nummer war 17951.

Warum ist diese so schön? Kurve steil ansteigend, sanft abfallend. Alles ungerade Ziffern, die schätze ich mehr als die geraden. Irrationale Sache. Wer Ohren hat zu hören, der höre. Erklären kann man das nicht. Aber trotz aller Liebe zur Schönheit der Zahlen: Für ZG 10 würde ich nicht 233000 Franken hinblättern – weder wollen noch können. Aber ein Kompliment gehört dem Käufer doch: 233000 ist eine sehr schöne Zahl.

Josef Hager, Zug

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