Die Schuldsprüche für den Mordversuch werden bestätigt

Das Zuger Obergericht bestätigt die Urteile des Strafgerichts im sogenannten Paracetamol-Mordprozess.

Harry Ziegler
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Geplant war in der Dreiecksbeziehung, dass zum Schluss der Tat, der lästige, kranke Ehemann das Zeitliche gesegnet hätte. Das tat er dann zwar auch, aber nicht wie vorgesehen durch eine Medikamentenvergiftung, sondern durch einen Herzanfall. Vorgesehen war, den schwer leberkranken Ehemann mit hohen Dosen des Schmerzmittels Paracetamol zu töten. Dieses Mittel kann bei bereits bestehender Leberschädigung in hohen Dosen verabreicht zum Tode führen. Der Herzanfall übrigens wurde nachweislich nicht durch die hohe Dosierung des Schmerzmittels herbeigeführt.

Für den Versuch, den Ehemann aus dem Weg zu räumen, um an dessen Vermögen zu gelangen, wurden 2017 eine 40-jährige Rumänin und ein 47-jähriger Schweizer vom Strafgericht des Kantons Zug wegen versuchten Mordes zu Freiheitsstrafen von 11 und über 13 Jahren verurteilt. Dann begann der Marsch durch die Instanzen. Das Urteil des Strafgerichts wurde ans Obergericht des Kantons Zug weitergezogen, dieses schliesslich ans Bundesgericht, das das Urteil des Obergerichts aufhob und dieses wegen zweier Gutachten, die eine hohe Dosis von Paracetamol im Körper des Mannes mittels umstrittener Methoden nachgewiesen haben wollen, ans Obergericht zurückwies. Dieses sollte zweifelsfrei ausschliessen, dass eine erneute Haaranalyse einen Wert ergeben könnte, der gegen die hoch dosierte Einnahme des Wirkstoffs spreche.

Die weiteren Beweise reichen aus

Die beiden Beschuldigten hatten geltend gemacht, dass das Institut für Rechtsmedizin den erhöhten Wert durch eine neu entwickelte aber noch nicht erprobte Methode ermittelt habe. Unter anderem könne nicht zweifelsfrei ermittelt werden, was zum hohen Paracetamol-Wert im Körper des Mannes geführt habe – der Eigenkonsum des Verstorbenen oder die zusätzliche Verabreichung des Wirkstoffs. Das Obergericht kommt nun in der vom Bundesgericht verlangten Neubeurteilung zum Schluss: Auch ohne Berücksichtigung der Resultate aus den Gutachten, es bleibt beim versuchten Mord. Denn, um die Beschuldigungen aufrecht zu erhalten und die 40-Jährige und ihren Komplizen wegen versuchten Mordes zu verurteilen, reichen die weiteren Beweise aus.

Zum einen die über 1000 Chatnachrichten, in denen sich die 40-Jährige und der 47-Jährige immer wieder zum Tathergang und zur Dosierung von Paracetamol austauschen. Zum anderen, die vom Gericht als erwiesen betrachtete Skrupellosigkeit, mit der die Tat, erfolglos zwar, begangen wurde, sowie die erhofften finanziellen Vorteile, nachdem der lästig gewordene Ehemann beseitigt wäre. «Zusammenfassend erfüllen sowohl die Motive wie auch die Tatausführung mit Bezug auf beide Beschuldigten die Qualifikationsmerkmale von Artikel 112 Strafgesetzbuch, weshalb die Tat als (unvollendeter) Mordversuch anzusehen ist», schreibt das Obergericht in der Gesamtwürdigung seines aktuellen Urteils.

Im besagten Artikel des Strafgesetzbuches heisst es: «Handelt der Täter besonders skrupellos, sind namentlich sein Beweggrund, der Zweck der Tat oder die Art der Ausführung besonders verwerflich, so ist die Strafe lebenslängliche Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren.»

Es bestehe «hohe Fluchtgefahr»

Das Obergericht verurteilt die 40-jährige Frau zu einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren und 7 Monaten, den 47-jährigen Mann zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren. Für beide wird bis zum Antritt des Strafvollzugs Sicherheitshaft angeordnet. Bei beiden bestünde wegen der hohen ausgesprochenen Strafe Fluchtgefahr. Insbesondere die Frau verfüge über keine feste Verwurzelung in der Schweiz, soziale Bindungen bestünden kaum.

Bei der Höhe der verhängten Freiheitsstrafen für beide Beschuldigten bleibt das Obergericht leicht unter dem Strafmass der Vorinstanz, ebenfalls das Obergericht, das das Strafmass des Strafgerichts bereits auf etwas unter 10 Jahre für die Frau und etwas über 10 Jahre für den Mann senkte.

Nun wird das Strafmass weiter gesenkt, weil zugunsten der Beschuldigten davon auszugehen sei, dass sich der unmittelbar bevorstehende Tod des Ehemanns durch die hohen Dosen von Paracetamol durch die nach neuen Methoden erstellten Gutachten nicht schlüssig belegen lasse. «Zu Gunsten der Beschuldigten ist daher davon auszugehen, dass noch viel gefehlt hat, bis der Ehemann gestorben wäre», so das kantonale Obergericht.

Zug: Schuldspruch gegen «Paracetamol-Pärchen»

Sie hatten sich Hoffnung gemacht, frei gesprochen zu werden. Doch die zweite Instanz reduziert lediglich ihr Strafmass minim. Dem Schweizer und der Rumänin stehen trotzdem wegen versuchten Mordes an ihrem Ehemann lange Haftstrafen bevor.
Christopher Gilb