Die Stadt Zug soll den Zurlaubenhof retten

Der Zuger Stadtrat soll sofort Kaufverhandlungen mit der Besitzerfamilie des Zurlaubenhofs aufnehmen. Ziel: Die knapp 35'000 Quadratmeter grosse Liegenschaft der Spekulation entziehen.

Harry Ziegler
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Blick auf den Zurlaubenhof in Zug.

Blick auf den Zurlaubenhof in Zug.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 19. Dezember 2019)

Der Zuger Stadtrat soll sofort «die notwendigen Abklärungen treffen und entsprechende Verhandlungen zum Erwerb des Zurlaubenhofs führen», verlangen die CVP-Gemeinderätin Manuela Leemann sowie ihre Fraktionskollegen Benny Elsener und Richard Rüegg in einer Motion. Der Stadtrat solle die Anfrage der Besitzerfamilie Bossard sofort behandeln.

Begründet wird die Dringlichkeit dieser Motion damit, «dass der geschichtsträchtige Zurlaubenhof in Zuger Händen bleiben» müsse. Das knapp 35'000 Quadratmeter grosse Grundstück im Quartier St. Michael sei eine der wenigen Perlen in der Stadt Zug. Entsprechend benötigten die denkmalgeschützten Bauten, die teils bis ins Jahr 1597 datiert werden können, Unterhalt und verursachten entsprechende Kosten.

Schmerzliche Einbussen in Sachen Pracht befürchtet

Die Motionäre befürchten, «dass ein privater Landkäufer an dieser Lage die maximale Rendite beanspruchen und daher die Landreserven entsprechend ausnützen würde.» Die Liegenschaft verlöre so massiv an Glanz und Pracht. Deshalb stehe die Stadt in der Verantwortung, dies zu verhindern. Überdies könne sich die Stadt dies vor dem Hintergrund der guten Finanzlage leisten. Die Motionäre argumentieren, nur die Stadt sei in der Lage, den Bestand des Zurlaubenhofs langfristig zu sichern. Und diesen so der Spekulation zu entziehen. «Der Stadtrat soll daher einen möglichen Erwerb und die Anfrage der Besitzerfamilie zwingend prüfen.» Und da der Besitzerfamilie der Erhalt und die Zukunft des Hofs am Herzen liegen, dürften Gespräche zwischen ihr und der Stadt wahrscheinlich vielversprechend verlaufen.

Allerdings, so die Motionäre, müsse eine transparente Auslegeordnung gemacht werden. Dazu gehören gemäss Motion alle Dokumente der Besitzerfamilie sowie eine Zustandsaufnahme. Die vollständigen Unterlagen müssten ohne Zeitdruck gesichtet werden können, der Kaufpreis und die Sanierungskosten klar dokumentiert sein.

Historischer Verein erarbeitet bauhistorische Monografie

Die Ursprünge des Zurlaubenhofs sind vermutlich im 16. Jahrhundert zu verorten, wie unsere Zeitung 2019 schrieb. Er gilt heute als Baujuwel von ausgesprochener Einzigartigkeit und hat sein im 17. und 18. Jahrhundert entstandenes Erscheinungsbild weitgehend erhalten – ein Glücksfall. Die Zurlauben waren die einzige Zuger Patrizierfamilie. Ihnen war es einst gelungen, sich durch Dienste am Französischen Königshaus und den Salzhandel gesellschaftlich in den Aristokratenstand abzuheben und einen grossen Reichtum anzuhäufen.

Umgeben von Wiesland, vereint der Herrensitz ein voluminöses Wohnhaus mit Gartenanlage und Nebenbauten, eine Privatkapelle sowie einen Gutsbetrieb. Über die Baugeschichte des seit langem als Zuger Wahrzeichen geltenden Herrensitzes aber weiss man bislang wenig, sie ist nirgends umfassend dokumentiert und aufgearbeitet, obschon es Quellen gibt, die genug hergeben würden, eine bauhistorische Monografie zu erarbeiten. Diese Monografie will der Historische Verein des Kantons Zug nun schaffen.