Die Walchwiler Bevölkerung wehrt sich

In Walchwil hat sich eine Interessengemeinschaft gegründet. Ihr Ziel lautet, zwei Busverbindungen sicherzustellen.

Raphael Biermayr
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Walchwiler, die mit dem Bus nach Zug unterwegs sind, sollen künftig in Oberwil auf die Stadtbahn umsteigen.

Walchwiler, die mit dem Bus nach Zug unterwegs sind, sollen künftig in Oberwil auf die Stadtbahn umsteigen.

Bild: Stefan Kaiser (18. Februar 2020)

«Ganz Walchwil», sagt Josef Traxler darauf angesprochen, wer sich im Dorf für die Beibehaltung der Buslinien in die Stadt Zug und nach Arth interessiert. Das ist sicherlich etwas übertrieben. Aber zumindest bei den Senioren – Traxler und seine Frau präsidieren das «Frohe Alter» – sei dies das Topthema. Kürzlich hat sich eine Interessensgemeinschaft (IG) formiert, die um die erwähnten Buskurse kämpft. Jene sollen mit dem Fahrplanwechsel im kommenden Dezember nämlich abgeschafft werden: Wer mit dem Bus nach Zug will, fährt nur bis Oberwil, wo er auf die Stadtbahn umsteigen muss. Wer in die Schwyzer Nachbargemeinde will, muss sich selber helfen. «Gerade für die Erreichbarkeit von Ärzten in der Stadt Zug ist die Buslinie mit ihren vielen Haltestellen wichtig. Und in Arth gehen viele Walchwiler gern einkaufen», zeigt Josef Traxler auf.

Die IG kann mit Unterstützung vom Gemeinderat rechnen. Kürzlich zeigten die zuständige Gemeinderätin Eveline Bräm (FDP) und der Gemeindepräsident Stefan Hermann (CVP) den Mitgliedern den Stand der Dinge auf. Bräm wird sich am Freitag, 21. Februar, mit dem Regierungsrat Florian Weber (FDP), der ebenfalls in Walchwil wohnt, zu einem Austausch treffen. «Das Anliegen der Bevölkerung von Walchwil ist klar: Sie möchte sowohl die Buslinien nach Arth als auch in die Stadt Zug beibehalten. Dafür wird sich der Gemeinderat einsetzen.» Eveline Bräm zufolge sollte dies auch im Interesse der Stadt liegen, denn: «Dort ist ohne die Busverbindung in der Hauptverkehrszeit mit mehr Stau zu rechnen.»

Auch die Stadt Zug ist an einer Busverbindung interessiert

Der zuständige Zuger Stadtrat Urs Raschle hat ein offenes Ohr in dieser Angelegenheit. Bei der Gesprächsrunde vom Freitag, 21. Februar, mit dem Regierungsrat Florian Weber wird er ebenfalls zugegen sein. Der CVP-Politiker wird darlegen, dass auch von seiner Seite der Wunsch nach einer durchgehenden Busverbindung nach Walchwil bestehen würde. «Wir haben eine Verantwortung gegenüber den Bewohnern der Quartiere südlich von Oberwil, dass diese auch zufriedenstellend an den öffentlichen Verkehr angeschlossen sind», sagt er. Von der Nachbarschaftsorganisation Gimenen-Oberwil habe er ein Schreiben mit der Forderung erhalten, sich gegen einen Abbau des Angebots einzusetzen. Raschle will sich für eine Buslinie starkmachen, die im Halbstundentakt vom Zuger Bahnhof bis zum Bahnhof Walchwil fährt.

Politischer Druck besteht auch im Kantonsrat. Peter Rust (CVP) hat im Dezember ein Postulat eingereicht, in dem er den Regierungsrat dazu aufruft, sich bei den Schwyzer Kollegen für die Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen Arth und Walchwil einzusetzen. Und die Linie vom Bahnhof Walchwil zum Bahnhof Zug zu erhalten. Er ist sich bewusst, dass ein Postulat verhältnismässig harmlos ist, zumal die Regierung ein Jahr hat, sich damit auseinanderzusetzen. «Das Hauptziel war, Bewegung in die Sache zu bringen und die Bevölkerung auf den Missstand aufmerksam zu machen. Das ist gelungen», ist Rust überzeugt. Vor allem der geplante Umstieg vom Bus auf die Stadtbahn in Oberwil sei vielen nicht bewusst gewesen. Der Unmut in der Bevölkerung überrascht ihn folglich nicht, das Ausmass hingegen schon. «Nicht nur am See wohnhafte Personen ärgern sich darüber, sondern auch solche vom Berg.» Dieser Ärger betreffe nicht zuletzt das grössere Bild: «Walchwil hat den Doppelspurausbau der SBB immer unterstützt und war bereit, diese emotionale Last auf sich zu nehmen. Dass wir danach eine schlechtere ÖV-Situation haben sollen, finde ich unfair.» Peter Rust hofft, dass der Kanton Schwyz in dieser Angelegenheit Hand bieten wird. Dies auch wegen eines kürzlichen Vorstosses zweier Parlamentarier im Nachbarkanton. Allerdings hat er festgestellt: «Die Schwyzer Regierung ist momentan nicht sehr kooperativ. Wenn es eine Lösung geben würde, müsste diese deshalb wohl zum Grossteil vom Kanton Zug finanziert werden.» Rust kämpft für eine durchgehende Buslinie von Zug über Walchwil nach Goldau.

Eine solche bringt auch die zuständige Arther Gemeinderätin Heimgard Vollenweider ins Spiel. Zu Wochenbeginn habe der Schwyzer Regierungsrat Othmar Reichmuth sie und ihre Ratskollegen über den aktuellen Stand informiert. Dabei sei klargeworden, dass die Anliegen der Nachbargemeinde Walchwil nicht berücksichtigt würden – und die Arther Bevölkerung ab dem Gebiet St.Adrian vom öffentlichen Verkehr abgeschnitten sein wird. Sie habe zu diesem Thema zahlreiche Reaktionen aus der Bevölkerung erhalten.

Vollenweider zeigt auf: Vom neuen Talkessel-Konzept, bei dem der Bahnhof Arth-Goldau aufgewertet wird und die Arther von einer deutlich besseren Anbindung ans Schwyzer Bussystem profitieren, könne die Gemeinde eine Menge profitieren. Die Gemeinderätin erwähnt auch die Kehrseite: «Es gibt bei solchen grossen Veränderungen allerdings immer Verlierer.»