Die Zuger Künstlerin Esther Löffel malt sich ihr Universum selber

Die Galerie Renggli eröffnete die «Nach-Corona-Saison» mit der Ausstellung «Forms of Existence» der Zuger Künstlerin Esther Löffel.

Monika Wegmann
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Es sind nicht allein die Farben, welche bei Esther Löffels abstrakten Malereien faszinieren und zugleich verwirren, es ist ihre Pinselschrift. Dass es viele kleine und kleinste Striche sind und eine immense Arbeit dahintersteckt, wird jedem klar, der näher hinschaut. Esther Löffel, der die Galerie Renggli in Zug eine Einzelausstellung widmet, schmunzelt und sagt: «Ja, das werde ich oft gefragt. Die kleinen Pinselstriche sind meine Handschrift. Ich könnte sie auch nicht zählen. Doch auch mit kleinen Elementen kann man soviel bewirken.»

Esther Loeffel zeigt ihre Werke in der Gallerie Renggli in Zug.

Esther Loeffel zeigt ihre Werke in der Gallerie Renggli in Zug.

Bild: Matthias Jurt (10. Juni 2020)

Wie diese flimmernde Leuchtkraft des Bildes «Indian Summer» im Parterre. Wie die meisten anderen ist es aus unzähligen farbigen Acrylschichten entstanden. Genauso wie die vermeintlich unifarbenen Werke rund herum. «Alle meine Bilder beginne ich auf einer rohen Leinwand. Irgendwo fange ich spontan mit einem feinen Pinsel und den ersten Strichen an. Es ist jedoch kein statisches Malen, immer wieder gehe ich zurück und betrachte das Entstandene, wie es wirkt», erklärt Esther Löffel. Dieser Arbeitsprozess nehme manchmal mehrere Monate in Anspruch, weil sie bewusst Pausen einlege, um Distanz zu gewinnen. «Entweder arbeite ich dann an diesem Werk weiter oder überarbeite es. So wächst das Bild sukzessive, und das Liniengewebe wird dichter.»

Überraschende Effekte

«Diese spezielle Maltechnik habe ich im Zuger Atelier in Berlin entwickelt, zuerst mit Weisstönen.» Inzwischen sind Farben für Esther Löffel sehr wichtig geworden, mit denen sie auf den Bildern Gewebestrukturen oder sogar eine geheimnisvolle Atmosphäre erzeugt. Es reizt sie, die Möglichkeiten der Strichtechnik auszuloten, wie im Obergeschoss bei der Komposition «Flaming Orange» zu sehen ist, wo das dominante gelborange Zentrum seitwärts von violett-blauen sowie blau-grünen Tönen eingegrenzt wird. Bei dem faszinierenden Bild «Permeable Bounderies» werden mäandernde Grenzen durchlässig. Einen überraschenden Effekt löst auch «Centered Universe» aus, wo die Künstlerin dynamische Grundelemente kombiniert und lachend sagt: «Ich kann damit sogar einen Kreis bauen.» Sie habe sich einige Zeit mit Quantenphysik beschäftigt, daraus sei dieser Kosmos entstanden.

Die Ausstellungseröffnung am vergangenen Mittwoch musste coronabedingt in kleinem Rahmen durchgeführt werden. Neben der Präsentation des neuen Buches zum Werk von Esther Löffel fand ein von der Kunstwissenschaftlerin Sybille Omlin geführtes Gespräch mit der Zuger Künstlerin statt.

Esther Löffel wurde in Bern geboren, sie wohnt seit 1985 in Baar und hat ihr Atelier in Zug. Im Jahre 2000 war sie Stipendiatin im Atelier des Kantons Zug in Berlin. Sie hatte diverse Ausstellungen und konnte im Bereich Kunst am Bau den Raum der Stille in der Klinik Adelheid Unterägeri sowie die Deckenmalerei in der Musikschule Dorfmatt in Baar gestalten. 2015 wurde sie nach Venedig an die «Imago Mundi Helvetia» eingeladen.

Die Ausstellung Esther Löffel «Forms of Existence» läuft bis 11. Juli in der Galerie Renggli, Ober-Altstadt 8, Zug.