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Diese Lehrkräfte sind im Kanton Zug rar

Heilpädagogen und Kindergartenlehrpersonen sind noch immer eher Mangelware. Rektoren, Ausbildner und Lehrpersonen erklären die Gründe dafür und zeigen Lösungswege auf.
Laura Sibold
Kindergärtnerin ist für sie noch immer der schönste aller Berufe: Barbara Kurth, Präsidentin des Lehrervereins. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 9. April 2019))

Kindergärtnerin ist für sie noch immer der schönste aller Berufe: Barbara Kurth, Präsidentin des Lehrervereins. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 9. April 2019))

Aktuell beschäftigen sich die Schulen im Kanton Zug mit der Planung des nächsten Schuljahres. Stellen werden ausgeschrieben und auf August besetzt. Seit einigen Jahren zeigt sich, dass besonders bei den Heilpädagogen Stellen offenbleiben. Es sei ein nationales Problem, dass man zu wenig Heilpädagogen, aber auch immer weniger Kindergartenlehrpersonen finde, bestätigt Barbara Kurth, Präsidentin des Lehrervereins Kanton Zug.

Die gemeindlichen Schulen geben für dieses Jahr allerdings erstmals Entwarnung. «Im Austausch mit den elf Zuger Schulen hat sich gezeigt, dass für das nächste Schuljahr fast alle Stellen für Heilpädagogen und Kindergartenlehrpersonen besetzt werden können», sagt Dominik Lehner, Rektor der Schule Neuheim. Das könnte als Anzeichen eines Aufwärtstrends gedeutet werden. So war es laut Lehner in den Vorjahren deutlich schwieriger, passende Kindergartenlehrpersonen und Heilpädagogen zu finden.

Primarlehrer verdienen rund acht Prozent mehr

Auch Judy Müller, Leiterin Sonderpädagogik des Amtes für gemeindliche Schulen, bestätigt, dass der Kanton Zug im schweizweiten Vergleich gut aufgestellt ist. «Von den Personen, die im Kanton Zug als Heilpädagogen tätig sind, verfügen gut 80 Prozent über eine qualifizierte Ausbildung. In anderen Kantonen hat man grössere Differenzen. Und die Anstellungsbedingungen sind hier sehr gut.» Dennoch ist auch in Zug nicht alles Gold, was glänzt. Barbara Kurth bedauert, dass das Ansehen der beiden Berufsfelder abgenommen hat. «Kindergartenlehrpersonen und Heilpädagogen erfüllen eine wichtige Rolle im Schulalltag.»

Viele Absolventen der Pädagogischen Hochschule (PH) Zug ziehen aber den Lehrerberuf vor. Von den rund 370 Studierenden machen rund drei Viertel das Primarschulstudium (1. bis 6. Klasse) und nur ein Viertel die Ausbildung Kindergarten/Unterstufe, die zum Unterrichten von Kindergarten bis 3. Primarstufe berechtigt. Zu tun hat dies unter anderem mit der Entlöhnung. Auch wenn Kindergarten und Primarschule im Kanton Zug finanziell gleich eingestuft sind, verdient eine Kindergartenlehrperson noch immer sieben bis acht Prozent weniger. Die Differenz ergibt sich laut Kurth aus der geringeren Anzahl Lektionen im Kindergarten bei gleichem Pensum wie in der Primar. «Wer die Doppelausbildung Kindergarten/Unterstufe absolviert und noch keine Präferenz für eine Stufe hat, wählt eher den finanziell besser gestellten Job», bedauert Clemens Diesbergen, Prorektor der PH Zug.

Die Ungleichbehandlung wird auch bei den Rektoren der gemeindlichen Schulen als störend empfunden. «Der Lohnunterschied lässt sich heute durch nichts mehr erklären. Kindergarten- und Primarlehrpersonen absolvieren eine gleichwertige Ausbildung und haben gleiche Berufsanforderungen zu erfüllen», sagt Rektor Dominik Lehner. Einen Schritt weiter geht Barbara Kurth, die seit 40 Jahren als Kindergärtnerin tätig ist. Der Kindergarten sei didaktisch die anspruchsvollste Stufe. Jedes Kind sei in der Entwicklung unterschiedlich weit und man müsse feinfühlig und flexibel reagieren können. «Die Wichtigkeit der Frühförderung für die weitere Entwicklung wird nur langsam erkannt.» Der Lehrerverein setze sich dafür ein, dass die Lohndifferenz eliminiert wird und gleiche Anstellungsbedingungen gelten. Möglich könnte dies im Zusammenhang mit der anstehenden Revision des kantonalen Lehrpersonalgesetzes werden.

Attraktivität der Berufe soll gesteigert werden

Dass phasenweise noch immer zu wenige Heilpädagogen zu finden sind, hat mit der Umstellung auf das integrative System zu tun. «Damit wurde im kantonalen Richtplan verankert, dass jede Schulklasse Heilpädagogen beiziehen soll, womit der Bedarf auf einmal deutlich höher war als das Angebot», erklärt Barbara Kurth. Zudem würden viele Heilpädagogen nur in einem Teilzeitpensum arbeiten, was weniger Lohn mit sich bringt. Da ein Heilpädagoge ähnlich wie ein Sekundarlehrer entlöhnt wird, ist das Absolvieren der weiteren Ausbildung für diese Lehrer nicht attraktiv. «Heilpädagogen sind jedoch wichtig, um Kinder mit besonderen Bedürfnissen – etwa einer Lernschwäche oder eine besondere Begabung – zu fördern», versichert Clemens Diesbergen, der an der PH Zug als Leiter Ausbildung tätig ist. Aus diesem Grund weise man Studenten vermehrt auf die entsprechende Ausbildung an der PH Luzern hin. Zudem versuche man, die Position des Kindergartens an der PH Zug zu stärken. «Wir bieten mehr Praktika im Kindergarten an und das Abschlusspraktikum ist neu auf dieser Stufe machbar.»

Eine weitere Baustelle kennt Rektor Dominik Lehner. Auch wenn man für das nächste Schuljahr genug Kindergartenlehrpersonen und Heilpädagogen habe, zeige sich ein Problem bei den Logopäden. «Da ist der Stellenmarkt extrem ausgetrocknet.»

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