Die Sorge ums Klima treibt sie an: Julia Küng ist die neue Co-Präsidentin der Jungen Grünen Schweiz

Mit Julia Küng wird zum dritten Mal in Folge eine Zugerin Co-Präsidentin der Jungen Grünen Schweiz. Politisiert wurde sie durch den Klimawandel, für den sie sich schon in ihrer Kindheit auf eigene Weise eingesetzt hat.

Laura Sibold
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«Die Welt zu retten ist keine leichte Aufgabe, aber wir Jungen Grünen haben die besten Voraussetzungen dazu.» Julia Küng scheut sich nicht vor klaren Statements – sei es bei ihrer Antrittsrede oder beim Gespräch mit unserer Zeitung. Am 18. Januar wählten 120 Parteimitglieder die 19-jährige Zugerin in Aarau zur neuen Co-Präsidentin der Jungen Grünen Schweiz. Gemeinsam mit dem Lausanner Oleg Gafner führt sie die wählerstärkste Jungpartei in die Zukunft.

Julia Küng liegt das Klima am Herzen, seit sie acht Jahre alt ist.

Julia Küng liegt das Klima am Herzen, seit sie acht Jahre alt ist.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Januar 2020)

Schon kurz nach ihrer Wahl in Aarau fand Küng deutliche Worte: Sie betonte die Dringlichkeit der Klimakrise und die Bedeutung der Gleichstellungspolitik. Um die Welt zu retten, brauche es viel Energie und Visionen. «Als Jungpartei schaffen wir eine Bewegung mit klaren Strukturen, über die wir unsere Ideen und Forderungen transportieren. Das hat Potenzial», relativiert Julia Küng ihre hochgesteckten Ziele.

Neues Parteiprogramm und erste Massnahmen

Die junge Zugerin weiss, wovon sie spricht, hat sie doch in Zug den Klimastreik mitaufgebaut und sich auch im OK des Frauenstreiks engagiert. Der Streik an sich habe inzwischen einen Wiedererkennungswert, betont Julia Küng, die auch Vorstandsmitglied der Jungen Alternative Zug ist. Streiks hätten das Bewusstsein für ein Problem gestärkt und den politischen Diskurs verändert. Klima und Gleichberechtigung sind denn auch zwei Themen, die in der vergangenen Legislatur die Politik im Bundeshaus dominiert haben. Derzeit mangle es aber noch an der Umsetzung konkreter Massnahmen, kritisiert Küng, die im Oktober 2019 auf der Liste der Jungen Alternativen Zug für den Nationalrat kandidiert hat. In ihrem kürzlich verabschiedeten Parteiprogramm fordern die Jungen Grünen Schweiz unter anderem 100 Prozent Bio-Landwirtschaft und Netto-Null-Treibhausgasemissionen bis 2030. Für Letzteres hat die Jungpartei einen Massnahmenkatalog erstellt. Als wichtige Punkte darauf nennt Küng das Verbot von Kurzstreckenflügen sowie Investitionen in erneuerbare statt fossile Energien.

Mit der Wahl von Julia Küng steht zum dritten Mal in Folge eine Person aus Zug den Jungen Grünen Schweiz vor. Küng folgt auf den abtretenden Luzian Franzini, der die Jungpartei seit 2016 präsidierte und mittlerweile im Kantonsrat sitzt. Denselben Weg beschritt vor ihm auch Andreas Lustenberger: Der Baarer ist inzwischen Präsident der Alternative – die Grünen Zug und ebenfalls Kantonsrat. Sind junge Grüne in Zug besonders politisch aktiv, dass sie es nach und nach ins Präsidium der nationalen Jungpartei schaffen? Julia Küng schliesst das nicht aus:

«Der Widerstand gegen die globalen Konzerne mit Sitz in Zug – etwa die Glencore – politisiert seit Jahren viele junge Menschen. Hier sind wir die treibende Kraft.»

So ist es auch Julia Küng gegangen, die seit 1,5 Jahren Mitglied der jungen Alternative ist. Politisiert wurde die 19-Jährige, die derzeit ein Praktikum beim Radio Kanal K absolviert, klassischerweise durch den Klimawandel. Nach dem Religionsunterricht habe sie sich als 8-Jährige manchmal mit einer Freundin in die Kirche geschlichen und dort eine Kerze angezündet, «damit die Welt nicht untergeht», wie sie sagt. Küng begann, ihren Konsum zu hinterfragen, sie wechselte auf eine vegetarische Ernährung, erkannte aber bald, dass ihr das nicht ausreicht.

Ziel: Feminismus und Basisdemokratie fördern

Um grossräumig etwas verändern zu können, beschloss Küng, in die Politik zu gehen. Ohne die motivierte Zuger Sektion wäre ihr dieser Schritt schwerer gefallen, sagt sie. Nun steht Julia Küng rund 3700 Mitgliedern der Jungen Grünen Schweiz vor – und hat einige Pläne, für die sie mit ihren Hobbys Triathlon und Violine kürzertritt. Während ihrer Amtszeit als Co-Präsidentin will sie in die Mitgliederbindung investieren. Die Partei müsse noch feministischer und basisdemokratischer werden. Dass jede Meinung zählt und fixe Hierarchien fehlen, sieht Küng als Stärke der Jungpartei. Bis 2021 will die Zugerin eine Initiative entwickeln, deren Thema mit den Parteimitgliedern erarbeitet werden soll.

Weiter fordern die Jungen Grünen, dass die Schweiz national den Klimanotstand ausruft. Diesbezüglich können Küng und die Zuger Sektion einen Teilerfolg verbuchen: Im Mai 2019 überwies der Kantonsrat ein Postulat, das die Ausrufung des Klimanotstands in Zug fordert.

Zug ist dem Klimanotstand ein Schritt näher

Die Klimadebatte hat es in den Kantonsrat geschafft. Das Postulat der drei 
Jungpolitikerinnen wurde dem Regierungsrat überwiesen, dieser soll nun einen Massnahmenkatalog ausarbeiten.
Andrea Muff