Die Zukunftsvisionen für das Ägerital

Die Ortsplanungsrevision in Unter- und Oberägeri wird derzeit angegangen. Dabei sollen Gemeinsamkeiten gefördert und die Jungen im Tal gehalten werden. 

Carmen Rogenmoser
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Das «Städtchen am See» als Vision für die Zukunft des Ägeritals. Bild: Stefan Kaiser, Oberägeri, 24. April 2019

Das «Städtchen am See» als Vision für die Zukunft des Ägeritals. Bild: Stefan Kaiser, Oberägeri, 24. April 2019

«Das Städtchen am See», das ist die Vision für das Ägerital, zumindest wenn es nach dem kantonalen Richtplan geht. Die beiden Gemeinden befinden sich momentan in den Vorbereitungsarbeiten der Ortsplanungsrevision und haben sich dieser Vision gemeinsam angenommen. «Die Frage ist, wo entwickeln sich die Gemeinden, wo nicht?», erklärt Fachmann Marcel Muri von der Firma Keeas Raumkonzepte. Er unterstützt die Arbeitsgruppe, bestehend aus Gemeinderäten und Mitarbeitern der Bauabteilungen der Gemeinden Oberägeri und Unterägeri.

Seit rund einem Jahr beschäftigt sich diese mit dem Strategiepapier «räumliches Bild Ägeri». Dieses wurde dem Kanton nun zur Vernehmlassung überwiesen. Die Überschrift «Das Städtchen am See» habe in der Arbeitsgruppe für Diskussionen gesorgt. «Die beiden Gemeinden definieren sich nicht als Stadt.» Die Zuschrift impliziere aber auch das Gemeinsame. «Ein Impuls, der für beide Seiten gut war.» Die beiden Gemeinden hätten sich während des Ausarbeitungsprozesses immer auf ihre Gemeinsamkeiten besinnt. Die Ortsplanung legt fest, wie sich eine Gemeinde entwickeln soll. Es geht dabei um die Zukunft der Natur-, Landwirtschafts-, Siedlungs-, Wirtschafts- und Erholungsraums. Grundlage ist der kantonale Richtplan. Darin werden die beiden Gemeinschaften als Zwischenlandschaften (hier finden zehn Prozent des Wachstums statt) definiert. Daneben gibt es die Kategorien der Stadtlandschaft (85 Prozent des Wachstums), der Kulturlandschaft (5 Prozent des Wachstums) und der Naturlandschaft (ohne Wachstum).

Vom Dorfleben, Seekindern und Küstenfahrt

Ziel der Ortsplanungsrevision sei die Innenentwicklung der Gemeinden, sagt Muri. «Das Siedlungsgebiet soll künftig nicht weiter in die Landschaft wachsen, sondern nach innen.» Schlagwort ist hier die Verdichtung. «Doch es geht nicht nur um das Wachstum, sondern etwa auch um die Wohnqualität.» Fünf thematische Schwerpunkte wurden definiert: das Dorfleben, die Seepromenade, das Projekt Seekinder, Märkte am See und die Küstenfahrt. In Bezug auf das Dorfleben werde auch in klassischen Dörfern der Community-Gedanke wichtig, so Muri «Ober- und Unterägeri sind keine kleinen Gemeinden mehr, man orientiert sich eher an Dorfteilen, statt der ganzen Gemeinschaft», führt er aus.

Konkrete Schritte könnten bezüglich Seepromenade und Seekinder bald präsentiert werden, so Muri. So soll die «unwirkliche» Landschaft entlang des Sees zwischen den Gemeinden erlebbar gemacht werden. Beim Thema «Seekinder» geht es um die Abwanderung der jungen Bevölkerung. «Eine Analyse zeigte, dass das Ägerital übermässig viele junge Paare verliert», so Muri. Wohnen im Ägerital sei teuer, vergleichbar mit der Stadt Zürich. «Das ist eine Gefahr für das Ägerital.» Auf die Landpreise könne man keinen Einfluss nehmen, deshalb versuche man, bezahlbaren Wohnraum für Junge und Familien zu schaffen. Siedlungsgebiete sollen an geeigneten Orten dichter genutzt werden. Interessant ist zudem der Ansatz der Küstenfahrt. Mit der Tangente Baar/Zug werde die Verbindung besser und schneller, auch für den öffentlichen Verkehr, so Muri. «Je schneller und besser der Bus funktioniert, desto attraktiver für die Arbeitswelt.» Zwischen Oberägeri und Unterägeri gebe es bezüglich der Busnutzung ein Ungleichgewicht: In Unterägeri benutzten 30 Prozent den Bus, in Oberägeri lediglich 16 Prozent. «Der Bus bedient in Oberägeri eigentlich nur das halbe Dorf», erklärt der Fachmann. Die Vision sei es, den Bogen von Zug über Ägeri bis nach Arth Goldau zu spannen. Noch gebe es diesbezüglich keinen Durchbruch. «Wir sind uns bewusst, dass wir eine hohe Flugebene haben», sagt Marcel Muri. Eine solche Entwicklung brauche Zeit – und eben auch Visionen.

Zu gegebener Zeit soll die Bevölkerung detailliert informiert werden. Anschliessend wird die Revision in beiden Gemeinden fortgeführt, inklusive Mitwirkungsprozesse. In Oberägeri kann man sich dafür bereits anmelden. Entsprechende Informationen gibt es unter: www.oberaegeri.ch.