Leserbrief
Diese Begründung ist unsinnig

«Vom EWR-Nein bis zur Ablehnung des Rahmenabkommens», Leserbrief in der «Zuger Zeitung» vom 20. Oktober

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Hanswalter Schnyder macht es sich in seinem Leserbrief etwas zu einfach, wenn er glaubt, dass die Ablehnung des EWR-Vertrages wie auch des Rahmenabkommens die Schweiz ins Unglück stürzen würde. Der Untergang der Swissair war zurückzuführen auf eine verfehlte Strategie (Hunter), welche diverse problematische Fluggesellschaften in der EU zusammenkaufte, um damit Landeplätze zu erhalten. Leider waren die Verträge jener Unternehmensführung derart grottenschlecht – kein Dritt-Jahr-KV-Lehrling hätte sie unterschrieben –, dass sie damit das Todesurteil besiegelten. Das Problem war, dass die Swissair für unlimitierte Verluste der gekauften Gesellschaften geradestehen musste, aber keine operative Führungsgewalt hatte. So ausblutete und in den Bankrott schlitterte. Jedoch nicht wegen des EWR. Es war eine unternehmerische Fehlleistung mit einer falsch gewählten Strategie und zudem miserabel umgesetzt.

Die Schweizer Volkswirtschaft hat seit dem EWR bedeutend besser abgeschnitten als alle anderen in der EU und den Schweizern erging es im Durchschnitt sehr viel besser als den Bürgern in allen EU-Ländern – bis zum heutigen Tag. Und zum Thema Strom liegt er zwar mit der Schlussfolgerung, dass die Schweiz auf einen Blackout zusteuere, richtig, aber nicht aus den genannten Gründen. Es war die von den Massenmedien hochgejubelte «Doris National», die aus dem hohlen Bauch wie ihr offensichtliches Vorbild Angela Merkel beim nördlichen Nachbarn, einfach über Nacht den Ausstieg aus der Kernenergie (übrigens CO2-frei) beschlossen hatte. Wer, wie das seit Jahren üblich ist, die fossilen Brennstoffe nur verteufelt, ohne Alternativen bereitzuhalten, muss sich nicht wundern, wenn die betreffende Branche nicht mehr investiert und sich jetzt eine Verknappung aufbaut. Es ist eine Torheit, wenn Ideologie anstatt Vernunft als Kompass dient. Nun steht die ganze Welt vor Energieknappheiten. Und höhere Energiepreise schlagen sich in allen Gütern und Dienstleistungen in höheren Preisen nieder.

Wer glaubt, dass wir mit ein paar Sonnenkollektoren und ein paar Windrädern (mir tut die schöne Schweizer Landschaft jetzt schon weh!) diese sich zunehmend aufbauenden Stromlücken schliessen können, träumt. Der Chef des deutschen Chemiekonzerns BASF sagt, dass ein Umstieg von BASF von fossiler Energie auf Strom so viel zusätzlichen Strom bedarf, wie ganz Deutschland heute verbraucht. Die ideologischen Träumer werden sehr unsanft aus dieser schöngeistigen Welt erwachen, nämlich zeitweise ohne Strom (Blackouts). Wenn wir nicht so schnell wie möglich Kernkraftwerke in Angriff nehmen, dann wird die Schweiz in einigen Jahren im Dunkeln sitzen – zusammen mit Deutschland.

Leider haben sich unter dem erfolgreichen Marketing von Doris Leuthard alle Parteien ausser die SVP diesem Unsinn angeschlossen, sogar die seit Jahren kopflos agierende Economiesuisse. Wer die Elektromobilität mit allen Mitteln vorantreibt und gleichzeitig, ohne Alternativen zu haben, die Kernkraftwerke abstellt, wie dies Deutschland und die Schweiz machen, ist von allen guten Geistern verlassen. Wenn die Schweiz dann noch glaubt, dass ihr die EU helfen wird, hat sie offensichtlich den Verstand verloren. Diesen ganzen politischen Blödsinn unserer «Zeitgeist-Surfer» jedoch mit der Ablehnung von EWR und Rahmenabkommen zu begründen, ist genauso unsinnig, wie Schneebälle zu grillieren.

Felix Zulauf, Zug

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