Kolumne
«Standpunkt»: Die Weichen für die Zukunft stellen

Michèle Willimann zum künftigen Wachstum der Stadt Zug.

Michèle Willimann, Gemeinderätin ALG
Michèle Willimann, Gemeinderätin ALG
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Im Jahr 2013 stimmte die Zuger Bevölkerung mit einem Anteil von über 70 Prozent dem revidierten Raumplanungsgesetz zu. In der Folge überarbeitete der Kanton die rechtlichen Grundlagen. Nun ist es an den Gemeinden, die strategischen Grundlagen zu schaffen und im Anschluss ihre Nutzungsplanung zu überarbeiten und den neuen Anforderungen anzupassen. Die Stadt Zug befindet sich zurzeit in der Erarbeitung der strategischen Grundlagen für die Mobilität und Freiräume. Die Bevölkerung darf sich dabei über die Mitwirkungsplattform aktiv miteinbringen.

Die Stadt Zug plant bis ins Jahr 2040 um rund 15000 Einwohnende (Stand heute ca. 31000) und um knapp 10000 Beschäftigte (Stand heute ca. 41000) zu wachsen. Ich wage zu bezweifeln, dass die heutige Stadtzuger Bevölkerung in knapp 20 Jahren tatsächlich um fast die Hälfte bei der Bevölkerungszahl und um zusätzliche zehntausend Arbeitsplätze wachsen will. Dieses grosse Wachstum ist ein starker Kontrast zum angestrebten «massvollen, kontinuierlichen Wachstum» aus dem Entwicklungskonzept von 2006. Der Druck auf die Stadt Zug ist heute, auch dank der jahrzehntelangen Tiefsteuerstrategie, sicherlich sehr hoch. Es darf aber kein Wachstum um jeden Preis geben.

Das Wachstum basiert praktisch ausschliesslich auf spezifischen Projekten und innerhalb der bestehenden Bauzonen. Die Vorteile der Innenentwicklung sind gross und ich bin sehr froh, dass Einzonungen gar nicht erst zur Debatte stehen. Es ist zudem auch klar, dass die Stadt Zug wachsen und sich weiterentwickeln wird, doch ein Wachstum dieser Grössenordnung zieht auch riesige Konsequenzen mit sich und stellt die Stadt vor grosse Herausforderungen. Mit jedem Wachstum muss unter anderem auch die Infrastruktur mithalten können. Um das geplante Wachstum aufnehmen zu können, muss es in der Verkehrspolitik endlich vorwärts gehen. Ohne gezielte Verkehrsführungen und einer konsequenten Förderung des platzsparenden und ökologischen Velo-, Fuss- und öffentlichen Verkehrs kann dieses Wachstum nicht gestemmt werden.

Mit der angestrebten Verdichtung wächst zudem auch der Druck auf die Freiflächen. Bei den laufenden Planungen müssen daher höchste Anforderungen an die Qualität gestellt werden. Die Entscheide, die wir heute treffen, haben langfristige Auswirkungen. Bauten, die sich gut in das Orts- und Landschaftsbild eingliedern sowie attraktive und hochwertige Freiräume sind massgebend für eine lebenswerte Stadt und tragen zu einem angenehmen Stadtklima bei.

In vielen Gemeinden und Städten werden Arbeitsplätze durch lukrativere Wohnungen verdrängt. Im Steuerparadies Zug herrscht eine andere Welt. Wir haben deutlich mehr Arbeitsplätze als Einwohnende und daher ein Missverhältnis. Dies löst grosse Pendelströme aus und erhöht den Druck auf die Wohnungen zusätzlich. Die dringend benötigte Erhöhung des Anteils an preisgünstigen Wohnungen wird mit dem angestrebten Wachstum eine zusätzliche Herausforderung. Wenn wir wollen, dass sich Menschen mit allen Portemonnaies in Zug eine Wohnung leisten können, unter anderem auch Personen, die hier aufgewachsen und verwurzelt sind, dann muss einiges geschehen!

Die Stadt Zug befindet sich zurzeit in einer äusserst spannenden Phase. Zug wird wachsen und das ist auch gut so. Entscheidend ist aber, wie und wie stark die Stadt wächst. Es ist daher zentral, dass die Weichen heute für die Zukunft richtig gestellt werden. Setzen wir uns gemeinsam und aktiv für eine attraktive und lebenswerte Stadt Zug ein.

Hinweis: In der Kolumne «Standpunkt» äussern sich Mitglieder des Grossen Gemeinderats Zug zu frei gewählten Themen. Ihre Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.