Diese Zuger Autorin hat ihre Leichen nicht gezählt

Das neue Buch «Alt-Weiber-Krimis» der Zugerin Margarita Meier ist spannend und vergnüglich zu lesen.

Monika Wegmann
Hören
Drucken
Teilen
Die 84-jährige Margarita Meier aus Zug schreibt gerne Krimis.

Die 84-jährige Margarita Meier aus Zug schreibt gerne Krimis.  


Bild: Maria Schmid (15. Januar 2020)

Eine freundliche, alte Dame. Das ist der erste Eindruck, den man bei einer Begegnung mit der 84-jährigen Zuger Autorin Margarita Meier hat. Und obwohl sie nicht mehr so gut zu Fuss ist, muss man sehr vorsichtig sein, denn diese herzliche Seniorin scheut sich nicht, diejenigen, die ihr böse erscheinen oder ungerecht begegnen, eiskalt umzubringen. Gottseidank mordet sie nur literarisch auf dem Papier! «Meine Leichen in all den Jahren habe ich noch nicht gezählt», sagt sie und lacht schelmisch.

Erst seit der Pensionierung hat Margarita Meier mit dem Schreiben von Texten so richtig begonnen. «Zuerst entstanden Mundart-Geschichten für meine Enkel, etwas später die Geschichten der Celestina, die im Tessin spielt, da ich mich im Sommer dort oft in unserem Ferienhaus aufhalte. Sie ist auch im meinem Buch enthalten.»

In ihrem ersten Krimi spielt die Mafia eine Rolle

Die Idee für den ersten Krimi kam Margarita Meier eines Tages in den Sinn, als sie in ihrer Zuger Wohnung aus dem Fenster in gegenüberliegende Haus sah und feststellte, dass der russische Mann auf einmal eine neue Frau an seiner Seite hatte.

«Mir kam damals spontan in den Sinn. Hier könnte doch nachts etwas passieren, hat er sie vielleicht abgemurkst, und ich habe angefangen zu phantasieren.»

So entstand das «Tagebuch der Martha Gut», einer 90-Jährigen, welche aus Angst vor der russischen Mafia zur Mörderin wird. Gegenüber der Polizei streitet sie jede Einmischung ab und spielt die alte, leicht demente und darum vermeintlich harmlose Frau.

Ebenso kostet es einer Pflegerin das Leben, welche es in einem Heim gegenüber einer Bettnachbarin an Würde fehlen lässt. Die Wut einer Seniorin bekommt auch Erikas zweiter Mann zu spüren, wie auch Marianne, eine frühere sehr arrogante Schulkameradin, welche in einer Kapelle eingeschlossen und einfach «vergessen» wird.

Die kriminelle Fantasie der Autorin

Gemessen an der Vielfalt der Todesarten ist es erstaunlich, über welche «kriminelle» Fantasie Margarita Meier verfügt. In ihren «Alt-Weiber-Krimis und anderen unwahrscheinlichen Geschichten» ermittelt kein Kommissar. Die Geschichten sind in der Ich-Form geschrieben. «Ich morde, denn das habe ich niemand anderem zugemutet», sagt Margarita Meier humorvoll. Fast niemand bringt die mordenden Seniorinnen zur Strecke. Sie lügen und werden nicht erwischt, weil sie äusserst listig vorgehen. Nur ab und zu geraten sie in Situation, wo sie selber zu Opfern der eigenen Vergeltungspläne werden.

Die Ideen entspringen ihrer regen Phantasie und Fabulierlust. Margarita Meier sagt:

«Ich habe mir gedacht: Im Alter muss nicht alles gediegen, brav und weise sein.»

Darum geniesst sie es, über diese ausgefuchsten älteren Damen zu schreiben. «Sie sind zwar durch das Alter körperlich angeschlagen, aber schlau und können sich wehren. Und im Alter darf man ruhig etwas verrückt sein.»

Die Ideen kommen ihr im Alltag

Die Geschichten spielen in der näheren und weiteren Region, sie sind spannend und witzig geschrieben – oft mit kuriosem Schluss – und sind vergnüglich zu lesen. Die in Luzern aufgewachsene ehemalige Sozialarbeiterin und Körpertherapeutin Margarita Meier, die auch selber gerne Krimis liest, kommt oft bei Begegnungen oder kleinen Sachen im Alltag auf eine Idee für eine neue Story.

«Ich frage jemanden, höre oder sehe etwas. Und schon entwickelt sich in meinem Kopf eine neue Handlung. Erst dann schreibe ich am Computer los.» Und sie betont: «Ich bin ein lieber Mensch und bringe jemanden nicht zum Vergnügen um. Aber wenn es Ungerechtigkeiten gibt, da greife ich ein und helfe, und der andere muss büssen.»

Das Buch von Margarita Meier «Alt-Weiber-Krimis und andere unwahrscheinliche Geschichten» ist in Zuger Buchhandlungen erhältlich und liegt in der Bibliothek auf.