Die Zuger Sperrstunde hat einen schweren Stand

Eine Umfrage unserer Zeitung bei Zuger Gastrobetrieben zeigt: Mit flexiblen Öffnungszeiten nach Mitternacht wäre vielen gedient.

Laura Sibold
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Im Nachtclub Lounge & Gallery in Zug kann dank einer Bewilligung am Wochenende bis 5 Uhr morgens getanzt werden.

Im Nachtclub Lounge & Gallery in Zug kann dank einer Bewilligung am Wochenende bis 5 Uhr morgens getanzt werden.

Bild: PD

Drei CVP-Kantonsräte haben kürzlich eine Motion «betreffend Abschaffung der Sperrstunde im Gastgewerbe» eingereicht. Mit dem Vorstoss wollen Fabio Iten (Unterägeri), Laura Dittli (Oberägeri) und Anna Bieri (Hünenberg) erreichen, dass Gastronomiebetriebe ihre Öffnungszeiten die ganze Nacht hindurch selber bestimmen können. Denn heute ist gemäss kantonalem Gastgewerbegesetz ab 24 Uhr Polizei-, respektive Sperrstunde: Wer länger offen haben will, muss beim zuständigen Gemeinderat eine Bewilligung einholen.

Doch wie kommt die Idee von flexiblen Öffnungszeiten während der ganzen Nacht bei den Wirten an? Eine Umfrage unserer Zeitung bei zehn Gastronomiebetrieben im Kanton Zug zeigt ein klares Bild: An der Sperrstunde scheint heute fast niemand mehr zu hängen – und kaum einer würde ihr nachtrauern, sollte sie wirklich fallen.

Länger offen haben: Lohnt sich das in Zug?

Mehr Flexibilität bei den Öffnungszeiten wünschen sich viele Gastronomen, auch weil in den Gemeinden unterschiedliche Regeln gelten.

Ausnahmen von 2 bis 5 Uhr möglich

(ls) Wie lange Gastrobetriebe nachts geöffnet haben dürfen, bestimmen die Gemeinden, indem sie dauerhafte und vorübergehende Bewilligungen erteilen. Hier zeigen sich grosse Unterschiede: Während Lokale in Zug bis 5 Uhr morgens eine Bewilligung beantragen können, sind temporäre Verlängerungen in Baar bis 4 Uhr, in Cham und Unterägeri bis 2 Uhr möglich. Allerdings spricht die Gemeinde Cham für gewisse Traditionsanlässe längere Bewilligungen – und Anlässe in der Ägerihalle Unterägeri können bis 3 Uhr bewilligt werden.
Auch die Kosten variieren: In Zug beträgt die Verlängerungsgebühr für einen Abend 60 Franken, in Unterägeri 55, in Baar und Cham 50 Franken. Gewisse Gemeinden haben Vorschriften, wie oft im Jahr Betriebe die Öffnungszeiten an einzelnen Abenden verlängern dürfen. Für dauerhafte Verlängerungen zahlen Betriebe je nach Gemeinde zwischen 100 und 500 Franken.

Alle vier Gemeinden geben an, dass die Anzahl Gesuche um eine Verlängerung der Öffnungszeiten in den letzten Jahren konstant geblieben ist. Die Stadt Zug erhielt 2019 72 Gesuche für die Verlängerung einzelner Abende, die sie alle bewilligte. 64 Zuger Betriebe haben eine dauerhafte Bewilligung. In Baar gingen 2019 27 Gesuche ein, die bewilligt wurden – 17 Baarer Betriebe haben generell längere Öffnungszeiten. In Cham und Unterägeri werden jährlich nur eine Handvoll temporäre Gesuche bewilligt, in Cham haben drei Betriebe eine dauerhafte Verlängerung, in Unterägeri fünf.

Zudem kommen die Besucher heute später und bleiben länger. «Das Ausgehverhalten unserer Gäste hat sich stark verändert», sagt Barbara Glanzmann, Miteigentümerin der Zuger Chicago-Bar. Ähnliches erzählt Helena Todorovic, die seit 1991 die Panorama-Schiffbar führt und zudem Pächterin des Topas Clubs ist: Die Auflagen und Kontrollen in Zuger Nachtleben hätten in den letzten 20 Jahren zwar stark abgenommen. «Nicht an fixe Schliesszeiten gebunden zu sein, hätte aber den Vorteil, dass wir spontan länger offen haben können, wenn noch genügend Gäste anwesend sind.» Ohne Bewilligung das Lokal flexibel länger öffnen, was Kosten und administrativen Aufwand spart: Das findet man auch in der Galvanik Zug und im Gotthärdli am See eine gute Idee. Er führe das einzige Zuger Lokal, das jeden Tag bis 4 Uhr morgens offen habe, betont Gotthärdli-Geschäftsführer Vicente Garcia. Für die Dauerbewilligung habe er einst zwei Jahre lang gekämpft und viel Geld investiert. «Längere Öffnungszeiten ohne Beschränkungen sind zwar gut – ich bezweifle aber, dass sich das für alle Betriebe lohnt.»

Mit Widerstand von den Nachbarn ist zu rechnen

Garcias Eindruck bestätigt ein Blick über die Stadt hinaus. Als Zwei-Mann-Betrieb reiche es, bis um 2 Uhr offen zu haben, heisst es beim «Cheers» in Baar. Länger würden wenige und betrunkenere Gäste bleiben. Dennoch wünschen sich auch das «Cheers» in Baar und das «Passebartout» in Unterägeri mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Philipp Waldis, Inhaber des Nachtclubs Lounge & Gallery, befürwortet die Abschaffung der Sperrstunde bedingt.

«Wer länger offen hat, hat eine Verantwortung gegenüber der Nachbarschaft und muss den Nachweis für Sicherheit und Ruhe erbringen können.»

Nur mit «proaktiven Sicherheitsdienstleistungen» könne Wildwuchs vermieden werden, der sonst den Ruf des Nachtlebens verschlechtern würde. «Längere Öffnungszeiten bedeuten nicht per se mehr Umsatz, sondern auch mehr Verantwortung und Kosten.» Diesen Aspekt führt man auch in der 4i-Bar in Cham ins Feld. Gerade bei Mietern, die in unmittelbarer Nähe zu einer Bar wohnten, könne die Forderung nach der Abschaffung der Sperrstunde auf Widerstand stossen. Längere und flexiblere Öffnungszeiten ohne nötige Bewilligung wünscht man sich aber auch in der 4i-Bar. Derweil betont man beim «Dukes» in Sihlbrugg, das auf Zürcher Boden steht: Man profitiere stark davon, dass Zürich keine Polizeistunde mehr kennt und man flexibel länger offen haben könne.