Die Talente bleiben im Kanton Zug

Der Kanton Zug leidet kaum unter Braindrain. Laut dem Bildungsdirektor ist dies auf die gute Lage zurückzuführen.

Rahel Hug
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Lediglich 9 Prozent der Zuger Studentinnen und Studenten kehren fünf Jahre nach Studienabschluss nicht in ihren Heimatkanton zurück. Diese Zahl zum Wanderungssaldo, erhoben von der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (Ausgabe vom Samstag), lässt aufhorchen. Nur Fribourg hat eine noch höhere «Rückkehr-Quote» als Zug, wenn man jene Kantone ausblendet, die einen positiven Wanderungssaldo aufweisen und Hochqualifizierte aus anderen Kantonen anziehen (Genf, Bern, Waadt, Zürich und Basel-Stadt).

Woran liegt das? Der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss führt auf Anfrage aus, dass man keine detaillierte Statistik dazu führe: «Ich kann die Zahlen also nur aufgrund von ‹Soft-Faktoren› analysieren.» Die hohe Rückkehr-Quote sei für ihn nicht überraschend, aber auf jeden Fall sehr erfreulich, so der SVP-Regierungsrat. «Wir wissen, dass wir kaum unter Braindrain leiden», erklärt Schleiss. Den Hauptgrund sieht er in der Lage beziehungsweise im Einzugsgebiet des Kantons Zug. Da beispielsweise Zürich nur 20 Minuten entfernt liege, hätten Zugerinnen und Zuger die Möglichkeit, auswärts zu studieren (und auswärts zu arbeiten), jedoch hier wohnhaft zu bleiben. Schleiss ist zudem überzeugt:

«Eine wichtige Rolle spielt sicher auch das starke Bevölkerungswachstum. Zug weist schweizweit das zweitgrösste Wachstum auf.»

Auch die starke Wirtschaft und ihr gutes Image würden eine Rolle spielen, so die Einschätzung des Bildungsdirektors. Damit spricht er die vielen, unter anderem internationalen Firmen an, die auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen sind. «Doch man darf nicht vergessen, dass die grossen Zentren die stärkste Spezialisierung aufweisen. Wer beispielsweise im Bankensektor arbeiten will, der muss nach Zürich.»

Ein wichtiger Faktor für Unternehmen

Der Kanton Zug bekundet also keine Mühe, seine Talente hierzubehalten. Deshalb gebe es auch keine entsprechenden Projekte in Zusammenarbeit mit den Unternehmen. «Doch wir hören immer wieder von den Firmen, dass die Verfügbarkeit von hoch qualifizierten Arbeitskräften für sie ein sehr wichtiger Faktor ist. Dieser wird meistens als noch wichtiger beurteilt als die tiefen Steuern.»

Zurzeit wird die Interkantonale Universitätsvereinbarung (IUV) revidiert. Diese regelt, wie viel Geld Universitätskantone für ausserkantonale Studenten erhalten. Durch die Revision ergeben sich für Zug keine grossen Anpassungen, sagt Schleiss. Nichtsdestotrotz sind diese Beiträge für den Kanton «ein grosser Brocken», wie er erklärt. Die Beiträge an die IUV machten in der Rechnung 2018 16,85 Millionen Franken aus. Die Zahlen seien jedoch volatil. «Zuletzt war beispielsweise eine Verlagerung von den Geisteswissenschaften zu den Naturwissenschaften und technischen Ausbildungen spürbar.» Letztere sind für die Kantone teurer, am meisten kostet das Medizin-Studium. Wie die Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen, studierte 2018/2019 der Löwenanteil der insgesamt 1675 Zuger Studierenden an der Universität Zürich (625), gefolgt von der ETH Zürich (376), St. Gallen (195), Luzern (133) und Bern (132).