Die Zugerland Verkehrsbetriebe setzen voll auf den Elektrobus

Seit Anfang November nutzen die Zugerland Verkehrsbetriebe einen Elektrobus im Liniendienst. Mit Erfolg.

Marco Morosoli
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Bis 2035 soll der ZVB-Linienbetrieb CO2-neutral sein.

Bis 2035 soll der ZVB-Linienbetrieb CO2-neutral sein.

Bild: PD

Mangelnde Gestaltungskraft ist den Zugerland Verkehrsbetrieben (ZVB) nicht vorzuwerfen. Etwas mehr als zwei Monate nach der Präsentation des ersten Elektrobusses zündet das Zuger Transportunternehmen schon die nächste Stufe. Der beschaffte und bereits im Liniendienst eingesetzte E-Citaro von Mercedes bleibt in der ZVB-Flotte, was den Antrieb betrifft, kein Solitär. Der ZVB-Unternehmensleiter Cyrill Weber gibt die Richtung vor: «Zurzeit prüfen wir verschiedene Buslinien dahingehend, ob sie mit Elektrobussen betrieben werden können.»

Mag die zu fahrende Strecke noch Gegenstand von Abklärungen sein, ist das zu erreichende Ziel pfeilgerade formuliert, denn Cyrill Weber sagt: «Mit der Umstellung einer ganzen Linie können wir einen weiteren Schritt in Richtung CO2-neutralen Linienbetrieb in Zug gehen und so weiter lernen.»

Je nach der Linienwahl müssen die ZVB zwischen drei bis fünf Elektrobusse zukaufen, erklärt Weber. Er erinnert auch daran, dass die ZVB wegen des kantonalen Submissionsgesetzes verpflichtet sei, für den Zukauf von Elektrobussen eine ordentliche Ausschreibung durchzuführen. Er erklärt den Ablauf so: «Es steht allen Lieferanten frei, an der Ausschreibung teilzunehmen, sofern die geforderten Kriterien erfüllt werden.» Der Zuschlag gehe, so der ZVB-Unternehmensleiter, an den Anbieter «mit dem wirtschaftlich günstigsten Angebot». Dazu sei eine Erfüllung der verlangten Kriterien zwingend erforderlich.

Mehr Ladestationen werden notwendig

Es kann also sein, dass beim Elektro-Bus-Los 2 nicht Mercedes, sondern einer seiner Mitbewerber siegreich aus dem Verfahren herauskommt. Darin sieht Weber keinen Nachteil. Es sei heute schon so, dass die aktuell zur Fahrzeugflotte der ZVB gehörenden Busse von verschiedenen Firmen stammen.

Die Zukäufe von Elektrobussen in Lose aufzuteilen macht für Weber noch aus einem anderen Grund Sinn: «Die Hersteller von E-Bussen entwickeln die Technologie weiter. Wir wollen von den technologischen Entwicklungen profitieren.» Mehr noch, wie Weber bemerkt: «Wir lernen mit dem ersten E-Bus laufend dazu. Angesichts dieser Dynamik ist es angezeigt, sich alle Optionen offenzuhalten.» Der Kauf eines solchen Elektro-Busses muss auch gut überlegt sein. So, wie er bereits auf Zuger Strassen unterwegs ist, kostet er rund 700000 Franken.

Bei der geplanten Ausschreibung muss aber nicht alleine auf den Preis abgestellt werden. Vielmehr stellt sich schnell einmal die Frage, wie lange ein solcher Elektrobus einsetzbar ist. Die ZVB, so Weber, rechne bei herkömmlichen Bussen mit einer Lebensdauer von rund 14 Jahren. Ein Wert, welcher auch bei Elektrobussen zur Anwendung komme. Ein Kaufkriterium für die ZVB sei zudem, dass der «Lieferant aufgefordert wird, aufzuzeigen, wie die Elektrobusse zukünftig hinsichtlich der Batteriekapazität aufgerüstet werden können».

