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Die Suche nach dem schwarzen Gold

In Hünenberg erhoffte man sich Mitte des vergangenen Jahrhunderts, Erdöl- oder Gas zu finden. Nach erfolgreichen Messungen wurden im Langholz Bohrungen durchgeführt.
Zoe Gwerder

Um die 1960er-Jahre brach in der ganzen Schweiz eine Art Goldgräberstimmung aus. Die neuste Methode der Seismik erlaubt es, den tieferen Untergrund besser zu erkunden, was die Erfolgschancen von Bohrungen deutlich erhöhte. Auch im ganzen Kanton Zug waren Lastwagen mit grossen Platten unterwegs, die sie auf den Boden pressten. Insgesamt wurden hier 25 Quadratkilometer seismisch untersucht. Einzig an einem Ort im Kanton gab es positive Resultate: «In Hünenberg wurde eine erdölhöffige Struktur entdeckt», lautete damals die Schlagzeile.

Am 4. Januar 1965 wurden am Rande des Langholzes die Arbeiten zur Bohrung aufgenommen. Auf einem Feld, südöstlich des grossen Holzkreuzes, bei der Kreuzung Ober-Ehretstrasse/Langrütistrasse, trugen Tiefbaumaschinen auf einer Fläche von etwa 4500 bis 8000 Quadratmetern – je nach Quelle – den Humus ab und füllten die Fläche mit Kies. Darauf wurden Bretter gelegt, sodass ein solider Untergrund für den Bohrturm entstand.

Der Turm ragte 30 oder 47 Meter hoch aus dem Dach eines einer Scheune ähnlichen Provisoriums – auch zur Höhe gibt es unterschiedliche Angaben. Tag und Nacht schraubte sich der Bohrkopf Zentimeter um Zentimeter durch die Erdschichten in die Tiefe – auch an den Wochenenden. Bohrrohre zu je 12 Metern wurden Stück für Stück nachgeschoben. Nachts war das Gelände beleuchtet und der Turm zuoberst mit einem roten Warnlicht markiert. «Man hörte, wie es ratterte», erzählt Franziska Werder. Die damals 14-Jährige wohnte unweit des Spektakels in der Langrüti. Sie und ihre Kolleginnen seien oft mit dem Velo hochgefahren, um den Arbeitern zuzuschauen. «Nichts war abgesperrt und die Arbeiter freuten sich, wenn wir vorbeikamen. Wir durften zuschauen, wie das Wasser beim Kühler runterlief.» 29 Männer der Firma Elwerath aus Hannover bohrten im Auftrag der Seag – die Elwerath ging später in eine Tochtergesellschaft der beiden Erdölgiganten Shell und Esso über, die am Unternehmen bis heute je zur Hälfte beteiligt sind.

Teure Bohrarbeiten im Schichtbetrieb

Die Bohrarbeiten kosteten rund 10000 Franken pro Tag. Drei Dieselmotoren zu je 1100 PS trieben die Anlagen an. Ein Bohrkopf musste nach 40 Arbeitsstunden ausgewechselt werden. Die Männer arbeiteten im Schichtbetrieb: drei Schichten. In jeder arbeiteten ein Bohrmeister, ein Maschinenmeister und zwei Helfer.

Die fremden Arbeiter traten im Dorf nicht gross in Erscheinung. Einzig in den Gasthäusern – insbesondere im «Rössli» – waren sie anzutreffen. In diese verschwanden auch die ausgedienten Bohrköpfe – als Souvenir. Im «Rössli» war ein solcher noch lange ausgestellt. Und auch an der Scheune des Hofes Ochsenlohn, ausgangs Hünenberg in Richtung Heiligkreuz, sind bis heute solche Bohrköpfe zu sehen. Gemäss dem Landwirt Bruno Bitzi hatte sein Grossvater diese nach Hause gebracht, sandstrahlen lassen und silbern angesprayt.

Der ganze Spuk am Langholz dauerte rund acht Monate. Am 1. September 1965 war Schluss. Der Bohrer war bis auf 3288 Meter in den Boden eingedrungen, ohne auf Erdöl- oder Gas zu stossen. Die Rohre wurden aus dem Boden gezogen, der Bohrturm umgelegt und das Loch mit einem 300 Meter langen Zementpfropfen gefüllt. Mit einem Lastwagen wurde das ganze Material dann ins Freiamt nach Boswil gekarrt, wo die nächste Bohrung anstand. Auch dort fand man keine nennenswerten Hinweise auf Gas- oder Erdöl.

Nur in Entlebuch konnte Gas gefördert werden

Ebenfalls nach Öl oder Gas gebohrt, hatte man in der Zentralschweiz bereits 1952 im luzernischen Altishofen. Dort gab es Hinweise auf Öl und Gas – jedoch waren diese nicht kommerziell nutzbar. 1963 bis 1966 gab es in Pfaffnau fünf verschiedene Bohrungen. Dort wurden 100000 Kubikmeter Gas entdeckt, was jedoch ebenfalls zu wenig war. Erst 15 Jahre später gab es in der Gemeinde Entlebuch eine erfolgreiche Bohrung. Aus der Lagerstätte Finsterwald wurden während neun Jahren insgesamt 74 Millionen Kubikmeter Gas gefördert.

Hinweis: Die Serie «Zuger Gewerbe-Geschichte(n)» setzt sich mit Themen aus der wirtschaftlichen Vergangenheit auseinander. Quellen: Seltene Berufe und Menschen im Zugerland, Hermann Steiner, 1984; Hünenberg, Annemarie Setz-Frey, Ueli Ess, Klaus Meyer, Einwohnergemeinde Hünenberg, 1998; Erdöl- und Erdgasexploration in der Schweiz: Ein Rückblick, Patrick H. Lausen, Roland Wyss, Bulletin der Vereinigung Schweiz. Petroleum-Geologen und - Ingenieure, Dezember 1995

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