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«Baarcity», Seminarhotel und «Freihof»: Die vielen Baustellen des Dieter Zobel

Über die Gründe für die Schliessung des «Baarcity» und des Restaurants im «Freihof» wird seit längerem gerätselt. Auch um das Seminarhotel stehe es nicht zum Besten, heisst es. Nun äussert sich der Eigentümer erstmals – und sagt Überraschendes.
Zoe Gwerder und Rahel Hug

Er ist ein Millionenerbe und hat die Geschäfte vor einigen Jahren von seinem Vater übernommen: Dieter Zobel. Ihm gehören unter anderem das Restaurant Baarcity in Baar, das Restaurant im «Freihof» und das Seminarhotel – beide in Unterägeri. Die Restaurants sind seit Monaten beziehungsweise Jahren geschlossen und beim Seminarhotel liegt offenbar einiges im Argen – insbesondere, seit Dieter Zobel die Verwaltung von seinem Vater Günter übernommen hat.

Das «Baarcity» mitten in Baar

Das Restaurant Baarcity im obersten Stockwerk des Hochhauses am Baarer Bahnhof mit den geschlossenen Rollos. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 19. Februar 2019))

Das Restaurant Baarcity im obersten Stockwerk des Hochhauses am Baarer Bahnhof mit den geschlossenen Rollos. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 19. Februar 2019))

Im 10. Stock des Hochhauses am Baarer Bahnhof dringt kaum Sonnenlicht ins Innere. Die weissen Stoffrollos sind heruntergelassen. In einer Vitrine unten im Eingangsbereich findet man jedoch – als wäre alles beim Alten – Informationen des Restaurants mit den Öffnungszeiten und der Weinkarte. Spätestens im Lift wird dann aber klar, dass das «Baarcity» auch fast ein Jahr nach seiner Schliessung definitiv noch immer zu ist. Denn den 10. Stock erreicht per Lift nur, wer einen entsprechenden Schlüssel hat. Drückt man lediglich auf den Knopf, passiert gar nichts. Konsultiert man die Internetseite, sieht diese zwar noch schön aus, enthält aber ausser Bildern keine Informationen. Das Restaurant ist seit März 2018 geschlossen. Zuerst hiess es, es habe einen Wasserschaden gegeben.

«Wir bedauern sehr, dass das ‹Baarcity› noch immer zu ist», sagt der Baarer Gemeindepräsident, Walter Lipp, auf Anfrage. «Es wäre ein Highlight für unsere Gemeinde.» Leider könne diese aber wenig dazu beitragen, dass sich die Lage ändert – auch wenn man den Dialog sucht. «Ich bin in Kontakt mit Herrn Zobel. Wir haben das Gefühl, dass auch er eine Änderung der aktuellen Lage will.» Der entsprechende Bebauungsplan sieht übrigens ein Restaurant als Nutzung vor. Gemäss der Gemeinde gibt es allerdings keine Leistungsvereinbarung, wonach dieses auch offen sein muss.

Spricht man mit Dieter Zobel persönlich, sieht dies etwas anders aus. Er scheint im Moment nicht wirklich auf der Suche nach einem neuen Geschäftsführer oder Pächter zu sein. «Ich stürze mich nicht in ein neues Abenteuer, wenn das alte noch nicht abgeschlossen ist.» Es laufe noch ein Verfahren gegen den ehemaligen Betreiber des «Baarcity» und weitere Personen. Die Zuger Strafverfolgungsbehörden konnten ein entsprechendes Verfahren weder bestätigen noch ausschliessen.

Ganz schliesst Zobel einen Neuanfang jedoch nicht aus. «Sollte ich ein Konzept sehen, das nicht neben den Schuhen steht und auch nicht abgehoben ist, dann würde ich das näher anschauen.» Zobel will etwas Einfaches – etwas für jedermann. Das Gourmetkonzept, welches noch sein Vater für das «Baarcity» gewählt hatte, bezeichnet er als «Blödsinn». Er wettert: «Da kann man jede Erbse zählen und geht auch nach einem Menü für 200 Franken hungrig nach Hause.» Ein Gourmetkonzept schliesse 80 Prozent der Bevölkerung aus. «Das hat mein Vater gemacht, und ich darf das jetzt ausbaden. Bitte schreiben Sie das!», sagt Zobel enerviert am Telefon. Er habe damals ein Migros- oder Coop-Restaurant im Hochhaus einrichten wollen. Doch der Deal mit der Migros sei nicht zustande gekommen. «Es sollte ein Restaurant sein, in dem auch Mütter mit ihren Kindern sein dürfen, ohne dass komisch geschaut wird.» Doch Zobel gesteht auch ein, dass es unter dem letzten Betreiber, Andrea Rosi, nicht schlecht lief. Schaut man sich die Kommentare auf dem Online-Portal Tripadvisor an, ist zu vermuten, dass es unter Rosi insbesondere in Sachen Gastfreundschaft und Service stetig bergab ging – sieben der zehn Einträge, die in seine Zeit fallen, sind diesbezüglich eindeutig. Rosi hatte das Lokal während rund eineinhalb Jahren geführt. Ein Kontakt zu ihm war im Zuge dieser Recherche nicht herzustellen.

