Die Stadt Zug will eine Luftseilbahn prüfen

Von der Idee, die Zugerbergbahn bis nach Oberwil zu verlängern, hält der Stadtrat wenig. Doch für luftige Visionen hat er ein offenes Ohr.

Laura Sibold
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Die Verlängerung der Zugerbergbahn zur Stadtbahnhaltestelle Oberwil (Bild) dürfte kaum realisierbar sein.

Die Verlängerung der Zugerbergbahn zur Stadtbahnhaltestelle Oberwil (Bild) dürfte kaum realisierbar sein.

Bild: Stefan Kaiser (18. Februar 2020)

Es ist ein visionäres Anliegen, das im September 2019 im Stadtparlament so manchen Gemeinderat schmunzeln liess und nur knapp überwiesen wurde: ALG-Parlamentarier Patrick Steinle fordert in einem Postulat, dass die Zugerbergbahn bis zur Stadtbahnhaltestelle Oberwil verlängert wird. Der Stadtrat solle eine Verlängerung der Zugerbergbahn als Standseil- oder Gondelbahn prüfen und dabei in der Schönegg mittels einer Zwischenstation die Verknüpfung ans Quartier und die Buslinie gewährleisten.

«Mit der Verlegung der Talstation zur Stadtbahnhaltestelle Oberwil könnte die Erreichbarkeit des Zugerbergs mit dem öffentlichen Verkehr für sehr viele Besucher aus der Stadt und der ganzen Region deutlich verbessert werden», argumentiert Steinle im Vorstoss.

Verlängerung nach Oberwil ist zu wenig rentabel

Der Stadtrat erteilt Steinles Vision eine Abfuhr. «Gestützt auf das Entwicklungsleitbild Zugerberg, das 2011 unter Federführung des Kantons Zug entstand, sind der Massentourismus und entsprechende Installationen auf dem Zugerberg unerwünscht», schreibt der Stadtrat in seinem Bericht.

Jährlich transportiert die Zugerbergbahn etwas über 300'000 Passagiere. Diese Anzahl sei jedoch äusserst wetterabhängig und das Potenzial für zusätzliche Bahnpassagiere langfristig tief. Denn wenn kein Schnee vorhanden und die Schlittelpiste nicht in Betrieb ist, resultieren deutlich weniger Personentransporte, was wiederum ein höheres Defizit verursacht. Durch den Klimawandel werde sich die Thematik auf dem Zugerberg wohl noch verstärken, heisst es weiter, und der Biketrail allein könne nicht ausreichend Frequenzen für einen kostentragenden Betrieb der Bergbahn garantieren. Weiter schreibt der Stadtrat:

«Ein Ausbau der Seilbahninfrastruktur in Form einer Verlängerung der Zugerbergbahn nach Oberwil dürfte sich mit einer Standseilbahnlösung oder Gondelbahn aus diesen Gründen als betriebswirtschaftlich zu wenig rentabel herausstellen.»

Die betroffenen Landwirtschafts- und Grundwasserschutzzonen liessen wenig Raum für solche Bauten und auch eine unterirdische Variante sei zu aufwendig und teuer. Darüber hinaus plant der Kanton derzeit eine neue Linienführung der Busse. Es ist vorgesehen, dass nicht mehr die Buslinie 11 in die Schönegg fährt, sondern die Buslinie 7 aus Cham. Das Einzugsgebiet für umsteigefreies Fahren zur Talstation Schönegg würde so deutlich vergrössert. Zudem werde das sanierungsbedürftige Trassee der Zugerbergbahn ab 2022 erneuert, so der Stadtrat. «Im Vorfeld gemachte Studien zeigen auf, dass eine Standseilbahn das optimalste System darstellt.»

Ein anspruchsvolles und teures Vorhaben

Visionen hat aber auch der Stadtrat, wie sich im zweiten Teil des Berichts zeigt. Denn mit dem Mobilitäts- und Freiraumkonzept, das die Stadt Zug im Rahmen der Ortsplanungsrevision ausarbeiten will, sollen auch zukunftsträchtige Verkehrsmittel geprüft werden.

«Der Stadtrat möchte die Fragestellung ausdehnen zur generellen Prüfung eines Luftseilbahnsystems im Sinne eines alternativen, zukunftsträchtigen Verkehrsmittels für die Stadt Zug.»

So könne die Vision eines Luftseilbahnsystems auf den wichtigsten Pendlerstrecken von und in die Stadt erschaffen werden. Diese Routen befänden sich jedoch nicht zwischen der Schönegg und Oberwil, sondern eher zwischen den Gemeinden im Geviert Cham, Baar, Steinhausen, Zug und allenfalls zwischen den Berggemeinden und Zug, heisst es weiter.

Der Stadtrat betont, dass ein solches System städtebaulich, landschaftsschützerisch und technisch sehr anspruchsvoll und teuer wäre. Doch: «Im Rahmen des Mobilitätskonzepts könnte dieses zukünftige Luftseilbahnsystem näher geprüft und das Potenzial ausgelotet werden.» Der Stadtrat sei bereit, Vorabklärungen grundsätzlicher Art inklusive Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen im Sinne einer Vorstudie anzustellen.