Die Stadt Zug nimmt die Schulraumplanung in Angriff

Der Grosse Gemeinderat der Stadt Zug zeigt sich über den Bericht zur Schulraumplanung erfreut. Die grossen Kämpfe stehen aber noch bevor.

Marco Morosoli
Drucken
Teilen

«Endlich ist er da, der Bericht zur Schulraumplanung. Wir warten seit Jahren auf ihn», sagte der SVP-Gemeinderat Jürg Messmer am frühen Dienstagabend, 29. September 2020, im Festsaal des Zuger Casinos. Dort tagt der Grosse Gemeinderat der Stadt Zug seit dem Ausbruch Coronavirus-Pandemie im Frühjahr 2020. Die aktuelle Geissel der Menschheit habe auch dazu beigetragen, Prognosen mit noch mehr Vorsicht zu geniessen. Die Brücke zur Schulraumplanung schlug Messmer dadurch, dass er anfügte: «Wer hätte vor einem Jahr schon gedacht, dass wir die Fasnacht 2021 in der Stadt Zug absagen müssen.» Deshalb sei auch die Schulraumplanung mit Horizont 2040 nicht viel mehr als «Kaffeesatzlesen». Der SVP-Sprecher hat dabei nicht nur auf die Schulprognose 2040 gewartet, sondern sie auch gelesen. So stellte er fest, dass eine generelle Bevölkerungsprognose ausblende, welche Menschen in den kommenden Jahren in die Stadt Zug ziehen.

Dabei offenbart das vom Stadtrat bestellte Papier zwei Szenarien. Den höchsten Wert benennt das Papier «Schulraumplanung Zug» mit 47'400 Einwohnern. Zur Erinnerung: Aktuell liegt dieser Wert bei 30'200 Einwohnern. Der kantonale behördenverbindliche Richtplanwert geht von rund 37'000 Einwohnern in 20 Jahren aus. Eine etwas gar breite Spannweite zwischen den Extremen.

Einig waren sich die Gemeinderäte in einer Sache: Es liege jetzt etwas Handfestes vor. So sagte CVP-Fraktionschef Christoph Iten: «Jetzt müssen wir das Wissen in der Verwaltung aufbauen.» Patrick Steinle, der für die Alternative-die Grünen zum Rednerpult schritt, betonte: «Es bleiben Unsicherheiten. Jetzt liegt aber alles transparent vor.» Wichtig sei, so der Gemeinderat, dass die «Prognosen regelmässig zu überprüfen sind». Der Vertreter der Grünliberalen, David Meier, lenkte die Bahn auf ein anderes Gleis. Es stünden ja nicht nur der Bau, der Umbau oder der Neubau von schulisch nutzbaren Liegenschaften im Fokus. Es sei auch die Frage zu klären, wo zum Beispiel der städtische Werkhof zu stehen komme. Bei diesem Projekt steht die Stadt vor dem gleichen Problem wie bei allfälligen Schulneubauten. Wo gibt es noch Flächen, auf die solche Bauten hineinpassen.

Vielleicht kann die zuständige Stadträtin Eliane Birchmeier beim Kanton vorbeischauen. Dort sucht die Baudirektion krampfhaft nach einem Standort für eine neue Kantonsschule im Ennetsee. Bis jetzt ohne Erfolg – und das, obwohl der Suchradius wesentlich grösser ist. Doch Eliane Birchmeier geht scheinbar mit kleinen Schritten vorwärts und immer weiter: «Wir brauchen auch weiterhin Provisorien.» Solche sollen im Loreto-Schulhaus voraussichtlich ab 2024 baureif sein.

Die Frage steht im Raum, wie viel Wachstum muss es sein

Es lag auf der Hand, dass die SP-Gemeinderätin Barbara Gysel den Daumen auf den Punkt «Wachstum» legte. Wohl nicht wenige Zeitgenossen dürften geschockt sein, wenn sie den im Internet verfügbaren Bericht zur Schulraumplanung zu Gemüte führen. Gysel brachte es auf den Punkt: «Es ist ein unglaubliches Wachstum, das unserer Stadt bevorsteht.» Deshalb ist für Barbara Gysel bei der Schulraumplanung diese eine Frage vor allen anderen zu stellen: «Wir stellen uns grundsätzliche Fragen zum Wachstum.» Dieser Wert sei, so Gysel, «massgeblich für die Schulraumbauten». Doch die SP-Vertreterin mahnt an, dass Schulraum nur eine Seite im ganzen Verfahren sei. Auch der Bedarf nach weiterer Infrastruktur dürfe nicht aussen vor bleiben.

Sogar einen Schlenker zur Klimadiskussion, nebst dem Coronavirus, das Thema der Stunde, leistete sich der Grosse Gemeinderat der Stadt Zug am Dienstagabend, 29. September. Patrick Steinle von der ALG stellte sich vor, als seien all die fitgetrimmten Bauten schon Realität. Es sei wichtig, in den Schulräumen ein gutes Klima zu haben. Das sei aber nur ein Erfordernis, es müsse auch das Raumklima den erforderlichen Standard erreichen. Bei den vielen verschiedenen Schulbauten in der Stadt Zug braucht wohl nur schon die Erfüllung dieser Forderung verschiedenste Eingriffe.

Da der Grosse Gemeinderat der Stadt Zug die Schulraumplanung bei der Debatte nur zur Kenntnis nehmen konnte, folgt die grosse Herausforderung in Sachen Schulraumplanung, wenn die notwendigen Kredite dafür anstehen. Bauen an sich und im Speziellen ist immer ein trefflicher Tummelplatz für epische Kämpfe. Die SVP-Gemeinderätin Cornelia Stierli liess schon einmal in einem anderen Zusammenhang verlauten, was sie nicht will: «Es darf nicht sein, dass wir laufend die Planung überarbeiten müssen oder wieder Hauruckübungen auf die Beine stellen müssen.» Mit diesem Votum dürfte sie sicher viele stille Kostgänger im Casino auf ihrer Seite gehabt haben.

Mehr zum Thema