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DIESELSKANDAL: Update-Verweigerer müssen zahlen

Wer mit dem Softwareupdate, das wegen des Abgasskandals durchgeführt wird, wartet, etwa wegen technischer Vorbehalte, erhält einen Brief des Strassenverkehrsamts. Schon 80-mal wurde dieser im Kanton Zug verschickt.
Christopher Gilb
Die Diesel Updates werden unter anderem bei der Amag in Cham durchgeführt (im Bild). (Bild: Stefan Kaiser (Cham, 25. Mai 2016))

Die Diesel Updates werden unter anderem bei der Amag in Cham durchgeführt (im Bild). (Bild: Stefan Kaiser (Cham, 25. Mai 2016))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Die Aufforderung des Strassenverkehrsamts Zug kam am 20. Februar: Schon mehrfach sei er von der Amag aufgefordert worden, seinen Audi instand stellen zu lassen, da dieser nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen entspreche. Sollte er dies nicht bis zum 29. März nachholen, werde das Fahrzeugausweisentzugsverfahren eingeleitet. Für das Schreiben berechnet das Verkehrsamt eine Gebühr von 50 Franken. «Das ist doch unverhältnismässig», sagt der Empfänger des Schreibens, der 50-jährige Diplom Ingenieur Thomas Steudten aus Steinhausen. «Das wirkt ein bisschen, als müssten die Kunden fürs Verhalten der Autokonzerne bezahlen, und gleichzeitig hat man noch den Aufwand, das Auto vorbeizubringen.»

Der Grund, dass er seinen Diesel nachrüsten muss, sind die Machenschaften des Automobilkonzerns VW. Weltweit hat dieser bei 11 Millionen Dieselfahrzeugen eine Manipulationssoftware eingebaut. In der Schweiz waren 180 000 Kunden vom Abgasskandal betroffen. Eine der Konsequenzen davon: Betroffenen müssen bei ihrem Auto ein kostenloses Software-Update machen lassen. Die Stiftung für Konsumentenschutz hatte bis jetzt geraten, mit dem Update zuzuwarten. «Wir haben zahlreiche Meldungen erhalten, wonach die Fahrzeuge nach dem Update ungleichmässig laufen, weniger Leistung abrufen konnten oder mehr Treibstoff verbrauchten als vorher», begründete dies deren Sprecher Alex von Hettlingen kürzlich gegenüber der Luzerner Zeitung. «Unter diesen Umständen halten wir diese Empfehlung aber nicht weiter aufrecht, denn angesichts des drohenden Zulassungsentzugs ist das Update das kleinere Übel", sagt er weiter. Auch wegen der ursprünglichen Empfehlung der Stiftung für Konsumentenschutz, und weil er auch schon von mehreren Autobesitzern persönlich gehört habe, dass sie Probleme danach gehabt hätten, habe auch er bisher aufs Update verzichtet, sagt Thomas Steudten.

Zweimal das Kontrollschild eingezogen

Doch das Strassenverkehrsamt ist unnachgiebig. Falls der Kunde den drei bis vier Aufforderungen des Generalimporteurs nicht nachkomme, müsse man von Amtes wegen aktiv werden», so der stellvertretende Amtsleiter Silvan Häfliger. Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat die Strassenverkehrsämter als Vollzugsstellen in der Sache definiert. Bis heute habe das Strassenverkehrsamt Zug rund 80 Aufforderungen verschicken müssen, so Häfliger weiter. «Zwei der Kontrollschilder mussten wir dann entziehen.» Bei beiden seien zwischenzeitlich jedoch Updates durchgeführt worden.

Die Gebühr von 50 Franken findet Häfliger nicht unverhältnismässig. Diese beinhalte unter anderem die gesamte Bearbeitung, darunter die Falleröffnung, die Überprüfung der Fahrzeugdaten und das Schreiben der Aufforderung. Der Konsumentenschutz sieht dies anders: «Die Gebühr ist auch aus unserer Sicht unverhältnismässig. Wir haben eine ähnliche Rechnung dem Preisüberwacher weitergeleitet und ein Überprüfungsverfahren beantragt», schreibt dieser auf Anfrage Steudtens. Der Konsumentenschutz empfiehlt ihm, eine Beschwerde einzuleiten.

Nebst dem, dass er die Gebühr des Strassenverkehrsamtes unverhältnismässig findet, fragt sich Steudten auch, ob das Update bei seinem Auto wirklich nötig ist. «Bei uns wurde nachträglich ein eigenes Steuergerät der Firma Abt eingebaut. Und so wie ich es verstanden habe, ersetzt dieses sowieso die reguläre Firmware», so Steudten. Gemäss der Amag ist das Update trotzdem nötig. «Die Software eines Autos ist sehr komplex, ein Tuning überschreibt nicht die komplette Software, sondern optimiert im Normalfall gewisse gewünschte Parameter», schreibt Amag-Sprecher Dino Graf.

Mittlerweile seien über 98 Prozent aller betroffenen Fahrzeuge umgerüstet. Und bei über 160 000 umgerüsteten Fahrzeugen seien beim Importeur nur rund 400 unterschiedliche Kundenbeanstandungen vermerkt. Zu Steudtens Kritik mit dem Zeitaufwand schreibt er: «Die meisten Kunden haben einen Termin gewählt, der für sie sowieso gepasst hat beispielsweise wegen eines Reifenservices.» Somit bedeutete das für sie kein Mehraufwand. Es sei zudem branchenüblich, dass bei einem Rückruf die Kunden gebeten würden, ihr Fahrzeug zu bringen.

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