Die Stadt Zug setzt beim Ökihof-Neubau stärker auf Holz

Das geplante Recyclingzentrum im Göbli kostet voraussichtlich über 20 Millionen Franken. Der Kredit kommt im Mai vors Volk.

Andrea Muff
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In der Kolonnade können die Stadtzuger dereinst im neuen Ökihof ihren Abfall entsorgen.

In der Kolonnade können die Stadtzuger dereinst im neuen Ökihof ihren Abfall entsorgen.

Visualisierung: Arge Ressegatti Wagner Architekten, Zürich

Die Stadt Zug soll nicht nur einen Ökihof haben, sondern ein Recyclingzentrum bekommen. Da der aktuelle Ökihof nicht an seinem bisherigen Standort bleiben kann, wurde ein neuer im Norden der Stadt konzipiert. Der Neubau des Recyclingzentrums mit Ökihof im Göbli soll im Herbst 2022 in Betrieb genommen werden. Dafür bittet der Stadtrat nun um einen Objektkredit von insgesamt 20,8 Millionen Franken. Dieser wird voraussichtlich am 25. Februar dem Stadtparlament und am 17. Mai dem Volk zur Abstimmung vorgelegt. Läuft alles nach Plan, wird mit dem Bau im Februar 2021 begonnen.

Das Siegerprojekt Ciclou von der Arge Ressegatti Wagner Architekten aus Zürich steht seit über eineinhalb Jahren fest und überzeugte mit «guten betrieblichen und funktionalen Abläufen», wie der städtischen Vorlage zu entnehmen ist.

Mit der Tangente verbunden

Neben dem Ökihof finden auch das Brockenhaus der Frauenzentrale und GGZ@Work, einem Sozialbetrieb der Gemeinnützigen Gesellschaft Zug (GGZ) unter dem ein Bauteilladen und Werkstätten verstanden werden, Platz im geplanten Neubau. Bei der Standortevaluation der Stadt hat das Areal im Göbli die Kriterien am besten erfüllt. Durch den neu gebauten Abschnitt der Industriestrasse wird das künftige Recyclingzentrum mit der Tangente Zug/Baar verbunden.

Für den jetzigen Standort des Ökihofs und des Brockenhauses der Frauenzentrale auf dem Güterbahnhofareal läuft der Mietvertrag mit den SBB per Ende 2022 aus. Bereits 2010 signalisierten die SBB zum ersten Mal, dass sie das Areal längerfristig für eigene Zwecke nutzen möchten. Seit dann wurde der Mietvertrag mit der Stadt mehrmals verlängert. Laut Bericht und Antrag des Stadtrates geschah dies im vergangenen Monat aber zum letzten Mal. Danach solle das Areal definitiv für die Entwicklung des SBB-eigenen Gewerbe- und Wohnprojekts «Kirschloh» zur Verfügung stehen, heisst es weiter.

Nachhaltiger Bau

Als der damalige Bauchef, André Wicki, das Siegerprojekt Ciclou im April 2018 vorstellte, vermutete er, dass die Kosten in die Richtung von 16 Millionen Franken für das Bauprojekt gehen würden. Nun sind die Pläne überarbeitet: Zum einen wurden die aus dem Projektwettbewerb hervorgegangenen Punkte aufgenommen und umgesetzt, zum anderen wurde der Gebäudestandard auf Minergie-P-Eco angehoben, wie es in der Vorlage heisst. Des Weiteren wurden die «Flächenbedürfnisse» der drei verschiednen Nutzer verfeinert.

«All diese Überarbeitungen führten dazu, dass das Projekt aus gestalterischer, energetischer, räumlicher und funktionaler Sicht Änderungen erfahren hat», so der Stadtrat. Für die geplante Arealbebauung benötigt die Stadt einen Objektkredit von 20,8 Millionen Franken. Von den Gesamtkosten entfallen 7,6 Millionen Franken auf den Ökihof, 4,8 Millionen auf das Brockenhaus und 8,4 Millionen auf GGZ@Work. Die Jahresmiete für die von den nicht-städtischen Betrieben genutzten Räumlichkeiten von insgesamt rund 560000 Franken richtet sich nach den geschätzten Baukosten. Hinzu kommt noch die Parkplatzmiete von insgesamt 21600 Franken.

Publikumsattraktive Nutzung im Erdgeschoss

Aus der Luft betrachtet stellt der Neubau den Buchstaben «L» dar. Der viergeschossige Kopfbau soll parallel zur Industriestrasse realisiert werden. Für das Erdgeschoss ist laut Vorlage eine publikumsattraktive Nutzung vorgesehen. Betreten wird man das Gebäude von der Industriestrasse her: «Eine grosszügig gestaltete Eingangshalle im Kopfbau nimmt ein Café, die Warenannahme für das Brockenhaus sowie die Zugänge zu den Verkaufsbereichen von Brockenhaus und GGZ@Work auf, eine zweiläufige Treppe führt in die oberen Geschosse», wird es in Bericht und Antrag des Stadtrates beschrieben.

Auf den oberen Etagen befinden sich etwa Räume für Büros und Werkstätten. Die Eingangshalle wird durch eine Kolonnade, ein offener Säulengang, verlängert. Dieser überdachte Säulengang ist dem Ökihof vorgelagert und dient als Kundenbereich. Durch die L-förmige Anordnung der Gebäude gibt es einen Hof, der für die Erschliessung und das Parkieren genutzt werden kann.

Materialwechsel und Fotovoltaikanlage

Im Bereich Nachhaltigkeit hat das Projekt im aktuellen Planungsstand gegenüber dem Wettbewerbsstand diverse Änderungen erfahren. So werden etwa die Aussenwände und Brüstungen im Kopfbau sowie die Tragstruktur der Halle neu mit Holzrahmenbauweise erstellt. Zudem wird die Betriebsenergie aufgrund der erhöhten Wärmedämmung reduziert, sodass die Minergie-P-Anforderungen gut eingehalten werden können, heisst es in der Vorlage. Geplant sind auch Fotovoltaikanlagen auf dem Dach der Halle und dem Kopfbau. Damit soll die Gesamtenergiebilanz des Gebäudes zusätzlich verbessert werden. Gegenüber des Wettbewerbsprojekts wurden auch die Glasflächen erheblich reduziert. Dies wirke sich positiv auf den sommerlichen Wärmeschutz aus, ist der Vorlage zu entnehmen.

Die Stadt hält zudem am Konzept des bedienten Ökihofs fest. Sie fügt auch an, dass dadurch eine «höhere Wiederverwertungsquote der einzelnen Wertstoffe gesichert und ein sortenreines Recycling möglich» sei.