Standpunkt

Die Stadt Zug als Fussgänger- und Velostadt

Ignaz Voser (CSP), Mitglied des Grossen Gemeinderats der Stadt Zug, plädiert für eine nachhaltige, vorausschauende Bebauungs- und Verkehrsstrategie in der Stadt Zug mit Blick fürs Ganze.

Ignaz Voser
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Ignaz Voser (CSP), Grosser Gemeinderat Stadt Zug

Ignaz Voser (CSP), Grosser Gemeinderat Stadt Zug

Bild: PD

Während der Zeit des Corona-Lockdowns im Frühling und den bis heute geltenden Kontakt- und Reisebeschränkungen haben viele von uns einen anderen Blick für die Stadt und deren Aussenräume und Wegeverbindungen bekommen. Wie wertvoll nahe gelegene Grünflächen oder auch nur ein kleiner Park sein können, wurde vielen erst jetzt bewusst. Für die kleinen Fluchten aus den eigenen vier Wänden drehte man kurz seine Runden um die Häuser oder im nahe gelegenen Wald.

In Zug – der Stadt der kurzen Distanzen – ist das fast für jedermann möglich. Im Zusammenhang mit der anstehenden Ortsplanungsrevision wurden Zugerinnen und Zuger nach ihren Meinungen gefragt. In einer vor kurzem publizierten Pressemitteilung wurde über erste Ergebnisse dieser Umfrage orientiert. Darin wurde bestätigt, dass sich ein Grossteil der Bevölkerung eine Stadt mit möglichst vielen Grün- und Freiräumen wünscht.

Das ist nun nichts Neues, denn das wurde schon im Entwicklungskonzept aus dem Jahr 2006 postuliert und festgehalten. Leider haben es die bürgerlichen Bauchefs der vergangenen Jahre sträflich versäumt, dies zu berücksichtigen. Sie haben es unterlassen, Nägel mit Köpfen zu machen und umzusetzen, was eine breite Mehrheit der Bevölkerung schon länger fordert. Diese Laisser-faire-Politik der vergangenen Jahre offenbart nun, wie es eben nicht weitergehen darf. Sündenfälle wie der Arenaplatz und der völlig missratene Postplatz, dürfen nicht mehr passieren. Auch bei Bebauungsplänen sollte man endlich weiterschauen und sich vom reinen Parzellendenken verabschieden. Die Verknüpfungen einzelner Stadtteilen, deren Aussenräumen und eine optimalere Verkehrsführungen, kurz der Blick fürs grosse Ganze, muss von den Planern endlich beherzigt werden. Wir brauchen nicht noch mehr Immobilienentwickler, die eben dazu nicht im Stande sind. Wir brauchen verantwortungsvolle und fähige Stadtdenker. Die «Verwegungen» innerhalb und ausserhalb der Quartiere und das Zusammenfügen von Neustadt und Altstadt könnten damit auch viel besser gelingen. Was für die Quartiere gilt, muss auch im Stadtzentrum mehr Beachtung bekommen, oder aber das Lichterlöschen der Läden vom Casino bis zum Dreisspitzplatz wird weitergehen. Das gilt es zu verhindern.

Die Anziehungskraft von schönen und attraktiven Aussenräumen ist nicht zu unterschätzen. Einen Vorgeschmack, wie wertvoll verkehrsfreie Strassen- und Aussenräume sein können, konnte man anlässlich des Eidgenössischen Schwingfestes 2019 vom Bahnhof bis zum Festgelände in eindrücklicher Weise erfahren. Damals waren alle Strassen und Wege für den motorisierten Verkehr grossräumig gesperrt und ausschliesslich den Fussgängern vorbehalten. Kein falsch parkiertes Auto behinderte diesen Personenfluss. Dieser quasi gross angelegte Feldversuch für eine autofreie Stadt hat bewiesen: Die Fussgänger- und Velostadt funktioniert! Notabene für über 100000 Festbesucherinnen und Festbesucher. Die Stadt Zug hat zurzeit etwas mehr als 30000 Einwohner! Wer sich damals auf diesen Erschliessungen bewegt hat, konnte es spüren. Ein tolles Gefühl von Ruhe, Sicherheit und offener Stadt. Genau daran sollte sich die zukünftige Stadt- und Verkehrsplanung orientieren. Man muss die Stadt nicht alle 15 bis 20 Jahre neu erfinden. Es reicht, wenn man gewisse Stellschrauben neu justiert und den veränderten gesellschaftlichen Bedürfnissen entsprechend anpasst und nicht zuletzt dem, uns alle betreffenden Klimawandel endlich oberste Priorität einräumt.

Fazit: Der motorisierte Verkehr gehört darum wenn immer möglich nicht in die Stadt, es sei denn für die Zulieferungen von Gewerbe und Detailhändler. Die wahren Qualitäten einer Kleinstadt wie Zug offenbaren sich auch am Boden. Diese sollen endlich vermehrt den Fussgängern und den Velofahrern zugutekommen. Wer sich zu Fuss durch die Stadt und die Quartiere bewegt, wird viel Neues und Unbekanntes entdecken. Mehr noch: Dadurch werden wir von unserer Stadt und Umgebung ein ganz anderes Bild erhalten – denn man sieht auch mit den Füssen!

Hinweis

In der Kolumne «Standpunkt» äussern sich Mitglieder des Grossen Gemeinderats Zug zu frei gewählten Themen. Ihre Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.