Die Stadt Zug benötigt dringend mehr Schulraum

Der neue Schulraumplanungsbericht weist besonders für die Gebiete Zug West und Zug Nord Handlungsbedarf aus.

Laura Sibold
Hören
Drucken
Teilen
Der zweigeschossige Neubau beim Schulhaus Riedmatt ist im Frühling 2020 bezugsbereit und wird Entlastung bieten.

Der zweigeschossige Neubau beim Schulhaus Riedmatt ist im Frühling 2020 bezugsbereit und wird Entlastung bieten.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 13. Dezember2019)

Was meist abgedroschen klingt, trifft für einmal zu: Die Stadtschulen Zug platzen aus allen Nähten. Und: Die Problematik wird sich mit dem stetigen Bevölkerungswachstum weiter verschärfen. Besuchen derzeit rund 2400 Kinder den Unterricht in der Stadt Zug, sind es gemäss Prognosen in zehn Jahren über 35 Prozent mehr: Etwa 3280 Schülerinnen und Schüler werden 2028/29 in einem der vier Schulkreise Zug West (Lorzen und Herti), Zug Nord (Guthirt), Zentrum und Oberwil zur Schule gehen.

«Das Bevölkerungswachstum der letzten Jahre führte bereits zu einem Schülerwachstum, welches räumlich insbesondere durch Reserven und provisorische Lösungen aufgefangen wurde. Dies wird bei weiter ansteigenden Schülerzahlen kaum mehr möglich sein», steht im ersten Teil des Schulraumplanungsberichts, den das Bildungsdepartement Mitte Oktober publiziert hat. Der Bericht definiert den Handlungsbedarf der Stadtschulen Zug bis 2028 und zeigt laut Stadträtin Vroni Straub vor allem eines: «Wir haben gemacht, was wir konnten, um mit den vorhandenen Ressourcen möglichst viel Schulraum zu schaffen. Statt weiter Provisorien zu bauen, braucht es langfristig aber handfestere Lösungen.»

Die Devise bis 2028 lautet: Verdichten, wo es geht

Entsprechend heisst es im Schulraumplanungsbericht weiter: «Für den Zeithorizont 2028/29 stehen die räumlich/bauliche Umnutzung des Bestandes sowie die Verdichtung der bestehenden Schulstandorte im Fokus.» So könne die Entwicklung der Schülerzahlen bis in zehn Jahren mehrheitlich auf den bestehenden Standorten aufgefangen werden. Empfohlen wird eine Verdichtung der Standorte Loreto, Herti, Kirchmatt, Letzi und St.Johannes sowie verschiedener Kindergartenstandorte im Zentrum (Daheim, Grünring, Gimenen).

Was in den einzelnen Schulkreisen ansteht

Zug West: Der zweistöckige Neubau im Südosten der Schulanlage Riedmatt ist gut im Zeitplan. Das 16,5-Millionen-Projekt soll im Frühling 2020 bezugsbereit sein, wie Stadträtin Vroni Straub versichert. Der Kindergarten zieht dann in den Erweiterungsbau, sodass das «alte» Schulhaus für einen Quartiertreff und die schulergänzende Betreuung genutzt werden kann. Bezüglich Erweiterung der Schule Herti ist man zurück auf Feld eins. 2013 lehnte das Stadtparlament den Planungskredit für einen Neubau mit Sanierung ab. Seit Sommer liegt eine neue Machbarkeitsstudie vor. «Im Herti kann auf dem bestehenden Perimeter eine Erweiterung vorgenommen werden», so Straub. Ob ein Neubau oder ein Ausbau des bestehenden Schulhauses zielführender ist, wird noch im Detail abgeklärt. Die Studie empfiehlt aber einen Neubau. Das Zuger Baudepartement erarbeitet derzeit die Vorlage für einen Wettbewerbs- und Projektierungskredit, die Anfang 2020 veröffentlicht werden soll.

Zug Nord: Der Standort Guthirt kann wegen der engen Platzverhältnisse nicht weiter verdichtet werden. Ein Abriss und Neubau des Schulhauses kommt aber nicht in Frage, weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht. «Dennoch ist eine Schulerweiterung im Guthirt dringend notwendig», betont die Schulpräsidentin. Anfang 2020 werde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Zug Zentrum: Am 1. Oktober sprach das Stadtparlament den Projektierungskredit für die Erweiterung des Oberstufenschulhauses Loreto. In diesen Tagen startet die Jurierung, der Wettbewerb soll im Frühling 2020 abgeschlossen sein und danach dem Parlament der Baukredit unterbreitet werden. Die Stadt rechnet mit Gesamtkosten von rund 14,2 Millionen Franken. Frühster Bezugstermin für den Erweiterungsbau ist Frühjahr 2022. Grössere Investitionen werden auch bei der Heilpädagogischen Schule Maria Opferung notwendig. Die Schule braucht mehr Platz, eine Sanierung komme wegen der Naphthalin-Problematik in der Bausubstanz aber nicht in Frage, so Vroni Straub. Die Stadt ist zwar für den Neubau verantwortlich. Da man die Schule aber seit 50 Jahren für den Kanton führe, warte man noch auf seine Unterstützung, damit das Projekt gestartet werden könne. Mit dem nötigen Ersatzneubau wolle man auch einen Ausbau der Primarstufe am selben Standort prüfen, so Straub. Bei der Schulanlage Kirchmatt wird verdichtet und aufgrund des Raummangels im Sommer 2020 ein Provisorium erstellt.

