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Die Spinnerei Baar prägt das Quartier

Die Historikerin Brigitte Moser sprach an einer Führung über die Industrialisierung in Baar.
Monika Wegmann
Historikerin Brigitte Moser informiert die gut 80 Anwesenden über die Geschichte der Spinnerei Baar. Bild: Stefan Kaiser (Baar, 9. November 2019)

Historikerin Brigitte Moser informiert die gut 80 Anwesenden über die Geschichte der Spinnerei Baar. Bild: Stefan Kaiser (Baar, 9. November 2019)

Trotz des kalten Wetters fand am vergangenen Samstag in Baar die letzte baugeschichtliche Führung des Referendumskomitees gegen das neue Denkmalschutzgesetz statt, über das am 24. November abgestimmt wird. Der Start bei der reformierten Kirche war bewusst gewählt, weil der Bau in engem Zusammenhang mit der Spinnerei nebenan steht. Die Historikerin Brigitte Moser lud die rund 80 Personen ein, hier den Spuren der Geschichte zu folgen. Mit spannenden Details vermittelte sie, wie sich das Quartier entwickelte, was im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung begann: «Alles hat angefangen mit der Fabrik an der Lorze.» Deren Wasserkraft, bis dahin für Mühlen oder Sägewerke genutzt, sollte nun der Textilfabrikation dienen.

Denn die Lorze habe die Gebrüder Henggeler, die bereits in Unterägeri eine Spinnerei besassen, animiert, auch hier eine Textilfabrik zu errichten. «So wurde von 1853 bis 1858 durch Architekt Adolf Uttinger eine topmoderne Anlage mit Gasleuchten erstellt, und vor der Hauptfassade entstand ein Park mit zwei Fontänen zur Luftbefeuchtung,» so Moser. «Der Betrieb ist 1993 eingestellt worden. Man hat danach für den historischen Bau, der einige Umbauten erfuhr, eine vielfältige Nutzung gefunden. Die Spinnerei hat die technische Entwicklung geprägt, heute ist der Bau ein wichtiger Vertreter der industriellen Architektur.»

Die Inbetriebnahme der Spinnerei an der Lorze, in der bis zu 600 Frauen und Männer arbeiteten, hatte eine starke Zuwanderung zur Folge. Wie Moser erläuterte, entstanden rundherum Wohn- und Gasthäuser, Bäckereien, die Brauerei sowie die Kirche. Die Arbeiterhäuser in der Höll seien Zeugen der vergangenen Epoche und prägen das Ortsbild mit. «Die Brauerei liegt nicht von ungefähr gegenüber der Spinnerei. Sie entwickelte sich zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Zentrum.» Der alte Gasthof sei original erhalten geblieben. Ebenfalls zu Baars Baugeschichte gehört für Moser in der Nachbarschaft das Obermühle-Areal mit den zwei im klassizistischen Stil erbauten Villen und den zu Wohn- und Arbeitsräumen umgebauten Silos: «Hier wurde für die historische Substanz eine gute Lösung gefunden.»

Die erste reformierte Kirche des Kantons Zug

Der Rundgang endete bei der reformierten Kirche, für Moser eine weitere «kulturhistorische Perle»: «Es ist eine schöne Kirche.» Als positiv wertete sie, dass man die neuen Gebäude rings herum angepasst habe: «Wenn man das geschickt macht, kann das gelingen, wenn nicht, viel verlieren.» Zur bewegten Geschichte der Baarer Protestanten sagte sie: «Durch die Industrialisierung zogen reformierte Arbeiter nach Baar. Dank dem katholischen Spinnereibesitzer Wolfgang Henggeler und seiner reformierten Frau entstand hier 1866/67 die erste reformierte Kirche im Kanton, ein schlichter Bau von ausserordentlicher Klarheit und Gliederung. Er steht unter Denkmalschutz. «Solche Bauten sind Teil unserer Geschichte und gehören zum baukulturellen Erbe. Sie stehen für Heimat und Identität. Wir können stolz sein, wenn wir beim Gestalten der Gegenwart die Vergangenheit kennen. Gute Architektur fängt nicht heute an. Es ist wichtig, historische Bauten sorgfältig abzuklären, ob sie erhaltenswürdig sind oder nicht, sonst werden unsere Orte gesichts- und geschichtslos. Ich will die historische Substanz würdigen und die Zuhörer sensibilisieren», sagte Brigitte Moser.

Zum Referendumskomitee gehören der Archäologische Verein, der Zuger Heimatschutz, der Historische Verein des Kantons Zug und das Bauforum Zug.

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