Die Tradition in der Klosterschreinerei in Engelberg lebt fort

Das Kloster Engelberg feiert dieses Jahr sein 900-Jahr-Jubiläum. Auf eine jahrhundertealte Geschichte blickt auch die Klosterschreinerei zurück. Die Handwerkskünste aus diesem Betrieb sind bis heute gefragt.

Vera Rüttimann
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Beat Barmettler ist der Betriebsleiter der Klosterschreinerei Engelberg. Hier ist er schon seit zehn Jahren tätig.

Beat Barmettler ist der Betriebsleiter der Klosterschreinerei Engelberg. Hier ist er schon seit zehn Jahren tätig.

Bild: Vera Rüttimann

Wer die Klosterschreinerei Engelberg sucht, muss nur dem Duft aus würzigem Sägemehl in der Luft folgen. In der Halle an der Wydenstrasse 8 sieht man den Betriebsleiter Beat Barmettler umherwuseln. Er hat ein Herz für Holz. Er arbeitet seit zehn Jahren in der Klosterschreinerei. Als er sich hier als Schreiner bewarb, da wusste er: Das ist keine Standardschreinerei, sondern hier werden kundenspezifische Detaillösungen vom Feinsten angeboten. Mitten im spärlich vorhandenen Sägemehlstaub entstehen massgeschneiderte Küchen, Schränke, Türen und Möbel aus Massivholz. Und vieles mehr. Hier erhalten Kunden Antwort auf alle Fragen rund um das Holz und seine Bearbeitung.

Das Kloster und die Schreinerei, das ist für Beat Barmettler eine «ganz besondere Konstellation». Der Betriebsleiter setzt mit seinem Team von elf Leuten und jungen Auszubildenden jene Tradition fort, die durch die Mönche des Benediktinerklosters Engelberg über Jahrhunderte aufgebaut worden ist. Schon der heilige Benedikt hat in seinen Regeln die handwerkliche Arbeit in einem Kloster verankert und vorgesehen.

Im Kloster gibt es viel zu tun

Einer der wichtigsten Kunden liegt gleich vor der Tür: das Kloster Engelberg. Immer wieder gibt es dort einen Stuhl, eine Kirchenbank oder ein Tisch, der zur Reparatur in die Klosterschreinerei wandert. Manchmal, erzählt Beat Barmettler, seien es aber auch Grossaufträge von mehreren hunderttausend Franken. Wie etwa, als vor einigen Jahren der Umbau des Internats im Kloster anstand. Der Betrieb lieferte unter andrem die neuen Einbauschränke, Stellwände und Pulte. Auch die Kapelle wurde von der Klosterschreinerei neu ausgestaltet. «Auch die kleinen Holzkreuze, die in den Zimmern hängen, stammen von uns», freut sich Beat Barmettler.

Die Zusammenarbeit mit dem Kloster ist laut Barmettler gut und eng. Einer der Gründe sei die so ganz andere «Firmenkultur», die in einem Kloster gepflegt werde. «Als weltlicher Betrieb wäre ich auf eine Bank angewiesen. Hier haben wir das Kloster als Stütze im Rücken», erklärt Barmettler. Doch genau wie in der Privatwirtschaft achte auch ein Kloster auf Wirtschaftlichkeit und stelle seine Anforderungen.

Auch lukrative externe Aufträge gehen ein

Die letzten Jahre hat diese Schreinerei Engelberg immer mehr auch externe Aufträge von Kirchen und Klöstern angenommen. Die Restaurierung alter und antiker Möbel und Ausbauten – wie sie im Kloster anzutreffen sind – ist ein weiterer Geschäftszweig dieses Betriebs. Die Dienste der Fachleute rund um Beat Barmettler sind gefragt. Für die Umbauarbeiten im «Benediktinischen Zentrum» im Kloster Sarnen konnte der Betrieb für das «Haus Nazareth» und das «Josefshaus» unter anderem Schränke und Bodenbeläge herstellen. Im alten Kloster wurden die alten Böden restauriert und wieder neu eingesetzt. «Das war ein schöner Auftrag», resümiert Beat Barmettler.

Weitere lukrative Aufträge für den Betrieb: Im ehemaligen Kapuzinerkloster in Stans konnte die Schreinerei die alten Fenster restaurieren. Mit einem Restaurator als Stans konnten Schreinerarbeiten am Altar in der Kirche in Schattdorf ausgeführt werden. Für Beat Barmettler sind solche Aufträge bis heute nicht selbstverständlich: «In einem Dorf hat es normalerweise meist eigene Schreiner mit ihrem Fachwissen. Es ist daher schön, wenn die Wahl auf uns fällt.»

Auch in der modernen Kirche im zürcherischen Embrach, die von einem Künstler umgestaltet wurde, habe der Betrieb tätig werden können, freut sich der in Engelberg tätige Barmettler. «Für ihn konnten wir alle Möbel und liturgischen Gegenstände nach seinen Entwürfen herstellen.» Mit dem Altar, den Höckern und den Bänken sowie dem Taufbecken und dem Weihwassergeschirr kam da einiges zusammen.

Lange Zeit des Bestehens macht Eindruck auf ihn

In diesem Jahr hätte die Schreinerei in Engelberg mit einem Stand an einer Gewerbeausstellung teilnehmen sollen. Wegen der Coronapandemie wurde sie, wie viele andere Veranstaltungen während des 900-Jahr-Jubiläums des Klosters auch, abgesagt. Beat Barmettler bedauert dies sehr. «Es wäre für uns und das Kloster sicher eine super Sache gewesen», sagt er.

Der Betriebsleiter ist sich in seinem Arbeitsalltag stets bewusst, an welch geschichtsträchtigem Ort er mit seinem Team arbeitet. Er sagt: «Immer, wenn ich auf einen Auftragsschein schreibe, dass es diese Schreinerei schon seit 1120 gibt, dann macht das schon ziemlich Eindruck.»