Zug Oberwil: Für die nächsten 20 Jahre reicht der bestehende Schulraum aus. Im Juli bestätigte das Stadtparlament den Baukredit von 4,63 Millionen Franken für die Sanierung des Schulhauses Oberwil. Im Februar 2020 soll mit der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes von 1912/13 gestartet werden, sodass das erneuerte Schulhaus im Frühjahr 2021 in Betrieb genommen werden kann. (ls)

Ganz ohne Zwischenlösungen kommt die Stadt allerdings bis 2028 nicht aus. Insbesondere im Teilgebiet Herti/Letzi sowie im Schulkreis Guthirt drängt die Zeit: Dort werden die Raumdefizite immer grösser und Reserven sind nicht mehr vorhanden. Das kann sich auch negativ auf die Qualität des Unterrichts auswirken. Etwa auf die Klassengrössen, die sich in vielen Stadtzuger Schulhäusern immer mehr dem Höchstwert von 24 Kindern annähern. Kurzzeitige Entlastung bietet der Ausbau der Schule Riedmatt: Der Neubau ist im Frühling 2020 bezugsbereit. Der Schulraumplanungsbericht empfiehlt jedoch bis in zehn Jahren auch eine Erweiterung der Schule Guthirt. Der Schulkreis Zug Nord ist denn auch das grösste Sorgenkind von Vroni Straub, Vorsteherin des Bildungsdepartements.

«Im Guthirt ist eine Verdichtung kaum möglich, hier ist aber eine Erweiterung besonders dringend», so die Schulpräsidentin.

Der Ausbau solle möglichst zeitnah erfolgen, allerdings müsse dafür erst eine geeignete Fläche gefunden werden. Möglichkeiten dazu gäbe es auf der städtischen Liegenschaft am Lüssiweg oder in der Zusammenarbeit mit der V-Zug oder dem Kanton beim GIBZ. Dies müsse nun eine Machbarkeitsstudie zeigen.

Für das denkmalgeschützte Schulhaus Guthirt empfiehlt der Schulraumplanungsbericht eine Erweiterung.

Für das denkmalgeschützte Schulhaus Guthirt empfiehlt der Schulraumplanungsbericht eine Erweiterung. 

Bild: Matthias Jurt (Zug, 13. Dezember 2019)

Mit den steigenden Schülerzahlen wird auch mehr Raum für die schulergänzende Betreuung sowie für den Sportunterricht notwendig. Bis ins Schuljahr 2028/29 wird mit zirka sieben zusätzlichen Gruppen für die schulergänzende Betreuung gerechnet. Der Schulraumplanungsbericht zeigt auch auf, dass der Bau neuer Schwimm- und Turnhallen unumgänglich ist. Er weist einen Bedarf von sechs zusätzlichen Turnhallen und einer neuen Schwimmhalle bis ins Schuljahr 2028/29 aus. Auch hier ist der Bedarf im Gebiet Herti/Letzi am grössten: Bis in zehn Jahren werden in Zug West drei zusätzliche Turnhallen benötigt. Konkrete Pläne für neue Hallen oder deren Standorte habe man derzeit noch nicht, betont Vroni Straub. «Wir werden diese Thematik von Schulprojekt zu Schulprojekt anschauen.» Die bestehende Schwimmhalle im Herti zu vergrössern, könne aber eine sinnvolle Möglichkeit sein.

Langfristiger Planungsbericht liegt im Frühjahr 2020 vor

Ab 2030 bis 2040 ist die Stadt Zug dann auf neue, zusätzliche Schulstandorte angewiesen. Entsprechend soll im Frühjahr 2020 der zweite Teil des Schulraumplanungsberichts publiziert werden. «Dieser wird den Planungshorizont bis 2040 aufzeigen – auch im Hinblick auf die anstehende Ortsplanungsrevision», sagt Vroni Straub. Klar ist schon jetzt: Zig Schulraumprojekte werden die Stadt Zug in den kommenden Jahren auch finanziell belasten. Aus dem Ertragsüberschuss der Rechnung 2018 wurden 23 Millionen Franken als Vorfinanzierung für die Erweiterung und Sanierung von Schulbauten zur Seite gelegt. Laut Baudepartement werden Schulraumprojekte in den nächsten zehn Jahren rund 200 Millionen Franken verschlingen.

Der Schulraumplanungsbericht Teil 1 ist hier zu finden.

Schützenswertes Schulhaus Oberwil soll saniert werden

Das über 100-jährige Gebäude mit dem schmucken Türmchen wird auf den neuesten Stand gebracht. Geplant sind unter anderem neue Klassenzimmer und eine grössere Bibliothek im Rahmen eines Baukredits von 4,6 Millionen Franken.
Laura Sibold