Das Restaurant F im «Freihof»

Restaurant F im Freihof in Unterägeri ist ebenfalls ein Betrieb von Dieter Zobel. (Bild: Christian H. Hildebrand (20. Februar 2019))

Restaurant F im Freihof in Unterägeri ist ebenfalls ein Betrieb von Dieter Zobel. (Bild: Christian H. Hildebrand (20. Februar 2019))

Auch im Unterägerer Restaurant F an der Zugerstrasse 44, das dem Hotel Freihof angegliedert ist, stehen die Gäste vor verschlossenen Türen – und das schon seit Herbst 2016. Wer durch die Fenster schaut, sieht mit Tüchern gedeckte Tische, auf dem Tresen stehen Schalen und eine Menage. Über die Hintergründe des Lichterlöschens war vor zweieinhalb Jahren sowohl von den Wirten wie auch vom Eigentümer nichts zu erfahren. Momentan sei man aber auf der Suche nach neuen Pächtern, liess Günter Zobel verlauten. Passiert ist seitdem: nichts. Das Restaurant an zentraler Lage im Dorf war bei den Gästen beliebt, wie die Bewertungen auf Tripadvisor zeigen. Es sei schade, dass das Restaurant seit so langer Zeit geschlossen bleibe, sagt Barbara Schneider, Präsidentin von Gastro Zug und selber Wirtin im Restaurant Rössli in Oberägeri. «So ein Restaurant ist ein Aushängeschild für jede Gemeinde», sagt sie, und spricht dabei auch das «Baarcity» an. Schneider sitzt zudem im Vorstand von Ägerital-Sattel Tourismus. «Aus touristischer Sicht ist es ebenfalls bedauerlich. Ein Restaurant, das so lange nicht wieder eröffnet, schadet dem Image.» Doch wo liegen die Gründe? Barbara Schneider sagt, sie habe der Verwaltung von Dieter Zobel mehrmals geschrieben und ihre Hilfe angeboten bei der Suche nach neuen Pächtern. «Doch ich habe nie eine Antwort bekommen. Der Besitzer hat, im Gegensatz zu seinem Vater, offenbar schlicht kein Interesse daran, dass das Restaurant überhaupt betrieben wird.»

Dieter Zobel hat zum Restaurant F nicht viel zu sagen. Es sei zu wenig gelaufen. Es habe zu viel Konkurrenz im Dorf. «Und wenn man mit ‹Mischtchratzerli› und ‹Piri Piri› versucht, die Gäste zu halten, ist das Schwachsinn», poltert er. Schon die Renovation, die sein Vater 2010 vorgenommen habe, sei «schade ums Kapital» gewesen.

Das Seminarhotel am Ägerisee

Auch das Seminarhotel in Unterägeri gehört Dieter Zobel. (Bild: Christian H. Hildebrand (20. Februar 2019))

Auch das Seminarhotel in Unterägeri gehört Dieter Zobel. (Bild: Christian H. Hildebrand (20. Februar 2019))

Das Hotel Freihof – das im Gegensatz zum Restaurant geöffnet hat – ist eine Zweigniederlassung der SHA Seminarhotel AG, die auch das Seminarhotel in unmittelbarer Nähe betreibt. Auch diese Liegenschaft gehört Dieter Zobel – und scheint eine «Baustelle» zu sein. Denn wie man im Ägerital hört und ein ehemaliger Mitarbeiter bestätigt, ist die Stimmung im Hotel nicht besonders gut. Der Ex-Angestellte spricht von fehlendem Interesse und mangelnder Anerkennung für die Mitarbeiter. Im Betrieb gebe es keine Struktur, das Management sei überfordert, was unter den Mitarbeitern eine grosse Verunsicherung auslöse und Druck aufbaue. Ein motivierendes Arbeitsumfeld wäre möglich, wenn mehr Geld in das Hotel investiert und man sich nicht mit Übergangslösungen zufriedengeben würde, ist er der Meinung. Diese Kritikpunkte sind auch Barbara Schneider bekannt. «Diese Entwicklung ist sehr frustrierend für ein Hotel an so einem prominenten Ort», sagt sie. «Doch wenn der Besitzer kein Interesse an einer Besserung hat, sind einem die Hände gebunden.»

Der Unterägerer Gemeindepräsident Josef Ribary sagt auf Anfrage: «Der ‹Freihof› und vor allem das Seminarhotel sind wichtig für Unterägeri – dies einerseits wegen des Tourismus, andererseits aber auch wegen der Arbeitsplätze. Aus diesem Grund sind diese beiden Gewerbebetriebe beziehungsweise Unternehmen nicht unbedeutende Standbeine und deshalb nicht wegzudenken aus unserem Tal. Es wäre wünschenswert, wenn insbesondere der ‹Freihof› als Restaurant wieder geöffnet würde.»

Günter Zobel hat das Seminarhotel 2006 von der Allianz Suisse gekauft. Für eine Auskunft verweist sein Sohn an Kay Kaufmann, die laut ihm bereits seit 2016 Direktorin ist. Im Handelsregister ist sie seit 2017 aber nicht mehr eingetragen. Auf die Fragen der «Zuger Zeitung» zur Entwicklung der Gästezahlen, zur Fluktuation und zur geäusserten Kritik hat Kay Kaufmann nicht reagiert.

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