Der ZVB-Unternehmensleiter macht in dieser Angelegenheit darauf aufmerksam, dass der Hersteller des bereits im Einsatz stehenden Elektrobusses eine «Nachrüstmöglichkeit versprochen» hat. Das hat den simplen Grund, dass davon ausgegangen werden kann, dass eine Elektrobatterie eine Lebenszeit von rund sieben Jahren hat. Ein Dieselmotor hingegen kann rund 14 Jahre genutzt werden, bevor er ein Fall für den Schrotthändler wird.

Derzeit stehen die Zugerland Verkehrsbetriebe vor einer grossen Umwälzung. Auf dem heutigen Areal soll im nächsten Jahrzehnt ein neuer Hauptstützpunkt hochgezogen werden. Eine erste Hürde hat die Vorlage Anfang 2019 im Kantonsrat genommen. Der Standort ist im Richtplan festgesetzt worden.

Das Aufladen führt zu neuen Abläufen

Der sukzessive Aufbau einer Elektrobus-Flotte bringt es mit sich, dass die ZVB künftig zweigleisig fahren müssen. Cyrill Weber hat genaue Vorstellungen, was vorgehalten werden muss: «Um Elektrobusse zu betanken braucht es Ladestationen.» Da zum Laden des Elektrobusses mehr Zeit einzuplanen ist als beim herkömmlichen Pendant an der Dieselzapfsäule. «Das bringt mit sich, dass wir die betrieblichen Abläufe den neuen Gegebenheiten anpassen müssen», sagt der ZVB-Unternehmensleiter. Auch in dieser Hinsicht ist angezeigt, Schritt für Schritt vorwärts zu gehen. Das gilt auch für die Finanzierung der neuen Elektrobusse. Wie sie am besten zu stemmen ist, klären die ZVB erst im Laufe des Submissionsverfahrfahrens.

In Bezug auf die Umsetzung der Idee Elektrobusregime haben die ZVB den Horizont bewusst geweitet. Im Jahre 2021 soll eine Buslinie ganz auf elektrische Traktion umgestellt sein. Die lange Dauer der Umsetzung erklärt sich dadurch, dass Elektrobusse nicht von der Stange zu haben sind. Der gegenwärtig auf der ZVB-Linie 13 eingesetzte E-Citaro von Mercedes steht zum Beispiel fünf Wochen auf dem Fabrikationsband. Insgesamt sind in diesem Gefährt rund 30000 Bauteile eingesetzt. Bei der Präsentation des neuen E-Citaro-Busses Mitte September hat der ZVB-Unternehmensleiter von einer Lieferfrist von rund einem Jahr gesprochen.

In einer anderen Mobilitätsart stehen die ZVB auch vor einer wegweisenden Phase. Sie haben mit dem führerlos fahrenden Bus «My Shuttle» weitere Tests absolviert.

Zum Stand der Dinge in diesem Experiment sagt Cyrill Weber: «Wir haben ausgelotet, inwieweit autonome Fahrzeuge in den öffentlichen Verkehr integrierbar sind.» Auch eine umfassende Kundenbefragung gehört zu diesem Testlauf. Bei diesem Projekt stehen die ZVB sonder Endphase. Am Ende dieses Jahres schliesst das Transportunternehmen die letzten Testreihen ab. Dann geht es an die Auswertung der Resultate.

Ein Ziel in der E-Zukunft der ZVB ist nun definiert. In groben Zügen ist festgelegt, wie es weiter geht. Das grosse Ziel: Bis ins Jahr 2035 soll der CO2-neutrale Linienbetrieb Tatsache sein. Der ZVB-Unternehmensleiter Cyrill Weber sagt: «Dieses Ziel ist in Etappen anzustreben.» Die Leitlinien sind definiert. Die ZVB könnten mit ihrem Vorhaben sicher eine Pionierrolle im öffentlichen Verkehr in der Schweiz einnehmen.